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Kategorien > Abschied > Gedanken

Der Abschiedsbrief

von Kathi

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Der Abschiedsbrief
Schreie! Wieso höre ich Schreie? Wurde einer der Gefängnisinsassen verprügelt? Es sind Angstschreie. Plötzlich kann ich es riechen. Rauch! Wieso rieche ich Rauch? Wieder Schreie! Schrille Schreie. Es kann nicht wahr sein. Ist wirklich ein Feuer ausgebrochen? Hier im Gefängnis. Was passiert dort draußen, während ich ahnungslos in meiner Zelle sitze? Feuer, konnte das wirklich war sein? Sind es die Schreie eines gerade verbrennenden Menschen? Ich weiß nichts und das macht mir Angst. Sollte ich mir jetzt Sorgen machen? Sollte ich davon ausgehen, dass das hier mein Ende bedeutet? Ein halbes Jahr lang hatte ich die Hoffnung, dass ich irgendwann meine Familie wieder in den Arm nehmen kann. Doch jetzt stehe ich in meiner Zelle und meine Hoffnung stirbt. Ich kann die Anderen rufen hören, sie rufen nach Hilfe. Tja, um sich retten zu können, braucht man die Schlüssel. Wie unpraktisch es ist, wenn in einem Gefängnis ein Feuer ausbricht. Ich kann Stimmen hören. Sie sind gar nicht so weit entfernt. Ich nähere mich der Tür. Wortfetzen dringen zu mir herüber. Sind es die Wärter? Ich schreie um Hilfe. Ich schlage gegen die Tür. Vielleicht können sie mich retten. „Bitte öffnen Sie die Tür. Helfen Sie mir.“ Keine Antwort. Können sie mich nicht hören? Ich schrei wieder. Sie sind näher gekommen. Sie sind auf dem Weg zu mir! Sie werden mich retten. Wie heißt es doch so schön, die Hoffnung stirbt zu letzt. Ich drücke mein Ohr gegen die Tür, um ihrem Gespräch zu folgen. „Scheiße das ist ein ziemlich großes Feuer.“ Ein anderer: „Was machen wir jetzt?“ „Keine Ahnung, lass uns gehen und warten bis die Feuerwehr kommt. Ich riskier ganz bestimmt nicht mein Leben für diese Verbrecher. Für die ist das hier doch eine Erlösung, die sitzen sowieso lebenslang.“ Sie entfernen sich. „Wusstest du wie viele von denen Selbstmord begehen …“ Das war ja wohl die Höhe. Sie standen direkt vor meiner Tür! Sie hätten nur den Schlüssel umdrehen müssen. Wäre das so schwer gewesen? Ich bin am Boden zerstört, das Ende meines Lebens steht hiermit fest. All meine Hoffnung ist weg. Ich schnappe mir Zettel und Stift und fange an zu schreiben.

Ich habe keine Ahnung wie ich anfangen soll. Wisst ihr mein Leben ist beschissen gelaufen. Naja zu mindestens der letzte Teil. Ich hätte nie gedacht, dass ich in sowas hineingerate. Ihr kennt die Geschichte und ich erzähle sie gern noch einmal. Ich bin mit meinem Fahrrad unterwegs (wie hab ich das die letzten Monate vermisst), auf einmal bremst mich ein heißer Typ mit seinem Auto aus. Es ist nichts passiert, doch er lädt mich als Entschädigung zum Abendessen ein. Ich willige ein. Wow, da hatte ich doch wirklich mein erstes Date, wenn man es so nennen konnte. Ich hätte jedoch nie gedacht, dass es so schnell geht. Am selben Abend lag ich neben ihm in seinem Bett. Wir hatten nicht mit einander geschlafen. Das wäre mir dann etwas zu schnell gegangen. Er schlief schon, ich lag hellwach neben ihm und konnte mein Glück kaum fassen. (Jetzt fasse ich mich kurz) Tja wie es der Zufall so wollte, war er irgend so ein Verbrecher. Kein Heißbegehrter oder Hochberühmter, sonst hätten SIE(<- keine Ahnung wer) wohl nicht versucht ihn in genau dieser Nacht umzubringen. Da ich noch immer wach war, schmiss ich mich auf den Mörder, als dieser gerade auf den heißen Typen zielte. Der Mörder schoss daneben, dachte aber er hätte trotzdem getroffen. Wegen meines Überfalls schoss er mir in den Arm. Tja wir beide landeten, nachdem ich den Krankenwagen gerufen hatte, im Krankenhaus. Bis hierhin kennt ihr die Geschichte. Aber sie geht weiter.
Oh Mist ich muss mich jetzt wirklich kurz fassen, denn langsam kommt Qualm in meine Zelle und es wird ziemlich warm.
Ich liege also mit einer Schusswunde im Krankenhaus und wer kommt mich besuchen? Der Mörder. Er verlangt nach einem Fingerabdruck und meinem Handy, da er mir mit meinem Leben droht, willige ich ein. Zwei Tage später taucht ein Polizist auf, man hat nach einem Bankausraub in Berlin meine Fingerabdrücke gefunden und mein Handy fand man nach einem Bankausraub in Hamburg. Schnell wurde alles zusammengereimt und ich war die Schuldige. Tragischer Weise hatte ich kein Alibi für die Nächte der Bankausraube, sodass alles passte. Jetzt kennt ihr die Wahrheit und ihr fragt euch bestimmt, warum ich nie die ganze Geschichte erzählt habe. Ich hatte Angst. Angst um mein Leben. Ich ging lieber ins Gefängnis, als von diesen Doofköpfen ermordet zu werden. Das war ein Fehler, ich weiß, ich wusste gar nicht wie schrecklich es hier ist. Aber es ist zu spät und ich möchte euch noch ein paar Worte sagen. Mama, Papa ihr wart immer für mich da, ihr habt mich unterstützt und mit mir gegen das Gericht gekämpft. Ich danke euch, dass ihr an mich geglaubt habt, trotz all der Wiedersprüche. Ihr könnt nicht sehr stolz auf eure Tochter sein, aber ihr könnt stolz auf euch sein. Ihr wart die besten Eltern, die man haben kann. Kleine Schwester, ich habe dich die letzte Zeit sehr vermisst. Du warst immer die vernünftigere und intelligentere von uns beiden. Obwohl du kleiner bist, konntest du mir in Mathe Nachhilfe geben. Du warst immer offen und hast mir alles erzählt. Wie langweilig wäre mein Leben ohne dich geworden? Ich kann nicht an alle von euch eine Rede halten. Aber Oma dir möchte ich auch danken. Ich werde dich in guter Erinnerung behalten. Ich vermisse deine Umarmung, sie hat mir immer Geborgenheit gegeben. Man kann nicht sagen, dass ich unzufrieden bin. Mein Leben war toll und ich hab viel erlebt mit euch und anderen.
Oh scheiße so eben sind die ersten Flammen in meine Zelle eingedrungen. Es ist verwunderlich, dass ich gerade nicht in Panik bin. Vielleicht weil ich schon längst Abschied von meinem Leben genommen habe. Ich hoffe jemand findet den Brief, wenn ich ihn jetzt aus dem Fenster werfe. Ich liebe euch alle. Ihr wart toll.
P.S. verklagt bitte das Gefängnis. Die haben mich hier einfach sitzen lassen. Sie haben keinen gerettet. Sie wollten ihr Leben nicht riskieren. Arschlöcher.

Ich bekomme keine Luft mehr, der Rauch klaut sie mir. Es ist heiß, kaum aushaltbar. Ich verschanze mich in der letzten Ecke meiner Zelle. Ich sterbe unschuldig in einer Zelle. Ist das nicht ungerecht? Das Feuer rückt langsam näher. Ich habe schreckliche Angst vor dem Tod. Mir laufen die Tränen. Ich kann Sirenen hören. Doch sie kommen zu spät, das Feuer reißt mich in den Tod, bevor Rettung da ist.

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