Das letzte Spiel vom Ende der Welt
von
Andre Schuchardt
1
2
3
4
5
6
stand bald am Meer. Was hatte Er getan? Er hatte Tausende dem Untergang geweiht. Auch wenn das eh das Schicksal der Geschichte war, der Grundstein zu Seinem Ciprylla gelegt würde – Er fühlte sich schuldig. Auch hatte nie jemand von solchen Monstren gehört.
Er besah sich die Stadt in der Ferne.
Und in dem Moment ging die Welt unter.
III
Der Qualm über der Stadt verdichtete sich zu einer schwarzen Wolke, die dämonisch über dem Geschehen hing. Feuer fiel in Form brennender Gesteinsbrocken vom Himmel und ergoss sich über die Stadt. Er sah, wie ein Turm von einem Feuerball getroffen wurde und explodierte. Steine schossen durch die Luft. Ein weiterer Turm wurde getroffen und stürzte den Felsen herab, den Tunnel in die Stadt vergrabend. Andere Feuerbälle trafen Häuser, das offene Land oder stürzten ins Meer. Immer mehr Feuer traf ebendieses, welches langsam anfing zu kochen. Er musste bald vom Wasser zurückweichen, um nicht von dem aufsteigenden, heißen Dampf verbrüht zu werden. Der Sandstrand zerschmolz um bald darauf zu Glas zu erstarren. Der Dampf bildete neue Wolken und regnete sein Wasser wieder herab.
Er entdeckte Fische, die tot und gekocht auf dem Wasser trieben. Er übergab sich, als der Gestank der toten Fische und anderer nun nicht mehr lebender Wesen überwältigend wurde und sich Seine Angst ins Unermessliche steigerte. Neben Ihm prallte ein Vogel auf den Boden, der im Flug gebraten wurden war. Immer mehr Vögel und Insekten stürzten verkohlt oder noch brennend vom Himmel. Er sank auf die Knie, das Schauspiel miterlebend, und verlor sämtliche Gefühle, ließ alle Gedanken und Hoffnungen fahren. Die Angst wich von Ihm, da Er sich Seines Schicksals bewusst war.
Mittlerweile waren die Wolken so dicht geworden, dass man vom Himmel nichts mehr erkennen konnte. Der Feuerregen fiel weiter und zog dunkle Wolkenfetzen hinter sich her, wann immer er diese durchstieß. Unerwartet wurde Er flach auf den Boden geworfen und küsste diesen unfreiwillig, als Ihn ein Windstoß erfasste. Er raffte sich wieder auf. Der Wind wurde unnatürlich schnell stärker, zerrte an Seiner Kleidung und peitschte Ihm das Haar ins Gesicht.
Draußen auf dem Meer stieg der Wind in Spiralen aufwärts und erfasste die Wolken. Langsam zerrte er sie runter, bis sich ein riesiges, dunkles, unförmiges Etwas über dem Meer gebildet hatte. Wo der Tornado auf jenes traf, verdrängte er das Wasser oder zog es hoch, um es wild herumzuwirbeln. Blitze zuckten vom Himmel und brachten das Wasser noch mehr zum Kochen. Vögel, die noch nicht geflohen oder vom Feuer getroffen wurden waren, sog der Tornado in sich um sie erst zu kochen und dann zu zerquetschen.
Immer mehr Blitze zuckten herab und dann endlich entluden sich die Wolken ihrer Last, taten es denen gleich, welche schon vorher auf die Idee gekommen waren. Als der Wind Ihm den Regen ins Gesicht klatschte, versuchte Er sich diesen aus dem Gesicht zu wischen. Verwundert blickte Er auf Seine Hand, bis es Ihm auffiel. Der Regen war rot.
Blut! Es regnete Blut und färbte schließlich das Meer blutrot. Der Wind trug Ihm den Gestank kochenden Blutes zu, doch Er konnte sich nicht mehr übergeben. Die Erde bebte unter Ihm, als ein Feuerball nicht weit entfernt einschlug, doch auch danach hielt das Beben weiter an.
Er rollte sich auf den Rücken und flehte letztlich doch noch zum Himmel, dass es aufhören möge. Er sah einen Baum über Sich durch die Luft wirbeln, von der Kraft des Windes entwurzelt, und krallte sich in den Boden, um nicht auch selber weggeweht zu werden, während in der Blutregen weiter benetzte. Da tat sich die Wolkendecke auf und ein heller Vollmond hing an einem nächtlichen Himmel.
Er wagte einen Blick zur Stadt rüber, gerade um zu sehen, wie das Beben sie erfasste und den Felsen spaltete. Wie ein brennendes Kartenhaus rutschte und stürzte die gesamte Stadt in das kochende Meer aus Blut, nur eine Felsenruine blieb stehen und erinnerte an sie. Hagel mischte sich in den Regen und schlug Ihm Wunden.
Er sah hoch zum Mond und rief Tól persönlich um Hilfe an. Da geschah etwas. Ein dunkler Schatten fiel auf den Mond und verdunkelte ihn langsam. Ihm grauste, als Er verstand was damit passierte: der gesamte weiße Mond, der Mía, färbte sich blutrot und hing wie sein Bruder, der eigentliche rote Mond, am Himmel. Neben Ihm tat sich die Erde als gewaltiger Spalt auf und Er musste immer mehr kämpfen, um nicht vom Wind wie ein Blatt weggeweht zu werden.
Und siehe! Das fürchterlichste, was Er je gesehen hatte und je sehen würde, wie ein gigantischer Bruder der Monstrositäten, welche in der Stadt gewütet hatten, zeigte sein Antlitz am Himmel, ja füllte ihn vollkommen aus. Nur der Mond hing wie ein Insekt vor seinem Gesicht, als er ausholte und nach der Welt griff um sie zu vernichten.
In dem Moment verlor Er Seinen Verstand, war zu keinem vernünftigen Gedanken mehr fähig. Unter Ihm rumpelte es, ein Spalt tat sich in der Erde auf und Er fiel. Doch nicht lange, da der Tornado mittlerweile den Strand erreicht hatte und Ihn die Winde hochhoben, derweil Blitze in den Spalt hinab stießen und sich Seine Haare am Körper aufrichteten. Er konnte sich nicht wehren, weder hätte Er es geschafft, noch war Sein Verstand länger dazu in der Lage. Langsam und unerbärmlich wurde Er in den Sog gezogen.
Und gerade als die titanenhafte Dämonenhand die Welt erfasste und wie eine überreife Pflaume zerquetschte, wurde Er in den Tornado gezogen, umspült von kochendem Blut, welches Seine Haare versengte und auch Ihn langsam kochte. Doch das Schicksal war ein letztes Mal gnädig mit Ihm, denn ein brennender Felsen sollte Ihn treffen und von den Qualen Seines Lebens erlösen.
Epilog
Am Himmel schien die Sonne. Gárjuno stand mit Amíra vor der alten Lagerhalle im Hafen. Sie hatten die schwarzen Umhänge angelegt, die sie als Spielleiter identifizieren sollten, die Kapuzen aber noch nicht übergezogen.
„Meinst du, wir haben diesmal einen Gewinner?“ fragte Amíra.
„Den letzten hatten wir vor gut zwei Jahren, wie du weißt“, erinnerte sie Gárjuno.
„Du glaubst also nicht an seinen Erfolg, was?“ stellte Amíra fest.
Dann trat ein schelmisches Glitzern in ihre Augen.
„Wollen wir wetten?“
Gárjuno grinste zurück.
„Was schlägst du als Einsatz vor?“
„Der Sieger darf den nächsten Spieler aussuchen und einweihen!“ erwiderte Amíra gierig und ohne zu zögern. Die letzten paar Male hatte Gárjuno das gemacht, nun wollte sie auch mal.
Beide willigten in die Wettbedingungen ein. Dann sahen sie sich noch mal kurz um, ob sie auch wirklich unbeobachtete seien, bevor sie die Kapuzen überstülpten.
„Bereit?“ fragte Gárjuno.
„Bereit!“
Zusammen öffneten sie die Tore. Licht flutete in die Halle. Langsam traten sie in den
1
2
3
4
5
6
Kommentare
Keine Kommentare vorhanden.
Kommentar hinzufügen