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Der Banküberfall vor dem Fußballspiel (Teil2)

von Michael Reißig

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Der Banküberfall vor dem Fußballspiel (Teil2)


An diesem heißen Sommertag im Juni wälzte sich eine schier endlose Menschenmenge durch die beliebte Flaniermeile mit den schicken Kaffees und schmucken Restaurants. Den Einkaufstüten schleppenden Passanten rollten Schweißperlen von der Stirn. Einige suchten Abkühlung an einem Springbrunnen, andere stillten ihren Durst mit einem kühlen Bier oder ließen ein leckeres Softeis auf der Zunge zergehen.
Selbst der Asphalt kochte und flimmerte in dieser sengenden Hitze.
Georgi, Ebbi und Manne hatten sich längst vor dem „Bräustübl' postiert und harrten der Dinge, die da noch kommen sollten. Noch herrschte die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm in der Fußgängerzone, was sich jedoch bald ändern sollte.
Sekunden später waren schon aus weiter Ferne die ersten Krakeeler zu hören. „Hooligan, Hooligan“, hallte es durch die Häuserschluchten.
„Wir warten erstmal noch einen Moment ab“, empfahl Manne.
Fortan sollten sich die Ereignisse überschlagen.
Die Rowdys hatten die Flaniermeile als eine Art Schlachtfeld auserkoren und begannen zu hausen wie eine Wildschweinrotte.

Die ersten Passanten wurden angerempelt und bald klirrten auch schon die ersten Scheiben.
Plastikstühle angrenzender Kaffees flogen durch die Luft. Eine ganze Horde Vandalen – von denen nicht wenige auch vermummt waren - fielen über Kneipen und über einen „Netto-Markt her und deckten sich gratis mit Bier und Schnaps ein. Einige nahmen ein erfrischendes Bad im Springbrunnen ohne freilich ihre erhitzten Gemüter ausreichend abkühlen zu können. Passanten irrten ziel- und planlos - wie wild aufgescheuchte Hühner - in alle möglichen Richtungen. Sie alle hatten nur ein Ziel vor den Augen – bloß weg von diesem Mob!
Jetzt mischten auch die ersten „Fans“ der gegnerischen Mannschaft kräftig mit. Viele, die grüne Schals trugen, hetzten jetzt auf die Einheimischen mit den roten Schals los, während ohrenbetäübender Lärm die Wände in der Fußgängerzone zum Wackeln brachte. „ Schlagt die Grünen tot“, riefen die Einheimischen, „Wir wollen keine roten Schweine“, die Auswärtigen. Eine wilde Schlägerei war vom Zaun gebrochen, während die meisten Passanten schon längst das Weite gesucht hatten.
Normalerweise werden die Gästefans von der Polizei zum Stadion eskortiert. Diesmal war das auch nicht anders. Nur war es einigen der Fans gelungen aus dem Pulk auszubrechen und in die City zu strömen. Einige der Fans, die die Flaniermeile heimsuchten, waren entweder nicht mit dem Zug angereist, oder hatten einen früheren Zug genommen.
Die Situation in der City schien jetzt völlig außer Kontrolle zu geraten. Selbst vor Kindern machten die schlagwütigen Rowdys keinen Halt. Vom Alkohol völlig benebelt, traten sie selbst den Jüngsten – die schon total verstört am Boden lagen und schrecklich wimmerten – noch ins Gesäß. Viele konnten nicht weg, da sie eingekesselt waren. Es dröhnte so laut, dass selbst die flirrend heiße Luft vibrierte. Zähes Blut rollte durch die Ritzen des sonnenheißen Kopftsteinpflasters – doch von Polizei immer noch keine Spur.
„Wann werden die Bullen endlich anrücken!“, schrie Manne Ebbi ins Ohr, da er sein eigenes Wort nicht mehr verstehen konnte. Die Drei hatten etwas abseits vom Geschehen Stellung bezogen.

Endlich kamen die ersten Kombiwagen angerollt und auch der erste Krankenwagen.
„Bullenschweine“, skandierten nun die Fans beider Mannschaften. Die Hooligans, ließen urplötzlich voneinander ab. Sie hatten nämlich einen gemeinsamen Feind ausfindig gemacht – die Polizei. Die Beamten wurden mit Knallkörpern und Leuchtraketen beschossen. Alles was nicht niet- und nagelfest war, musste als Wurfgeschoss gegen die Beamten herhalten, angefangen von Bier- und Schnapsflaschen bis hin zu Steinen und Plastikstühlen. Mit dem Mute der Verzweifelung versuchten sich die Bediensteten mit ihren Schutzschilden und Schlagstöcken gegen den Hagel der Wurfgeschosse, und gegen die Wucht eisenharter Fäuste zu wehren. Doch noch waren die Hools in der Überzahl.

„Die haben heute noch genug zu tun. Auf geht’s!“, forderte Manne vehement.
Die Gauner flitzten zum Auto – welches Manne in der Georgstraße – einer Seitenstraße mit schmucken renovierten Häusern, die einst im klassizistischen Stil erbaut worden waren – abgestellt hatte. Sie stiegen ein und preschten davon.
Den Wagen brachte Manne in der Herrmannstraße – einer Seitenstrastraße mit nur wenigen Häusern, aber eingesäumt vom satten Grün der Pappeln und Ahornbäüme, zum Stehen.
Wie vorher abgemacht, schob sich Ebbi zuerst aus dem Auto.
Nervös tippelte Ebbi entlang des Wagens auf und ab, fingerte eine Zigarette aus seiner Schachtel, und rollte diese zwischen Daumen und Zeigefinger. Während er diese in den Mund steckte, zitterte die ganze Hand. Hypernervös tastete er nach dem Feuerzeug und nur mit Mühe war es ihm gelungen, die Zigarette zum Glühen zu bringen. Während er den Rauch nervös und hastig inhalierte, saugten sich seine Blicke an den vorüberziehenden Passanten fest. Noch hetzten und trödelten zu viele Menschen auf dem schmalen, mit neuestem Kopfsteinpflaster versehenen Bürgersteig, entlang. Das Risiko entdeckt zu werden schien ihm doch noch zu hoch zu sein. Mit scheinbar stoischer Gelassenheit hatten es sich Manne und Georgi auf den geräumig-flauschigen Sitzen der Luxuskarosse gemütlich gemacht. Aus den vier Lautsprechern des Autoradios dröhnte der hämmernde Sound der „Toten Hosen“. Es lief der Megahit „Hier kommt Allice“, und Manne sang inbrünstig mit.
Ebbi schlich sich an die gläserne Tür heran. Er sah, dass noch drei Kunden an den Schaltern weilten, um sich Bargeld auszahlen zu lassen.
Wenige Minuten, nachdem die letzten Kunden die Bank verlassen hatten, ebbte auch der Strom der Passanten auf dem Fußweg deutlich ab.
„Ich glaube, jetzt können wir losmachen“, war Ebbi felsenfest überzeugt. „ Du holst Aktenkoffer und Pistole aus dem Kofferraum. Die Pistole reichst Du mir, und den Koffer für die Scheine, Georgi. Dann legen wir los, und du stehst Schmiere. Wenn wir mit fetter Beute die Bank verlassen haben, hältst du uns die Türen auf, und wir düsen sofort davon. Das alles muss teufelsschnell gehen, damit uns möglichst keiner sieht, erklärte Manne Ebbi zur Sicherheit noch einmal.
Eine Minute später gab Ebbi mit einem kurzen Pfiff das Startzeichen. „Los, die Luft ist rein.
Zuerst stülpten Manne und Georgi die torfschwarzen Masken über, die ihnen ein gespenstisches Aussehen verliehen. Blitzschnell öffnete Ebbi den Kofferraum und fischte Pistole und Aktenkoffer heraus. Kurz nachdem Manne und Georgi aus dem Auto geklettert waren, drückte Ebbi Manne die Pistole in die Hand und reichte Georgi den Koffer. Alles klappte wie am Schnürchen.
Jetzt stürmten Manne und Georgi auf die Bank zu. Sie mussten aber vor der gläsernen Eingangstür kurz halt machen und warten, bis sich die Tür automatisch geöffnet hatte.
Eva - eine der Angestellten - war eine junge ebenmäßige Schönheit mit seidig glänzenden, leicht gekräuselten naturblonden

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