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Kategorien > Fantasy > Verrat

Der Anfang vom Ende

von Karyl

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Der Anfang vom Ende

Düster kündete sich die Nacht an. Die Schatten breiteten sich immer mehr aus. In der verlassenen Stadt des Westens kümmerte das niemanden mehr. Der eisige Wind wehte barsch durch die leeren Straßen und Häuser. Kein lebendes Wesen würde diesen Ort freiwillig betreten. Die einst so prunkvolle Hauptstadt glich nun der Welt der Toten.
Doch in einer der tausenden Ruinen regte sich noch leben. In einer gewaltigen Kappelle stand ein mindestens genauso gewaltiger Thron. Ein Zeugnis aus vergangenen Tagen. Am Ende des Kreuzganzes, auf den einst so prächtigen Thron, saß eine dunkle Gestallt. Sie verschmolz fast vollständig mit der ihm umgebende Dunkelheit. Nur das mächtige Schwert an dessen Seite hob sich ab. Er wirkte wie ein Geist der sein Reich bewachte.
Ein prasseln kündigte den Regen an. Das Geräusch des fallenden Wassers schwoll an den schwarzen Wänden an, wurde zu einem Dröhnen. Durch die zerbrochenen Fenster lugten die Schatten hindurch. Die formlosen Wesen, die vor so langer Zeit diese Stadt zerstörten. Noch heute tauchen sie in der Dunkelheit auf, immer auf der Suche nach Beute.
Der junge Mann aber würdigte ihnen nicht eines Blickes. Er war dunkler, als sie es jemals hätten sein können. Die Schatten würden ihm nichts tun, denn sie waren es, die Angst bei seiner Anwesenheit verspürten. Ängstlich schlichen sie um die Kappelle. Der Regen übertönte jedes ihrer Zischgeräusche. Fast zeitgleich mit dem Regen hörten sie auf, bewegten sich nicht einen Millimeter mehr.
Der Mond strahlte matt in die Überreste der Kappelle. Etwas war nicht so wie es sein sollte. Der junge Mann saß immer noch an selber Stelle. Gelangweilt stützte er seinen Kopf mit der Faust ab. Das dumpfe Mondlicht schien ihm direkt in das blasse Gesicht. Seine Augen waren geschlossen und doch war ihm sein Besuch nicht entgangen. Ein Mann mittleren Alters, bewaffnet mit allerhand Spielzeug. Er schien sich gut auf diese Begegnung vorbereitet zu haben. Seine Schritte verhallten erst, als der junge Mann seine Augen öffnete.
Unendlich viel Zeit verstrich, bis der unerwünschte Besucht das Wort ergriff. „Du musst Harm sein.“, begann er mit fester Stimme. Sein Blick war warm und freundlich, so vollkommen anders zu dem seines Gegenübers. Es flösste ihm sogar etwas Angst ein. Dieser kalte und gleichgültige Blick mit dem er empfangen wurde. „Ich bin hier ...“, er verstummte. Die Worte blieben ihm im Hals stecken.
Harm hatte sich erhoben. Ohne weiter auf seinen Besuch zu achten, zog er seine ledernen, schwarzen Handschuhe fest, nahm sein Schwert und setzte sich in Bewegung. Dabei verursachte er nicht das geringste Geräusch. Seine Schritte hallten nicht an den riesigen, fast eingefallenen Wänden wieder. Erst als er auf selber Höhe wie sein Besuch war, blieb er stehen. „Lasst mich in Ruhe.“, drang aus seiner Kehle. Sein Atem war noch kälter als die Luft um ihn herum.
Mit geschlossenen Augen ging er weiter. Den Kirchgang entlang, aus der Kappelle hinaus und an den Schatten vorbei.

Mit finsteren, durchdringenden Blick stand Harm vor dem ehemaligen Palast. Seine Schönheit war schon längst verblasst, doch reichte ihm dieser Anblick schon. Etwas schöneres konnte er sich gar nicht mehr vorstellen. Die Stufen zerbrochen, das Haupttor zerschmettert, einige Mauern eingestürzt. In der fahlen Abendsonne schienen diese Trümmer zu scheinen, regelrecht aufzublühen. Als würde sich diese Ruine freuen von jemanden betrachtet zu werden.
„Verschwinde.“
Lios, der ihn Tagelang in der Stadt gesucht hatte, versuchte sich gerade leise von hinten anzuschleichen, nicht leise genug. „Woher wusstest du ...“
Keine Antwort. Auf Besuch konnte er nun wirklich verzichten und erst recht auf solchen. Er verfolgte Harm auf Schritt und Tritt, zumindest versuchte er es. Wieso konnte man ihn nicht einfach in Ruhe lassen? Musste er nicht schon genug durch machen? Reichte es immer noch nicht? Die Göttinnen konnten ihn wirklich nicht leiden, nicht wenn sie ihn nicht wenigstens hier in ruhe ließen. Mit gleich bleibender Miene drehte er sich um. Kalt wie immer sah er in das erschöpfte Gesicht von Lios. „Geh nach Hause.“
„Das kann ich nicht.“ Der muskulöse Mann straffte die Schultern. Er war mindestens zwanzig Jahre älter als sein Gegenüber, trotzdem fühlte er sich wie ein kleines unwissendes Kind. „Du musst unbedingt mit mir kommen.“
Wieder keine Antwort. So würde das nichts werden. Lios setzte grade wieder an, da drehte sich die dunkle Gestallt vor ihm wieder um und setzte einen Fuß vor den anderen. Als wäre es das normalste der Welt schritt er die zerstörte Treppe empor, durch das zertrümmerte Tor und verschwand im dunkeln. Der stattliche Mann, der Kämpfer etlicher Schlachten, Lios, konnte nur wie angewurzelt stehen bleiben und ihm hinterher schauen. Es war wie vor ein paar Tagen, das selbe merkwürdige Gefühl, als er ihn einfach in der Kappelle hatte stehen lassen. Es war der Schmerz der Einsamkeit der Lios Körper zum erstarren brachte, doch warum konnte er selbst Jahre später nicht sagen.
In der Zwischenzeit hatte sich die Sonne hinter dem Horizont versteckt. Wieder tauchten aus allen Ecken und Winkeln die Schatten auf. Der eisige Wind wehte durch Harms dunkle blaugraue Haare. Er nahm es gar nicht mehr wahr, so gebannt starrte er auf das fast vergilbte Gemälde. Es zeigte die damalige Königsfamilie. An sich nicht ungewöhnlich, doch schienen alle dort Abgebildeten fröhlich zu sein. Ein Umstand oder Zustand, den er schon lange nicht mehr ausgesetzt war. Für ihn war jegliche Freude auf grausamste Weise gestorben. Schon lange hatten seine Beine ihn nicht mehr hier her getragen.
„Willst du mich nur ärgern?“
„Mit Nichten.“, antwortete Lios ihm, wieder einmal erstaunt. Schon wieder hatte Harm ihn bemerkt. Dabei hatte er diesmal kaum ein Laut von sich gegeben. „Ich bin hier um dich um etwas zu bitten.“
Harm lehnte sein Schwert gegen die Wand und setzte sich daneben in ein halb zerstörtes Fenster. Teilnahmslos sah er seinen Besuch an. Nicht eine einzige Regung zeigte sich in seinem Gesicht. „Warum?“
„Na du bist Harm, der Mann der vor zwei Jahren den Namenlosen besiegte.“ Lios kratzte sich am Kopf, als müsse er erst überlegen wie es weiter gehen sollte. „Du hast vor zwei Jahren ganz allein das Unheil abgewendet.“
„Das bin ich nicht.“
Lios klappte die Kinnlade runter. „Wie, das bist du nicht?“ Mit erhobener Faust trat er feurig einen Schritt vor. „Du bist dieser Mann, ohne Zweifel. Du ganz allein hast dieses riesige Ungeheuer besiegt. Du bist der Held der Nation. Mensch, das Vieh war groß wie ein Berg, sah aus wie ein Urtier aus vergangenen Zeiten, bis auf die Knochen abgemagert mit Hautüberzug und Krallen und Fangzähnen und, und mit den Feueraugen und dem Donnerschweif. Das Vieh hast du zerstört.“ Fassungslos stand Lios nun genau über Harm und war kurz davor ihn zu packen und zu schütteln. Diese Tat braucht man doch nicht zu verschweigen. „Ich hab über ein Jahr gebraucht um dich zu finden.“
Unberührt von Lios

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Kommentare

Jadefeder schrieb am 2009-11-24 15:41:05:
Gefällt mir!
Allerdings wechselst du in den Zeiten.
Und auf der zweiten Seite, Absatz, fängst du damit an, dass du Harms Packt mit den Göttinnen beschreibst. Ich finde, dass die Stelle nicht zum restlichen Erzählstil passt. Auf derselben Seite unten, lässt du ihn persönlich vom Packt erzählen. Als Vorschlag: Dort könntest ihn in der wörtlichen Rede das berichten lassen, was mit ihm passiert ist und deine einführende Erklärung kürzen/weglassen.
Deine Beschreibungen von der Ruinenstadt und ihm, wie er sich in der Dunkelheit verkriecht, fand ich sehr gelungen!

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