Das letzte Spiel vom Ende der Welt
von
Andre Schuchardt
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über Seine Wange und löste den Bann.
Von Panik erfüllt galt Sein einziger Gedanke jetzt der Flucht, egal wohin, egal wovor.
Blindlings rannte Er den in pechschwarze Nacht getauchten Gang entlang. Er fühlte, wie es Ihn verfolgte, Er konnte die Schritte hinter sich hören, Er vermeinte heißen geifernden Atem im Nacken zu spüren und Seine Nase nahm einen beißenden Gestank von Verwesung auf.
Dann spürte Er, wie der Boden unter Ihm nachgab und die Erde wegsackte. Er verlor das Gleichgewicht und rutschte auf einer Erdlawine einen abschüssigen Hang hinab. Er spürte noch, wie Er mit dem Kopf schmerzhaft gegen einen Stein stieß, eh Ihm schwarz vor Augen wurde.
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1 [Anm. des Autoren: 1 Stunde entsprechen 50 min.]
II
Als Er wieder zu sich kam, schien Ihm die Sonne ins Gesicht.
Blinzelnd öffnete Er die Augen und fragte sich, was geschehen sei. Wo war Er? Er sah sich um und erkannte, dass Er sich im Freien befand, Er war weder in einem dunklen Gang noch in der Stadt. Er lag auf einer grünen Wiese, mit dem Rücken an einen Abhang gelehnt und über sich in diesem Abhang erkannte Er eine dunkle Öffnung.
Er überlegte kurz, ob Er wieder zu dem Gang hoch krabbeln solle, immerhin war der neue Tag angebrochen und die Belohnung für Sein Überstehen der Nacht lockte doch sehr. Dann aber meldete sich ebenso eindringlich wie plötzlich die Natur in Ihm und Er verschwand in einem kleinen Wäldchen, um ihr freien Lauf zu lassen.
Als Er den Hain wieder verließ, fiel Ihm etwas Sonderbares an dem Abhang auf, welcher Ihn förmlich ausgespuckt hatte. Dieser kam Ihm nämlich sehr bekannt vor. Endlich wagte Er einen Blick nach oben, die Flanke des Felsens hinauf. Und was sah Er?
Stadtmauern. Ciprylla!
Er war also am Osthang der Stadt hinausgekommen. Aber warum war niemanden dieser Tunnel, der ein Risiko sondergleichen darstellte, bekannt?
Etwas stimmte nicht an dem Bild der Stadt. Es wehten die falschen Banner auf den Türmen der Stadt. Wo waren die Flaggen von Ojútolnán, Rardisonán, Guihúda und Ciprylla? Die Wappen waren Ihm völlig fremd. Sollte die Stadt über Nacht gänzlich
überraschend von einer fremden Macht erobert worden sein? Aber das konnte nicht sein, niemand bezwang eine der wichtigsten Städte von Rardisonán.
Also beschloss Er den Tunnel zu nutzen, in die Stadt zurückzukehren und die Lage auszukundschaften. Wäre alles in Ordnung, würde Er Seine Belohnung erhalten – ansonsten könnte Er ebenso schnell wieder fliehen. Da Er die Fackel im Gang verloren hatte, beschloss Er, aus einem Ast eine neue zu basteln. Gerade als Er sich auf die Suche nach einem verwertbaren Stück zukünftiger Holzkohle machen wollte, beschlich Ihn ein ungutes Gefühl. Er blickte um sich und bemerkte einige dunkle Figuren durch den Wald huschen. Angsterstarrt blieb Er stehen.
Unvermittelt sprangen wild aussehende Gestalten aus dem Busch und fielen Ihn an. Erschrocken und reflexartig versuchte Er sich zu wehren, wurde aber schnell niedergeschlagen.
Bei Seinem nächsten Erwachen lag Er gefesselt mit dem Gesicht im Gras, umringt von Dutzenden schmutziger Stiefeln. Die Stiefel gaben aufgeregtes bis belustigtes Gemurmel in einer Ihm fremden und rauen Sprache von sich, welche Ihm nur entfernt bekannt vorkam. Schließlich befahl ihnen aber eine laute, feste Stimme Ruhe – oder besser gesagt, dass vermutete Er; auf jeden Fall aber verstummten die Stiefel augenblicklich. Er rollte sich, vor Schmerzen stöhnend, auf die Seite und versuchte einen Blick in die Richtung zu erhaschen, aus der die Stimme gekommen war.
Ihm wurde schnell bewusst, dass Er sich mitten in einem Heerlager befand. Er erblickte weite Reihen von Zelten und etliche Krieger aller Rassen in bunt zusammen gewürfelten Rüstungen – und schmutzigen Stiefeln. Offensichtlich eine Söldnerarmee. Vor dem größten Zelt machten grad zwei Paar besonders hässlicher Stiefel einem
dritten, nicht sonderlich auffälligen Paar Platz. Man sah aber sofort, dass die Gestalt,
welche in den Stiefeln steckte, eine wahre Führungspersönlichkeit war. Er war weder größer, noch muskulöser, noch schöner oder gar sauberer als der restliche Haufen. Aber diese Ausstrahlung… . Außerdem und vor allem aber trug er die mit Abstand kostbarste Rüstung mit den buntesten Verzierungen. Er selber hatte die dunkle Haut eines waschechten – und waschresistenten – Tolumi.
„Wer bist du? Kommst du aus der Stadt?“ fragte Ihn der Tolumi tatsächlich auf Juepisch, der älteren Form Seines Toljikisch.
Er wandte den Kopf zur Stadt, die westlich auf der Klippe lag, dann zurück zum Tolumi und nickte vorsichtig.
„Wer seid ihr?“ wagte Er zu fragen.
Der Tolumi lächelte selbstgefällig und antwortete: „Ich bin Khanon Mharale und werde diese Stadt erobern!“
„Khanon Mharale!“ keuchte der Gefesselte.
Das konnte unmöglich sein!
Mharale aber deutete Sein Entsetzen falsch und verbreiterte nur sein Lächeln.
„Ja, ich bin es. Und ich werde mir das Geld schon noch holen, welches mir der Sonnenkult schuldet!“
Mharale lebte vor Tausenden von Jahren, schoss es Ihm durch den Kopf. Das musste ein sehr schlechter Scherz sein! Ihm wurde schlecht und Er erbrach sich zu Füßen Mharales, so Seine Ehrerbietung zeigend. Dieser lachte laut auf und nahm es wohl als ebendieses.
„Jetzt verrat mir aber, woher du kommst. Dein Dialekt ist mir unbekannt“, fuhr Mharale fort.
Als der Angesprochene sich nur weiter am Boden krümmte und stöhnte, trat Ihm einer der Söldnerstiefel in den Magen und fauchte Ihn an:„Sprich!“
Da Er keine weiteren Schmerzen erleiden wollte, beugte Er sich: „Aus der Stadt! - Aber ihr seid bereits seit Jahrtausenden tot!“
In den Reihen der Söldner brachte dies neben großem Gemurmel auch Ausrufe wie „Irrer!“ und „Lügner!“ hervor, bis Mharale sie mit einem harschen „Ruhe!“ zu jener brachte.
Mharale beugte sich zu seinem Gefangenen runter und sah Ihn eindringlich an.
„Tot, sagst du? Nun! Wie du siehst lebe ich wohl noch“
Er zwackte sich zum Beweis selbst in den Arm.
„Wie kann das sein?“
Aber ohne auf eine Antwort zu warten fuhr er fort: „Sag mir, was hast du in der Stadt getan?“
Mharale erfuhr eine unter Schluchzen und Heulkrämpfen vorgetragene Geschichte, welche ihm die Ereignisse der letzten Tage schilderte, von der Ankunft in Ciprylla bis zu dem Erwachen vor des Söldnerführers Stiefeln. Vermutlich hielt dieser sie für die Visionen eines Trunkenboldes. Dagegen interessierte er sich aber sehr für den Tunnel.
„Du sagst also, es gibt einen geheimen Tunnel in die Stadt? Zeig ihn mir!“
Wenig später und teilweise unfreiwillig standen sie im Schutze des Wäldchens beim Tunnel, um von den nahen Stadtmauern nicht erblickt werden zu können, begleitet von zwei Söldnern.
„Wenn dieser Eingang wirklich in die Stadt führt, ist sie unser!“
Ein größenwahnsinniger Ausdruck trat in Mharales Augen. Er deutete nacheinander auf die zwei
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