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Kategorien > Abschied > Gedanken

Der Abschied

von Aurora

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Den Weg, den ich nun gehen werde, erstreckt sich vor meinen Augen. Türkisblaue Weite und aufschäumende Wellen sollen mich zu meinem Ziel führen.
Am Ufer stehen meine nackten Füße, nass und salzig. Der frische Weind, der mir ins Gesicht bläst, lässt meine Haare Wellen schlagen, wie das Wasser.
Er wirkt wie ein unsichtbarer Schutz, eine Kraft, die mich in die andere Richtung treibt, die mich von meiner Entscheidung abhalten will.
Mein Herz bebt vor Unsicherheit und doch fühle ich unbändige Freiheit, wenn ich in den strahlend blauen Himmel schaue. Als wäre mir diese Entscheidung gewährt. Doch ich weiß, dass ein Mensch auf der anderen Seite des Meeres weinen wird.
Ich werde bald zu ihm kommen. Doch nicht zu diesem Menschen, der mein Herz glühe ließ wie leidenschaftlichtes Feuer und dieses liebliche Zischen genauso wieder mit eiskalten Erwartungen zu löschen wusste. Nicht zu den Menschen, den ich liebte, der mich liebte. Der micht enttäuschte und den ich nun hasse.
Was erwartet mich dort? Wird sich meine Seele vom wassergefüllten Körper lösen und dann emporsteigen? Dorhtin in das Reich der Wolken? Und was wird mit der zurückgelassen Hülle? Wird sie letzendlich vom Salz des Abschieds zersetzt?
Ich halte eine Rose in der Hand, ein Sinnbild des Abschieds. Wenn ich sie ins Wasser fallen lasse werde, vor meinem bittersüßem Sterben, dann wird sie eine leuchtend rote Erinnerung an mich sein.
Noch einmal gehe ich die Erinnerung an mein früheres Liebesleben in meinen Gedanken durch. Ich spüre einen unbändigen Schmerz aus Verzweiflung und Enttäuschung. Vor lauter Wut an meine Hoffnungslosigkeit, drücke ich die stolze Blume fester zusammen. Die Dornen schieben sich in das Fleisch. Blut färbt das Uferbett rot.
Dann lasse ich mich fallen. Ein klatschendes Geräusch, laut aber betörend. Plötzlich spüre ich die Angst. Mein Körper wird weggetrieben von den Wellen, mein Gesicht blickt in die dunkle Tiefe.
Was geschieht nun mit mir? Ich fühle mich leicht und doch schwer. Wird er an mich denken? Wird er um mich trauern? War ich ihm jemals wichtig?
Beim letzten Gedanken tauche ich komplett unter, bis ich merke, wie sich meine Lungen mit Wasser füllen. Ich kann nicht mehr atmen.

Irgendwann fühlte ich mich frei und erlöst. Die Gefühle, die ich nicht mehr ertagen konnte, das Leben, das ich nicht mehr leben wollte, wurde durch den schmerzlichen Sekundenakt des Ertrinkens für immer gelöscht. Ich merkte nur noch, wie ich zu Gott emporstieg, zu seinem Himmelsreich. Als Engel konnte ich noch einmal auf meinen Abschied herab blicken, ehe ich in einem Schwall von Licht verschwand.

Auf dem Wasser schwamm eine leblose Leiche und eine Rose wurde von den Wellen weggetrieben.

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