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Kategorien > Melancholie > Wohin?

(Dein) Schatten Im Regen (Part 1)

von Arpi

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(Dein) Schatten Im Regen

Eine Woche bevor die Trommeln des Krieges angefangen hatten zu schlagen und ihn von seiner Heimat wegholten, hatte er ihr ein Pferd geschenkt. Einen prachtvollen Falben.
Weit weg hatte der Krieg ihn von seiner Heimat, von ihr entführt.
Und nun, wo der Krieg vorbei war, saß er im Zug der ihn zurück bringen würde.
Die Landschaft zog an ihm vorbei, wie in einem Traum.
Grüne Felder, Bäume, Dörfer. Immer weiter weg vom Krieg, zurück in den Frieden, zurück in ein normales Leben.
Die Bremsen quietschten laut als der Zug hielt. Er stieg aus. Es sah alles noch so aus, wie an dem Tag vor fünf Jahren, als er abgereist war.
Diese Vertrautheit irritierte ihn und zugleich weckte sie schmerzhafte Erinnerungen.
Das Grauen des Krieges kam ihm an diesem verlassenen Bahnsteig so unwirklich vor, wie als wäre es in einem Film passiert, den er mal gesehen hatte, vor langer Zeit.
Er ging die einsamen Straßen des Dorfes entlang. Es war ein trüber morgen und der graue Himmel hing bedrohlich über ihm.
Die Luft roch nach Feuchtigkeit und es würde bald regnen.
Er beeilte sich die Straße entlang zu gehen um das Dorf zu verlassen. Weit hinten am Waldrand lag ein altes Farmhaus, sein Haus.
Er hoffte, sie dort aufzufinden. Wenn sie nicht mehr da wäre.. nein, daran wollte er nicht denken.
Schon allein die Vorstellung, sie in den Armen eines anderen, brachte ihn um den Verstand.
Er hatte gar nicht gemerkt, wie schnell er den Weg zurück gelegt hatte, er blieb stehen, als er plötzlich realisierte, dass er vor dem kleinen Gartentörchen stand, dass zu seinem Haus führte.
Drinnen war alles dunkel und der Vorgarten war überwuchert von Unkraut.
Als er damals das Haus verlassen hatte, hatten die Rosensträucher seinen Weg gesäumt und die Tulpen hatten gerade ihre Blüten geöffnet.
Nun waren die Rosensträucher bis ins unendliche in den Himmel gewachsen und Unkraut hatte das Leben jeder anderen Pflanze unmöglich gemacht.
Vorsichtig öffnete er das Tor, es knarrte.
Nun gab es für ihn kein halten mehr, er rannte durch den überwucherten Weg und öffnete die Tür.
Dunkle Stille empfing ihn. Vielleicht schlief sie noch. Er ging ins Schlafzimmer, doch das Bett lag verlassen und einsam im düsteren Raum.
Unsicher begutachtete er den Rest des Hauses. Alles war verstaubt und voller Spinngeweben, so, als hätte lange Zeit niemand mehr geputzt, es betreten, darin gelebt.
Er ging durch die Hintertür in den Garten und einen alten Pfad entlang, der zu den Ställen führte.
Doch auch die Ställe waren leer und verlassen. Der dominante Geruch von Pferden hing immer noch in der staubigen Luft. Trockenes Stroh lag auf dem Boden und altes Wasser war im Trog.
Er seufzte und ging zurück in das Haus. So lange war er fort gewesen. So lange ohne sie, ohne Sex, ohne eine Frau. Er setzte sich auf das alte Sofa und überlegte, wie es nun weitergehen sollte.
Er konnte sich eine Hure kommen lassen. Bezahlte Wärme für eine Nacht. Ob sie für einen Fünfziger auch für ihn einkaufen gehen würde? So kurz nach dem Krieg war es ihm unangenehm, unter Menschen zu gehen.
Er hatte seine Kameraden sterben gesehen und er hatte Menschen erschossen. Wie konnte er jetzt einer Mutter im Supermarkt in die Augen schauen? Oder einem kleinen Kind?
Nein, es war besser, wenn das wer anders für ihn übernahm.
Er kratzte sich am Kopf, stand auf und ging erneut die Treppe hoch in ihr Schlafzimmer.
Dort hatten sie oft gemeinsam gelegen. Sie in seinen Armen. Er versuchte sich an ihrem warmen Körper zu erinnern, doch die Erinnerung war nur sehr schwach.
Er ging zum Nachttisch und zog das alte Fotoalbum aus der Schublade.
Er schlug es auf und setzte sich.
Ein Bild von ihnen. Arm in Arm standen sie am Strand. Sie lächelten, waren glücklich.
Er blätterte weiter. weitere Bilder von ihm, von ihr, von ihnen.
Weckten schmerzliche Erinnerungen.
Immer weiter blätterte er. Dann, ein Bild von ihr mit dem Pferd. Sie sah so glücklich aus auf dem Foto. Er blätterte weiter. Es folgten viele Bilder von dem Pferd, die sie gemacht hatte, kurz nach seiner Abreise. Dann plötzlich kamen Bilder von ihr und einem Leguan. Sie hatte sich wohl ein neues Haustier geholt.
Sie mit dem Leguan auf der Schulter, sie mit dem Leguan vorm Fernseher, sie mit dem Leguan im Bett, sie wie sie den Leguan ein Küsschen auf dem Mund gab.
Dann endete abrupt das Album. Es folgten viele leere schwarze Seiten.
Er fühlte den Schmerz über ihren Verlust und er wollte ihn nicht mehr fühlen, er wollte nur noch vergessen. Sie war weg. Wohin auch immer. Verschwunden.
Wie im Trance ging er zum Telefon und rief in einem Bordell an.
Er fragte ob sie auch Hausbesuche machten (ja taten sie) und ob sie für ihn einkaufen gehen könne (konnte sie).
Sie versprachen ein Mädchen so schnell wie möglich vorbei zuschicken.
Er setzte sich wieder ins Wohnzimmer und wartete. Bald schon klingelte es an der Tür und er öffnete.
Eine junge Frau betrat die Wohnung. Sie hatte lange blonde Haare und einen tiefen Ausschnitt der ihren großen Busen zeigte.
Er nahm ihr den Einkauf ab und stellte ihn in die Küche, während sie sich schon auszog und ins Schlafzimmer ging.
Kurz darauf folgte er ihr und ließ sich von ihr erregen. Nachher lagen sie im Bett, er bat sie, noch etwas zu bleiben, er wollte den ersten Tag nicht allein in der Wohnung bleiben und sie blieb.
Er wusste, dass er nachher viel Geld dafür bezahlen musste, aber das war ihm egal, sie war weg, er wollte nur noch vergessen und wenn er dafür eine andere Frau brauchte, dann nahm er sich eine!

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