Das letzte Spiel vom Ende der Welt
von
Andre Schuchardt
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Söldner.
„Ihr zwei geht mit ihm da rein, …“
Dann schilderte er seinen Plan. Sollte der Tunnel tatsächlich in die Stadt führen, würden die drei dort bis zum Ende der Nacht warten um danach ins Haupttorgebäude einzudringen und das Tor zu öffnen. Durch ein Signal angelockt, würde Mharale daraufhin die Stadt stürmen. Andernfalls sollten die Söldner aus dem Tunnel rechtzeitig zurückkehren, dann allerdings ohne ihren Begleiter.
Um Sein Leben zu retten willigte der Tunnelreisende mal wieder ein.
Sie betraten sofort den Tunnel und machten sich auf den Weg, Fackeln hatten die Söldner dabei. Zunächst mussten sie einen kleinen Abhang hinaufklettern, den Er zuvor wohl runtergerutscht war. Die Söldner sprachen kein Wort und irgendwann kam Er sich vor, als würde Er allein den Tunnel entlang gehen, verfolgt von leuchtenden Irrlichtern – oder einem brennenden Ungetüm, das Ihn verschlingen wolle.
Plötzlich erlosch dann auch das Licht und Er verlor das Gefühl, die Söldner hinter sich zu haben. Ohne sich umzublicken ging Er weiter, gefasst auf alles Mögliche. Er spürte Blicke von bösen Augen, die Ihn durch die Finsternis hindurch beobachteten und schließlich einen eiskalten Hauch im Nacken. Er beschleunigte Seine Schritte und fing bald an zu laufen, als Er die markerschütternden Schreie der Söldner hinter sich hörte, begleitet von dem Klirren auf den Boden fallender Schwerter und dem Brechen von Rüstungen und Knochen. Er lief und lief, spürte Hände nach sich greifen. Es war das unfassbar uralte Böse, das Er hier schon einmal gespürt hatte. Die Hände hielten Ihn fest und zogen Ihn in die Dunkelheit, riefen Seinen Namen, holten sich Ihn zu sich.
Er riss sich los und rannte weiter…
…und lief genau gegen eine Wand.
„…glaube, er wacht auf, “ weckte Ihn eine Stimme – viel wirksamer waren aber die begleitenden Ohrfeigen.
„Was…, “ murmelte der Aufwachende.
„Du bist plötzlich ohnmächtig geworden!“ klärte Ihn eine Stimme auf.
„Wo…, “ fing Er an, da klärte sich Sein Blick endlich und Er erkannte einen der Söldner vor sich.
„Steh auf, du fauler Hund!“ sagte dieser, ruppig und gar nicht nett, und zog Ihn unsanft auf die Beine.
„Du musst uns zum Tor führen oder wir sind alle der Gnade Mharales ausgeliefert!“
Langsam fing Er an, Seine Umgebung wahrzunehmen und gewahrte, dass sie sich bereits in dem Lagerhaus befanden, in welchem alles angefangen hatte. Nur stand es nun nicht mehr leer, sondern war bis an die Decke mit Kisten voll gestopft. Auch waren keinerlei schwarz gehüllte Gestalten zu sehen. Ihm wurde bewusst, dass, sollte Er tatsächlich in der Vergangenheit sein, die Stadt völlig anders aussehen müsste. Würde Er überhaupt den Weg zum Tor finden?
„Ich muss mich draußen mal umsehen“, sagte Er mit einem bestimmten Tonfall und ging Richtung Hallentor.
Da versperrte Ihm eine Schwertklinge den Weg.
„Halt! Wo willst du hin? …willst du uns verraten?!“ zischte Ihn der kleinere und stämmigere der beiden Söldner an, während das Schwert des Größeren, eines Tolumi, auf Seine Brust deutete.
„Ich habe euch doch schon erklärt, dass ich nicht aus dieser Zeit stamme!“ erwiderte Er, Seine Worte mit den Händen unterstreichend. „Damals sah die Stadt noch anders aus, ich muss mich erst zurechtfinden!“
Wenn es ein Traum war, warum fühlte sich dann die Schwertklinge so spitz und kalt an, warum roch die Luft so… echt?
„Du tust gar nichts ohne uns!“ meinte der kleine Söldner. „Sobald es dunkel ist, suchen wir zusammen den Weg!“
So verbrachten sie dann den Rest des Abends mit Warten und misstrauischen Blicken.
Nach Einbruch der Dunkelheit betraten sie die Stadt. Immer noch herrschte reger Betrieb, doch nachdem die Söldner sich Mäntel übergeworfen hatten, fielen sie nicht großartig auf – Glücksritter und Söldner gab es auch zu dieser Zeit schon in der Stadt. Ihm fielen aber sofort die zahlreichen Unterschiede auf. Zuerst einmal – wo war der Hafen? Die Klippe von Ciprylla brach erst 2000, im Jahr des zweiten Feuers, auseinander, gut 1800 Jahre1 nach Mharales Lebzeiten. Zu dieser Zeit nun aber lag er wohl noch am Fuß der Klippe oder außerhalb der Stadt. Das Lagerhaus war somit irgendwo innerhalb der Stadt. Es war schon merkwürdig dass es damals tatsächlich schon stand. Denn überhaupt erkannte Er eigentlich so gut wie kein einziges Gebäude wieder, was in Anbetracht der langen Zeitspanne aber auch nicht wunderlich war. Der Architekturstil war anders, die Leute sahen anders aus, kleideten und verhielten sich völlig anders – ebenso wie sie noch eine primitivere Form Seiner Sprache nutzten. Die Straßen folgten anderen Verläufen – nur der Himmel und der Boden waren dieselben.
Langsam bewegten sie sich in die Richtung, in der das Tor liegen musste. Die beiden Söldner hielten sich etwas verdeckt hinter Ihm.
Als sie an einer Kneipe vorbeikamen, stürzte plötzlich eine Gruppe Feiernder heraus.
Die Söldner hielten rechtzeitig an, doch Er stieß mitten in und unhaltbar gegen die Betrunken.
„Was war das?!“ rief einer der Feiernden verdutzt, als er etwas gegen sich
stoßen spürte, aber niemanden ausmachen konnte.
„Tut mir leid“, murmelte der Unfallverursacher, doch niemand beachtete Ihn – und bald zog die Gruppe weiter, sich kurz wundernd und dann weiter trinkend.
Etwas später, kurz vorm Tor, zog etwas Seinen Blick auf sich. Aus diesem Grunde bemerkte Er nicht, wie ein Wächter direkt auf Ihn zu steuerte, derweil die Söldner sich wieder wortlos in einen Schatten zurückzogen. Erneut prallte jemand, diesmal der Wächter, gegen Ihn. Er setzte bereits zu einer Entschuldigung an, bis Ihm auffiel, dass der Wächter verärgert in die Gegend guckte und nach einem Grund für diesen Zwischenfall suchte. Als des Wächters Blick Ihn streifte, wurde Ihm klar: er sieht mich nicht!
Irgendwann zog der Wächter verärgert von dannen, sich nach Übeltätern umsehend und Verwünschungen murmelnd. Bald darauf erschienen die Söldner wieder neben Ihm.
Der kleine stieß Ihn an: „Warum hat er dich nicht gesehen?“
Er wandte Seinen Blick dem Kleinen zu, noch vollkommen verwirrt, und antwortete: „Ich weiß es nicht.“
„Egal wie du’s angestellt hast, das kann uns noch nutzen!“
Wie es denn nun den Söldnern nützen könne, sollte Er später erfahren, als sich die
Nacht dem Ende zuneigte. Seine Aufgabe sollte es nun sein, ins Torhaus vorzudringen – oder besser gesagt einfach rein zugehen – und die Tore zu öffnen. Damit Er nichts Dummes anstellen würde, schnappten die beiden Söldner sich eine junge Frau und
drohten damit sie umzubringen, sollte Er nicht Seine Aufgabe erledigen.
Trotzdem versuchte Er drinnen verzweifelt schlafende Wächter zu wecken, aber Er konnte die Geschichte nicht ändern. Zwar schaffte Er das mit dem Wecken noch recht problemlos, doch es nützte Ihm nichts, da sie Ihn nicht sahen, sondern sich nur verwundert oder verärgert umblickten und teilweise gegenseitig beschuldigten. Auch hatte Er nie schreiben gelernt und könnte sie somit doch nicht
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