Der Babysitter
von
R. Rüdiger Ringelroth
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Der Babysitter
Diese Geschichte handelt von zwei Kindern - einem sehr jungen Kind und einem, das an der Schwelle zum Erwachsenwerden steht. Ginge es dabei nur um den alltäglichen Ablauf des Babysittens, wäre die Story nicht halb so prickelnd, wie das Duschen während eines Gewitters. Doch manchmal geschieht etwas völlig Unerwartetes, wenn sich zwei Menschen begegnen, von denen der eine glaubt, alles über den anderen zu wissen.
Und so beginnt diese Geschichte, wie viele Babysittergeschichten beginnen.
Es war gegen siebzehn Uhr an einem Samstagnachmittag, als Lena Kern die Klingel an Willmanns Haustür drückte. Tom, einziger Spross der Familie Willmann, lag auf seinem Bett im ersten Stock und döste. Mit einer gewissen Anstrengung gelang es ihm, sein linkes Auge zu öffnen. Noch war ihm nicht klar, ob er wirklich die Klingel gehört hatte, oder nur ein imaginäres Geräusch, das seinem verschlafenen Hirn entsprungen war. Er hoffte auf Letzteres. Doch das zweite Läuten ließ keinen Zweifel. Es hörte sich an, als wollte es sagen:
He, du Schnarcher, schieb deinen faulen Arsch zur Haustür!
Schwerfällig erhob er sich von seinem Lager und wagte einen vorsichtigen Blick durch sein Fenster. Von dort konnte er den Vorgarten und die Eingangstür einsehen. Als er sah, dass seine hübsche, alleinerziehende Nachbarin, die ihren zweijährigen Sohn auf dem Arm trug, der Grund für das abrupte Ende seiner Siesta war, wurde er hellwach. Er spurtete so schnell er konnte zur Zimmertür und die Treppe hinunter ins Erdgeschoss. Am Ende der Treppe verloren seine Füße den Halt und er knallte, auf den Fersen rutschend, die letzten Stufen hinunter. In der Eile hatte er vergessen, dass er keine Schuhe an hatte. Die lackierten Holzstufen konnten für einen Sockenläufer gefährlich sein. Tom unterdrückte einen Schmer-zensschrei und humpelte, die Lippen aufeinander gepresst, zur Haustür. Als er sie aufriss, versuchte er ein Lächeln hinzukriegen, gerade als sich seine Nachbarin enttäuscht auf den Rückweg machen wollte.
„Sorry. Hab die Klingel nicht gleich gehört“, sagte Tom mit einem Kloß im Hals. Seine gut doppelt so alte Nachbarin brachte seine Hormone in Wallung.
Mit einem Augenaufschlag, der Toms Knie weich werden ließ, sagte Lena:
„Entschuldige, dass ich dich gestört habe, aber ich brauche deine Hilfe“. Dabei strich sie eine blonde Haarsträhne von ihrer Stirn und legte sie hinters Ohr.
Toms Ohren hörten ihre Worte exakt so, wie sie ausgesprochen wurden, aber in seinem Kopf wurde daraus so etwas wie:
Wenn du heute Nacht Zeit hast, zeige ich dir alles, was ein Mann von einer Frau sehen will!
Noch bevor Tom seine außer Kontrolle geratenen Gedanken zur Räson bringen konnte, machte Lena Kern, die ihren Sohn immer noch auf dem Arm hielt, zwei Schritte auf ihn zu. Ihr kurzer Rock raschelte bei dieser Bewegung, was Toms Blicke auf ihre unendlichen Beine lockte.
„Meine Mutter rief mich eben an und sagte, dass es meinem Vater schlecht ginge. Er liegt im Krankenhaus. Deshalb muss ich noch heute zu ihr fahren, nach Berlin. Verstehst du?“
In ihrem Blick sah Tom alle Verzweiflung dieser Welt, und obwohl er noch gar nicht wusste, was genau Lena von ihm wollte, war ihm in diesem Moment klar, dass er mit allem einverstanden war.
„Da meine Mutter aber selbst krank ist, kann ich den kleinen Max nicht mitnehmen“. Sie schenkte ihrem Sohn einen liebevollen Blick und streichelte ihm über die Wange. Sie war jetzt so nahe, dass Tom ihren Atem spüren konnte.
„Könntest du bis übermorgen auf ihn aufpassen, Tom? Ich meine, natürlich nur, wenn du nichts Wichtiges vorhast“.
Tom lächelte blöde und blieb stumm.
„Du würdest mir einen großen Gefallen tun und mir aus einer großen Not helfen. Dafür wäre ich dir ewig dankbar“.
Tom lächelte blöde und blieb stumm.
„Tom!?“, hörte er Lenas Stimme von irgendwo her.
„Ja! Geht klar! Ich meine...“, stotterte Tom. „Das ist kein Problem, weil... ich hab schon auf meine Nichte,... also, da hab ich schon oft den Babysitter gemacht“. An seinen Wangen hätte man glatt ein Streichholz entzünden können, wäre jemand auf die beknackte Idee gekommen, eins dran zu halten.
Lenas Augen funkelten in der Nachmittagssonne wie schwarze Diamanten. „Und du hast heute Abend nichts vor? Deine Eltern sind doch übers Wochenende verreist, soviel ich weiß. Vielleicht hast du Freunde eingeladen?“
„Nein, nein“, wehrte Tom ab und wechselte verlegen von einem Bein auf das andere. „Es ist kein Problem für mich.“
Er würde Gerry, Conny und den anderen schon beibringen, dass sie diesmal auf seine sturmfreie Bude werden verzichten mussten. Was, verdammt noch mal, gab es Wichtigeres, als dieser Göttin aus der Klemme zu helfen?
„Ist das nicht eine gute Nachricht?“, lachte Lena und gab ihrem Sohn einen Kuss auf die Stirn. „Das ist wirklich sehr nett von dir Thomas“, sagte Lena und dabei legte sie eine Hand auf Toms nackten Unterarm.
Die Hand war eiskalt. Tom zog erschrocken den Arm zurück, was ihm aber in derselben Sekunde peinlich war. Er ärgerte sich wegen seiner blöden Reaktion, hatte er sich doch schon ewig nichts sehnlicher gewünscht als eine Berührung.
„In einer Stunde bin ich reisefertig. Ist es dir recht?“
Tom grinste und nickte.
„Dann bis nachher!“ Sie drehte sich mit einem kecken Schwung in Richtung Gartentor und ihr Rock brachte bei jedem ihrer Schritte wieder dieses erotisierende Rascheln hervor, als sie zu ihrem Haus zurückging. Max, der auf ihrem Arm angewachsen zu sein schien, drehte den Kopf und schaute über ihre Schulter zurück zu Tom. Doch der hatte keine Augen für den Jungen. Erst als er sie nicht mehr sah, konnten seine Hände die Haustür loslassen und schließen. Er hatte ihren Duft immer noch in seiner Nase. Seine Zunge klebte ihm am Gaumen. Als er sich etwas zu trinken holen wollte, wurde er schmerzhaft daran erinnert, dass er vor ein paar Minuten beinahe die Treppe hinunter gefallen wäre. Er setzte sich auf die unterste Stufe, zog die Socken aus und betrachtete seinen schmerzenden Fuß. Aber außer einem kleinen roten Fleck, war nichts zu sehen.
Jetzt musste er nur noch mit Gerry reden und ihm die Sache erklären. Der würde zwar sauer sein, aber das war Tom egal. Heute war alles egal. Heute könnte der Himmel herunter fallen, oder Donald Duck Präsident von Amerika werden. Es war ihm egal! Seine Göttin war ihm so nah, wie noch nie.
Er lief die Treppe hinauf – der Fuß war wirklich schon wieder okay - ging ins Badezimmer und schloss sich ein. Seine Hand, war ihre Hand, und seine Phantasie brannte in ihm ein Feuerwerk von nie gekannter Größe ab.
Als sein Handy klingelte, fiel ihm ein, dass er vergessen hatte, anzurufen. Conny war am Telefon. Aber der konnte er die Sache mit dem Babysitten viel besser verkaufen, als Gerry. Conny zeigte vollstes Verständnis und erklärte sich bereit, Gerry und den anderen Bescheid zu geben. Sie meinte sogar, sie fände es super, wie Tom seiner Nachbarin aus der Patsche hilft.
Ja, dachte Tom, Conny ist in Ordnung. Sie kommt
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Kommentare
Raxba kevinstranzke@augustakom.net schrieb am 2006-12-23 18:24:57:
Hallo
Die Geschichte selber finde ich klasse...
aber von dem Schluss bin ich etwas entäuscht.
Ich dachte es kommt noch eine gewisse Änderung, die die Geschichte in einem neuen Licht darstehen lässt.
Eben dass man mit einem Kick aus der Story geworfen wird.
Aber sonst find ichs gut ;)
Gruß
Rax
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