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Kategorien > Mysterie > Anderes

Deep, black Night

von Dark Raven

Das Lachen ihrer besten Freundin wirkt ansteckend. Nun beginnt auch sie zu lachen. Der Wind weht in ihren Haaren, die Musik aus dem Radio dröhnt. Das Auto schießt durch die Nacht. Die durch die offenen Fenster wehende Luft ist kühl und erfrischen, ja belebend. Sie streckt sich wohlig. Sie fühlt jede Ihrer Zellen, jede Faser Ihres Körpers strotzt vor Vitalität und Lebensdurst.

Die dunkle Schwüle der Nacht wird von der großen Leuchtreklame der Diskothek erhellt, die das Ziel der Mädchen ist.
Kurz blitzt in ihr ein Gefühl auf das Sie zu erticken droht, doch es flackert nur kurz auf und erlischt.

In der Disco ist es schrecklich voll und drückend warm.
Die Musik donnert laut und röhrend aus den großen Boxen, sie spürt den Bass in ihrem Kopf, in Ihrem Nacken, überall und genießt es kurz sich zur Musik zu bewegen, sich treiben zu lassen.

Sie spürt die Blicke wie Nadelstiche in ihrem Rücken, spürt, wie die Haare in ihrem Nacken sich aufrichten. Es ist wie ein Soog, der ihren Kopf in die richtige Richtung zwingt, sie zwingt, zu schauen:
Ihr Blick gleitet über die Menge tanzender Menschen, sie kann jedoch nichts Ungewöhnliches entdecken und doch, wieder das Gefühl nicht atmen zu können, Dunkelheit, Schwindel. Dann ist es verschwunden-
Gerade als Sie über sich selbst den Kopf schüttelt und sich wieder ihrer Freundin zuwenden will, sieht sie ihn.

Er steht locker an die Wand gelehnt, allein, und blickt sie an.
Er lächelte ein seltsames, geheimnisvolles, grausames Lächeln, dass sie ungemein anzieht.
Er ist sehr groß, sein Haar schwarz wie die Nacht und auch seine Kleider sind schwarz. Er strahlt eine Depression aus, die sie nun bis in die Tiefe Ihrer Seele spüren kann. Sie fühlt sich auf fürchterliche Art mit ihm Verbunden, denn aus seinen Augen spricht das gleiche Dunkle, pulsierende, atemlose Gefühl, dass Sie hat, seit sie die Disco betreten hat.

Als sich ihre Augen zum ersten Mal treffen, durchfährt es sie, wie ein Ruck. Sie zuckt zusammen, sie fühlt seine Schmerzen, die sich nun deutlich in seinen Augen wiederspiegeln. Seine Augen glimmen wie Glut eines Feuers durch das gedämpfte Licht. Sein Blick hält den ihren gefangen, lässt ihn nicht mehr los. Sie fühlt sich wie in der Mitte eines Tornados. Alles um sie herum verschwimmt, wirbelt durcheinander, verliert die irdische Gestalt. Das Hämmern der Musik verschwindet. Das einzige was in Ihren Ohren pocht, ist ihr eigener Herzschlag.
Alles was noch zählt, sind die dunklen, glimmenden Augen, die sie so in den Bann ziehen und die der einzige Punkt in dem flirrenden, drehenden Chaos sind, die fix sind, die sie festhalten, und sie davon abhalten, sich völlig zu verlieren.

Sie fühlt sich hypnotisiert, gefangen, kann den Blick nicht von ihm wenden, nicht von seinen Augen. Sie schnappt nach Atem. Selbst das Atmen gelingt ihr nicht. Ihr Herzschlag wird immer langsamer, das Pochen in Ihrem Kopf leiser, ruhiger, friedlicher...

Jemand stößt sie an. Ruckartig löst sie den Blick aus den Augen des Fremden und holt Luft, die Ihre Lungen füllt, die Ihr bewusst macht zu leben, sie aus der Dunkelheit holt.
Als sie sich umdreht, ist der Fremde verschwunden. Ein Gefühl von Leere, Kälte, und Einsamkeit macht sich in ihr breit.

Wieder schnappt sie nach Luft. Der Schmerz in ihr ist fast unerträglich. Ihr Kopf bewegt sich suchend nach allen Seiten. Auch nun kann sie ihn nirgendwo entdecken.
Wieder versucht sie nach Luft zu schnappen, ein Schluchzen dringt aus ihrer Kehle. Was war mit ihr los? Sie versucht zu Ihrer Freundin zu gehen, sich festzuhalten, doch es scheint nicht möglich zu sein, sich zu bewegen, sie ist wie gelähmt.
Was war mit ihr geschehen? Nebel breitet sich in der Disco aus, die Geräusche der Nebelmaschine wie fauchende Ungeheuer, Flashlights, zuckende, tanzende Körper, das Atmen scheinbar unmöglich, die Musik weiter hypnotisch, rote Flecke vor ihren Augen....

Mit letzter Kraft stolpert sie auf eine der Theken zu und klammert sich schwer um Luft kämpfend an einen der Barhocker.

Wieder sieht sie sich um. Ein Schmerz in der Brust den sie kaum ertragen kann und das Bedürfnis nach klarer frischer Luft machen sich gleichzeitig in ihr breit.

Langsam geht sie in Richtung des Ausganges. Mit jedem Schritt in der etwas nebelfreieren Zone fühlt sie sich besser. Das Atmen fällt leichter und jeder Schritt auch. In ihrem Kopf überschlagen sich die Gedanken. Was war bloß mit ihr los? So etwas ist ihr noch nie zuvor passiert. Sie presst die Hand auf ihr pochendes Herz.
Sieht sich immer wieder um.

Als sie den Ausgang erreicht, fühlt sie sich gut. Wie neu. Das Atmen fällt ihr leicht, und auch die Stiche in der Brust haben deutlich nachgelassen. Die kalte kühle Nachtluft tut ihr gut. Erleichtert hält sie das Gesicht dem Wind entgegen. Genießt das Gefühl der Kühle auf ihrer Haut. Atmet tief ein und aus. Ihr

Nadelstiche, klein und fein, ein kalter Hauch, der nichts mit dem Wind zu tun hat. Erschrocken fährt sie herum.

Wieder steht er lächelnd in einiger Entfernung.
Ihr Herz macht einen Sprung. Er kommt einige Schritte auf sie zu, bleibt jedoch dann stehen. Sie blickt ihm entgegen, weiß nicht, was sie tun soll. Sie blickt sich um. Panik bricht in ihr aus, Angst, wieder der Griff an ihren Hals an den plötzlich wieder auftretenden Schmerz in der Brust.
Überall stehen junge Leute aus der Disco, denen es wohl ach zu stickig war. Viele sehen sie an, merkwürdig, mit aufgerissenen Augen, Augen die ihr Angst machen. Wieder sieht sie zu ihm. Die Angst ist verschwunden.

Etwas unheimliches geht von seiner schwarzen Gestalt aus. Und auch etwas, das sie magisch anzieht, ihren Blick wieder auf seinen lächelnden Mund zieht, zu seinen Augen.


Wieder ein Stoß, Luft, sie fühlt ihr Herz in der Brust wie wahnsinnig schlagen. Wieder ringt sie nach Atem. Alles um sie herum verschwindet. Allein die roten Augen des Fremden brennen sich in ihr Bewusstsein, die Kraft schwindet ihr, doch seine Augen zwingen sie weiter, ihn anzusehen.

Etwas geschieht mit ihr. Sie fasst sich ans Herz, schnappt nach Luft. Wieder werden die roten Augen zu 10000 roten Punkten. Allein noch rote Punkte in der schwarzen Luft. Sie hört die Menschen schreien, zu ihr eilen. Sie fühlt den kalten Boden unter ihrem Körper. Sieht sich selbst am Boden liegen, Kälte, eisige Kälte. Und doch noch kann sie die Augen sehen, rot und ein unheimliches Lächeln, seine ausgestreckte Hand in Ihre Richtung, bis alles um Sie herum in Schwärze versinkt.

Die Lichter des Krankenwagens tauchen den Parkplatz der Disco in ein eigenartiges Licht. Menschen stehen und umringen die Sanitäter, die eine Bare in den Wagen tragen. Der leblose Körper darauf ist mit einer Folie bedeckt.

"Nein, oh bitte nein" ihre Freundin weint. Alles was sie dem Sanitäter entnehmen kann sind Worte wie Herzstillstand, plötzlich eingetretener Tod und die Fragen nach der Adresse, nach Verwandten. Fassungslos sieht sie zu, wie einer der Sanitäter eine Decke über das bleiche Gesicht der Freundin zieht. Sie hatte reglos am Boden gelegen, war sofort tot gewesen, wie man ihr sagte. Nachdem sie nach draußen gegangen war, hatte die Freundin versucht, sich einen Weg hinter ihr her durch die tanzende Menge zu bahnen, doch es war wie verhext gewesen. Sie kam zu spät. Viel zu spät.

Alleine und abseits von den Schaulustigen stand sie weinend im Licht des Krankenwagens. Wie von einer unsichtbaren Hand gelenkt wendet sie den Kopf nach rechts. Sie sieht in das Gesicht eines fremden Mannes. Er hat wunderschönes schwarzes Haar und ebenfalls schwarze Kleidung. Er lächelte sie an. Als sie in seine Augen blickte spürte sie einen leichten Stich in der Brust. Sie atmet schwer, um den Schmerz zu vertreiben und saugt tief die kühle Luft der Nacht ein...

Kommentare

danie590@planet.nl schrieb am 2008-02-27 12:17:47:
Super story, hoffe Sie haben noch mehr solche Geschichte!
Sind diese Geschichte entstanden aus ein persoenliches Verlangen nach jemandem??

Schoene gruesse aus Susteren, Holland
mingmens@web.de schrieb:
Sehr schöne Geschichte.
Manchmal kommt das Ende plötzlich.
Geniese den Augenblick.
Ming.

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