Das letzte Spiel vom Ende der Welt
von
Andre Schuchardt
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Hier stand Er nun also, das Feuer Seiner Fackel warf tanzende Schatten tief in den endlos erscheinenden Tunnel hinab, mehrere hundert Fuß tief unter der Stadt und immer noch mehrere Dutzend unterhalb des Meeresspiegels. Während Er bibbernd in der nassen Kälte dieses klammen, dunklen unterirdischen Ganges stand, dachte Er darüber nach, was Ihn eigentlich in diese Situation gebracht hatte.
Auf der Suche nach Ruhm und Reichtum war Er, wie so viele andere vor Ihm, in die weite Welt ausgezogen, immer auf Jagd nach neuen Abenteuern. Nun zog es Ihn bald auf jenen Weg, der Spaß und viel Lohn ohne größeren Aufwand versprach – so verschlug es Ihn nach Ciprylla.
Ciprylla, diese halbfreie größte Hafenstadt Rardisonáns war der wohl wichtigste Anlaufpunkt für Söldner, Abenteurer und Glücksritter der umliegenden Länder. Die Söldner kamen um lukrative Aufträge an Land zu ziehen, die meisten der Abenteurer und Glücksritter aber, um an dem Großen Spiel teilzunehmen. Wer das Spiel über durchhielt und sogar das Finale durchstand, konnte seit je her neuer Fürst der Stadt werden. Doch das interessierte Ihn nicht, Er wollte lediglich den Reichtum.
Und so suchte Er sich eines der kleineren, privaten Spiele abseits des öffentlichen Interesses.
Eines Abends fand Er sich in dem verrauchten Hinterzimmer einer heruntergekommenen Hafentaverne dabei wieder, wie Er grad Sein letztes Geld beim Wetten auf Gladiatorenkämpfe verlor. Ein illegales Geschäft, wie Er feststellen musste, als die ausnahmsweise mal tüchtigen Stadtwächter die Taverne stürmten, einem anonymen Hinweis folgend. Ein paar Besucher wehrten sich und wurden erschlagen, andere konnten fliehen.
Er selber aber fand sich in einer Zelle der Hafenwächter nah des Soráretors wieder, welches vor Jahrhunderten zum heute längst vernichteten Soráre führte. Zu seinem Glück fiel Sein Vergehen nicht schwer genug aus und man setzte Ihn rasch an die frische Luft. Aber wohin jetzt? Er war gekommen um reich zu werden und nun stand Er völlig mittellos da. Seine Waffen hatten Ihm die Wächter abgenommen und ohne diese hatte Er keine Chance, weder beim Großen Spiel noch bei den kleineren Veranstaltungen.
Genau zu diesem Zeitpunkt aber sprach Ihn eine merkwürdige Gestalt an, als Er sich gerade in irgendeiner Seitengasse zum Schlafen niederlegen wollte. Vollkommen in eine schwarze Robe gehüllt, die Kapuze tief ins Gesicht gezogen, so dass Er ihr Nahen nicht bemerkte. Erst als sie direkt neben Ihm stand und das Wort ergriff, bemerkte Er sie.
„Es scheint mir, ihr müsst gar sehr vom Pech verfolgt sein, wenn ihr gezwungen seit ausgerechnet hier euer Lager aufzuschlagen.“
Mit einer umfassenden Armbewegung machte sie auf die schmutzige Gasse aufmerksam.
„Wenn ihr wollt könnte ich euch zu großen Reichtümern verhelfen. Ihr müsst dazu nur…, “ und die Stimme des Fremden wurde bedrohlicher, „ihr müsstet dazu nur an einem kleinen Spiel teilnehmen.“
Natürlich willigte Er ein – was hatte Er noch zu verlieren?
Der Fremde führte Ihn zu einem alten Lagerhaus an den Docks. Von Außen wie von innen war es vollkommen heruntergekommen. Im Innern aber drängten sich weitere Gestalten zusammen. Sie standen in einer perfekten Reihe einmal um die gesamte Länge der vier Wände des Gebäudes. Mehrere Dutzend schwarz verhüllter Gestalten, die Kapuzen ins Gesicht gezogen um ebenjenes zu verdecken. Still und starr standen sie da und beobachten Ihn, wie Er, seinem Begleiter folgend, zur Mitte der sonst freien Halle geführt wurde. Dort, an einer in den Boden eingelassen Falltür, blieb Sein Führer stehen und sprach wieder, mit einer Stimme wie aus dem Grab gekrochen.
„Dort hinunter müsst ihr steigen und unten eine komplette Nacht verbringen. Wenn wir euch morgen früh hier wieder abholen werdet ihr reicher sein als ihr es euch je hättet erträumen können!“
Und ein leises Raunen ging durch die versammelte Menge.
Langsam fragte Er sich, worauf Er sich hier eigentlich eingelassen hatte. Ein neuer Geheimkult? Oder bloß eine Versammlung gelangweilter junger Adligen, denen das Große Spiel zu langweilig geworden war und denen es nach neuem dürstete? Aber auch wenn es Ihm doch unheimlich vorkam – das versprochene Geld lockte viel zu sehr…
Also willigte Er erneut ein.
Sein Begleiter öffnete die Tür für Ihn. Eine Treppe offenbarte sich und Er begann den Abstieg. Auf der halben Strecke warf Er einen Blick zurück. Ihm fiel auf, dass sich noch keiner der Beobachter gerührt hatte… dann schloss sich plötzlich die Falltür über Ihm und Er stand im Dunkeln da. Tastend setze Er Seinen Weg hinab fort und stolperte am Fuß der Treppe über etwas. Seine suchenden Finger fanden eine Fackel, einen Wetzstein samt Stahl und Zunder. Mit dem Stein entfachte Er den Zunder und damit die Fackel.
Und so stand Er nun also da, das Feuer Seiner Fackel warf tanzende Schatten tief in einen endlos erscheinenden Tunnel hinab. Plötzlich, während Er sich noch wünschte mehr Kleidung zum Schutz gegen die nasse Kälte zu haben, wurde Er sich bewusst, dass Er eigentlich gar nicht wusste was Er hier zu erwarten hätte.
Für einen Augenblick kam in Ihm das ungute Gefühl einer draußen im Dunkel lauernden Bedrohung auf. Ihm war, als würde sich Ihm etwas nähern, etwas Unheilvolles. Furcht beschlich Ihn und ängstlich kroch Er rückwärts die Treppe wieder hinauf. Oben angekommen musste Er feststellen, dass man die Falltür verschlossen oder versperrt hatte. So entschied Er sich dafür, erst einmal auf der untersten Stufe der Treppe auszuharren um dort die Nacht totzuschlagen. Schneller als befürchtet jedoch kam das ungute Gefühl zurück. Er sprach sich Mut zu und sagte sich, die beste Möglichkeit es loszuwerden sei, sich Ihm zu stellen. Dazu gesellte sich eine leichte Neugier, wohin dieser Tunnel wohl führen möge. Als sei er bereits vor Äonen vom Meer ausgewaschen wurden, vermittelte der Tunnel ein Gefühl des Uralten. Er stand auf und schritt voran, die Dunkelheit mit Seiner Fackel zurücktreibend, nur damit sie sich dafür hinter Ihm wieder sammelte.
Vielleicht eine gute Stunde1 folgte Er dem endlosen Gang.
Irgendwas schien Ihn zu rufen. Er stoppte um kurz zu lauschen, doch Er hörte nichts
und ging weiter. Bald kam in Ihm das Gefühl des Gerufenwerdens erneut auf. Wieder
stoppte Er, wieder hörte Er nichts. Beim dritten Mal schließlich gab Er dem Drängen
nach und folgte dem Ruf.
Er folgte ihm, bis Er feststellte, dass der Boden unter Seinen Füßen lockerer wurde. Was zuvor blanker Fels war, wich nun einer staubigen Erdschicht.
Plötzlich erlosch die Fackel.
Wie erstarrt stand Er in der unerwarteten und absoluten Dunkelheit. Erneut stieg Furcht in Ihm auf. Etwas beobachte Ihn von Fern im Dunkel, etwas Bösartiges. Und es näherte sich Ihm. Es flüsterte und lockte Ihn, es kam und würde Ihn holen um Ihn in irgendwelche grausamen Abgründe hinab zu ziehen. Die Angst vor dem Dunkel wurde in Ihm übermächtig und drohte Ihn zu überwältigen.
Ein plötzlicher Lufthauch strich
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