Der Asia-Nudel-Snack
von
Engel
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Der Asia-Nudel-Snack
Ich probiere mal was Neues. Ich hab gestern im Supermarkt völlig neue Tassen-Suppen entdeckt...ohne Plastikbecher drum herum, ohne Alu-innenbeschichtete Tüte, sondern klein, quaderförmig, zumindest so etwa quaderförmig, mit ganz, ganz wenig Plastik drum herum.
Von einem namhaften Hersteller führender Tütensuppen und -soßen. Und preisgünstig. 25 Cent pro Plastik-Quader, zu dem Preis nehme ich
doch gleich zehn davon, man kann die sicherlich an langen Abenden vor der Tastatur sehr gut gebrauchen.
Asia steht drauf, dann ist bestimmt auch Asia drin, so ein bisschen asiatisch ist immer lecker, falls nicht, dann kippt man eben noch den einen oder anderen Löffel schwarzen Pfeffer drüber, das klappt eigentlich immer. Außerdem: was soll schon schief gehen, die Dinger sind von (zensiert), die haben schon Tütensuppen zusammengeschraubt, als es noch gar keine Tütensuppen gab, damals waren Tütensuppen nämlich Pappschachtel-Suppen.
Ich entscheide mich für dreimal Huhn, dreimal Ente und viermal Curry. Viermal Curry mag unfair gegenüber je dreimal Huhn und Ente sein, aber
zehn lässt sich nun einmal nicht ganzzahlig durch drei teilen. Neun ist eine magische Zahl, aber sie ist mir irgendwie suspekt.
Ich mag Neunen nicht, ich habe sie noch nie gemocht. Zwölf hingegen, ist mir zu viel, außerdem ist die Zwölf, als Zahl an sich, viel zu „ausgelatscht“. Zwölf Monate pro Jahr, zwölf Tierkreiszeichen, zwölf Striche auf dem Zifferblatt des Weckers, das ist zwölf genug, da müssen es nicht auch noch zwölf Suppenquader sein.
Zehn ist in Ordnung, so lässt sich der Gesamtpreis auch am leichtesten errechnen und das hat für mich Priorität gegenüber der Gleichstellung verschiedener Geschmacksrichtungen. Schließlich geht es um Hunger, nicht um paritätische Mitbestimmung.
Kein Becher, kein sperriges Tütchen mit Innenschicht, nur ein kleines bisschen hauchdünnes Plastik drum herum, das schont Ressourcen. Das weckt den Öko-Freak in mir, ja mehr noch: in Mahagoni-Kistchen sind die Dinger auch nicht verpackt, irgendwie rette ich also sogar noch den Regenwald, wenn ich genau die Dinger in den Einkaufswagen werfe, der übrigens auch nicht aus Mahagoni ist, kein bisschen.
Meinem Gewissen tut das gut, und 2 Euro 50 für zehn Stück sind ein Schnäppchen.
Schnitt.... Szenenwechsel....Zeitsprung. Ich sitze vorm Rechner, der kleine Hunger kommt und Müllers Milchreis ist in weiter Ferne. Kein Wunder, ich
hasse Milchreis, ich hatte als Kind zuviel davon. Mein Vater war nach einem Verkehrsunfall mit komplizierten Frakturen mal monatelang krankgeschrieben, Mama hat halbtags gearbeitet, und Papa hat gekocht. Das einzige, was er kochen konnte, war Milchreis und sogar der war in 85 %% aller Fälle angebrannt... möglicherweise in 95 %% aller Fälle, weiß ich nicht mehr so genau, ich war damals noch ziemlich jung. Leider nicht jung genug, das einfach völlig zu verdrängen.
Irgendwie erinnert er mich immer an „Verdammt lang her“ von BAP. Wolfgang Niedecken muss denselben Vater gehabt haben, oder zumindest einen sehr ähnlichen. Ist ungefähr, wie mit Microsoft-Betriebssystemen: verschiedene Versionen und Revisionen, aber trotzdem immer wieder dieselben Bugs im Quelltext.
Huch, ich bin abgeschwiffen......wo war ich doch gleich stehen geblieben? Ach ja.... Tütensuppen.
Voller Vorfreude launche ich den Wasserkocher, ich plane, ein Tässchen Tee zu schlürfen, und in einem weiteren Becher ein Asia-Süppchen zu brodeln.
Natürlich sind die Becher dunkelblau. Andere Becher, als dunkelblaue Becher, akzeptiere ich überhaupt nicht als Becher. Das mag intolerant klingen, aber es ist nun mal so.
Der Tee ist kein Problem. Wasser in den Becher, Teebeutel Earl Grey rein, und gut. Die Suppe gestaltet sich schwieriger.....nach dem Aufreißen der Verpackung fällt mir ein kleines Innentütchen in die Hand. Das sind ja gleich zwei Komponenten auf einmal! So multitasking-fähig bin ich dann doch nicht, nicht aus dem Stehgreif heraus. Ich entschließe mich, lieber erst mal die Gebrauchsanweisung der Suppe zu lesen. Klappt natürlich nicht, die stand auf der hauchdünnen Plastikhülle, und genau jene habe ich unrestaurierbar zerfetzt.
Natürlich habe ich das, ich habe schließlich Hunger, da zerfetze ich alles, was zwischen mir und meinem Futter steht. Was nun ? Plötzlich durchzuckt mich die Lösung: in modernen Flugzeugen sind alle Steuersysteme dreifach redundant, falls eines ausfällt, übernehmen zwei andere die Funktionen.
Meine Tütensuppe ist sogar zehnfach redundant, und neun unversehrte Päckchen mit unversehrten Bedienungsanleitungen habe ich ja noch. Es mögen
verschiedene Geschmacksrichtungen sein, aber in der Bedienung unterscheiden sie sich wahrscheinlich nicht merklich.
Ah ja .... ich soll den Packungsinhalt in den Becher geben, das Wasser aufschütten, und nach vier Minuten umrühren. Ich tue, wie mir geheißen ward, und warte vier Minuten. In Ermangelung eines Kurzeit-Weckers, zünde ich mir fast zeitgleich eine Zigarette an, vier Minuten entsprechen ziemlich genau 50 %% Zigaretten-Länge. Um sicher zu gehen, zerrauche ich die Zigarette zu 60 %%, entsprechend also ungefähr 4, 8 Minuten. Oder 4 Minuten und 48 Sekunden, vielleicht plus/minus 5 Sekunden, meine Zigaretten sind selbst gedreht, und von daher nicht zuverlässig geeicht.
Ich rühre also um. Zumindest versuche ich es. Es klappt nicht wirklich. Der Klumpen bleibt ein Klumpen, ich kann zwar, mittels Bewegungen meines Löffels, seine Position relativ zur Bechermitte ändern, aber er löst sich nicht auf. Irgendetwas hab ich falsch gemacht.
Die zukünftige Suppe dampft auch nicht. Eigentlich sollte sie das. Genau der fehlende Dampf bringt mich schließlich auf die Lösung: Während ich die
anderen Pakete gesucht habe, um die Gebrauchsanweisung zu lesen, ist das Wasser im Wasserkocher abgekühlt. Entweder war es zu wenig Wasser, denn wenig Wasser kühlt schneller ab, als mehr Wasser.....oder ich habe zu lange die anderen Pakete gesucht, ich sollte meine Klamotten besser
ordnen, als ich es tue. Wahrscheinlich war es eine Kombination von beiden
Faktoren. Möglicherweise ist es eine weltweite Verschwörung, und die Illuminaten sind schuld daran. Würde mich nicht wirklich wundern, die
haben ihre außerirdischen Finger, Pfoten, Greifer, Tentakeln und sonstigen Greifwerkzeuge eh überall drin.
Wenn man einen Dollar-Schein genau 137 mal faltet, ihn dann betrachtet , nichts besonderes daran findet, und ihn in Brand steckt, guckt das Häufchen
Asche, welches man dabei erhält, ungefähr ähnlich doof aus der Wäsche, wie es Jortschdabbeljuh tut, ohne auch nur im Geringsten jemals angefackelt
worden zu sein. Wenn DAS nicht ein Beweis ist, dass es die Illuminaten gibt, dann weiß ich es nicht.
Okay, ich akzeptiere das einfach mal so. Aus irgendwelchen weltweiten
verschwörungstheoretischen Gründen war mein Wasser zu kalt, um daraus eine Suppe erstehen zu lassen. Egal, nächster Versuch...ich bin hartnäckig... wäre ich das nicht, dann wäre ich längst tot.
Ich launche
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Kommentare
Tansche schrieb am 2007-01-26 10:41:00:
Köstlich!!! Also nicht die Suppe, sondern die Geschichte. *Lachtränenwegwisch*
Aber am absolut besten finde ich Deine Abschweifungen, egal ob es um Milchreis oder um Dollarscheine geht.
Kann man Humor irgendwo lernen?
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