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Kategorien > Aus dem Leben > Drama

Das stille Ding

von marion zimmermann

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Das stille Ding

Ich horche auf. Diese Stille. Es ist ruhig. Zu ruhig. Gänsehaut überzieht meinen Körper. Meine Nerven sind gespannt. Innere Alarmglocken schrillen. Mein Körper pumpt Adrenalin. Ich spüre Gefahr in der Luft. Mit weit aufgerissenen Augen versuche ich mir einen Überblick zu verschaffen. Mein Herz rast und ich bekomme kaum noch Luft. Mit geballten Fäusten erhebe ich mich langsam von meiner Couch im Wohnzimmer. Mein Blick schweift über das Zimmer. Die Stille macht mir Angst. Was ist da los? Ich kann die Situation immer noch nicht einschätzen. Ich schleiche vorsichtig in das Esszimmer wie ein kleiner Taschendieb mit buckligem Rücken. Meine zusammengekniffenen Augen streifen umher und bleiben an der Küchentür kleben. Für einen Augenblick bleibt mein Herz kurz stehen, bevor mein Verstand begriffen hat, dass die Gefahr direkt dahinter lauert. Mein schnelles Atmen wird zu einem Hecheln. Ich versuche Ruhe zu bewahren, aber mein Körper lässt es nicht zu. Obwohl ich am ganzen Körper zittere, schaffe ich es, mich fast ohne Geräusch bis zur Küchentür anzupirschen. L – a- n – g – s – a – m strecke ich meinen Arm aus und drücke vorsichtig mit der Zeigefingerspitze die leicht angelehnte Türe auf. Ein leichtes Kratzen meines Fingernagels an der Tür ist zu hören. Meine Nerven sind blank. Die Tür ist offen und ich sehe – nichts. Nur die Küchenwand. Mein Herz pulsiert dröhnend wie eine aufgedrehte Bassanlage. Auf jeden Angriff vorbereitet luge ich um die Ecke des Küchenschrankes, um einen Überblick über die Küche zu erhaschen. Hier ist auch nich….hhhhhhhhhhhhhh – VERDAMMT NOCHMAL – kreische ich – NEEEEIIIIIIINNNNNNNNNNN!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!, brülle ich wild mit den Händen fuchtelnd und stürze verzweifelt auf den Küchenboden. OH, MEIN GOTT!, schluchze ich mit letzter Kraft, DER, DER, DER….schluchz . DER GESCHIRRSPÜLER IST AM ARSCH – schluCHZ – NEEIIINNN – VIEL SCHLIMMER – der VOLLE Geschirrspüler ist kaputt! Aus! Finito! Am Ende! Und ich hatte ihn erst 10 Minuten zuvor angeschaltet. Ich öffne widerwillig das stille Ding und inspiziere mit prüfender Verzweiflung das dreckige Geschirr, das in einer grau-trüben Lache badet. Oooohhh – Neiiinnnn! Muss ich jetzt das ganze Zeugs mit der Hand waschen? Mit der H – A – N – D?!!!! Wie ging das noch mal? Ich habe doch gar keine Zeit DAFÜR. Meine schönen, mühevoll abgekauten Fingernägel, werden danach dahin sein! Ich räume mit einem Ach-verdammt-ich-kanns-jetzt-eh-nicht-ändern-Gedanken das Geschirr aus dem stillen Ding und beginne es unter dem lauwarmen Strahl des Wasserhahns mit der Hand abzuwaschen. Nach dem zweiten Teller langweile ich mich zu Tode. Oh, Frau, das dauert! Der Sekundenzeiger kriecht von Strich zu Strich. Das macht er extra, denke ich, griesgrämig. Ich kannnnn nicht mehr, dabei bin ich erst beim vierten Teller. Bei den Töpfen ergeht es mir nicht besser und ich verdrehe mit herunterhängenden Mundwinkeln meine Augen von rechts nach links und zurück. Zeit – geh schneller! Iich habe keine Lust mehr!
Die Zeit, aber, macht, was sie will und zwingt mich mit ihr zu gehen. Nachdem ich mich mit der Situation abgefunden habe, werde ich ruhiger. Mein Herzschlag normalisiert sich, mein Atem wird ruhiger, meine Gedanken schalten sich aus, meine Hände waschen ab und meine Augen gucken zu. Die Zeit vergeht wie sie will, ich gehe mit ihr und das ist gut so.

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