Der Banküberfall vor dem Fußballspiel (Teil2)
von
Michael Reißig
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splitternde Frontscheibe. Der Citroen war nur noch Schrott.
Manne, Georgi und Ebbi waren mit einem blauen Auge davongekommen – standen aber für einige Sekunden unter Schock. Alle drei blieben unverletzt, dennoch war auch der Mercedes beschädigt. Risse in der Frontscheibe liefen nach allen Richtungen hin aus, und in der Mitte klaffte ein größeres Loch. Auch die Vorderfront war stark eingedrückt und zerbeult. Von den vorderen Reifen war die Luft entwichen, so dass an ein Weiterfahren überhaupt nicht mehr zu denken war.
„Wir müssen sofort verschwinden!“, schrie Ebbi, der als erster wieder zur Besinnung gekommen war. Ebbi öffnete die Tür und stieg aus. „Beeilt euch, los, los!", brüllte Ebbi verzweifelt. Sekunden später folgten Manne und Georgi ihm. In der Zwischenzeit hatten sich die ersten Gaffer um das Auto gescharrt. Das Erste Hilfe leisten, kam keinem von ihnen in den Sinn, obwohl der Fahrer des Citroen Saxo benommen, und - wie eine Bogenlampe - in seinem zertrümmerten Auto hockte. Das Blut, es rollte unaufhörlich über sein weißes Hemd und über seine braune Manchasterhose.
„Was wollen wir denn jetzt machen?“, fragte Manne, der sehr verstört wirkte.
„Das überlasse mir mal“, sagte Ebbi, der von jetzt an das Kommando übernahm.
„Ab geht’s!“, raunte er. „Halt, nahm Ebbi das Kommando wieder zurück,...“der Koffer.“
Ebbi öffnete die Klappe des Kofferraumes und tastete nach dem Aktenkoffer mit der Beute.
Wie angewurzelt blieben Manne und Georgi stehen. In der Hektik merkte keiner von ihnen, dass ein Tourist eine Kamera in Reichweite hatte, die er schnell ausgepackt und auf Manne und Georgi, aber auch auf den Mercedes richtete. Sofort klickte er auf den Auslöser, dann packte er den Apparat schnell in einen Plastikbeutel ein, und steuerte auf das Polizeipräsidium zu, welches nur ca. 300 Meter vom Unfallort entfernt lag.
„Jetzt geht’s los, aber sofort!“, mahnte Ebbi zur Eile, während das Heer der Gaffer am Unfallort immer größer wurde.
Ebbi rannte als erster fort. Georgi und Manne folgten ihm. Im Höllentempo hetzten die Flüchtigen durch eine Unterführung, mussten aber immer wieder das Tempo drosseln, da zahlreiche Passanten den kürzesten Weg versperrten. Nach dem Ende des Tunnels, rannten sie auf dem Bürgersteig der Helmut-Schmidt-Straße weiter entlang. Alle schnappten gierig nach Luft und waren so außer Atem, dass man befürchten müsste, die Lungenflügel könnten platzen.
Nach etwa 300 Metern bogen sie links in eine Seitenstraße ab, und kurz danach noch einmal links in einen schmalen Torbogen ein, der in den Hinterhof eines alten Gemäuers führte, welches in der Zeit der vorletzten Jahrhundertwende erbaut worden war. Völlig erschöpft lehnten sie sich an die schwarze Hauswand. Die meisten Wohnungen waren längst verwaist, nur noch hinter wenigen Fenstern hingen Gardinen.
Nachdem sich das Trio wieder erholt hatte, sagte Manne: „Hört mal zu, das Beste wäre, wenn wir aus dieser blöden Stadt verschwinden würden. Dann sind wir weg von den Bullen.“
„Hast Recht“, antwortete Georgi. „Bin auch einverstanden“, pflichtete Ebbi ihm bei.
„Jetzt, da wir genug Kohle haben, können wir nach München fahren und dort in einer noblen Herberge absteigen“, ergänzte Ebbi.
„Was für eine tolle Idee!“ freute sich Manne. Auch in Georgis Augen erglomm ein blitzkleines Lächeln, welches ein Fünkchen Hoffnung widerspiegelte.
„Wir müssen aber sehen, dass wir schnell an Boden gewinnen. In über einer Stunde ist das Spiel zu Ende, da wird der Bahnhof voller Bullen sein, um die gegnerischen Fans zu verabschieden“, fürchtete Georgi nicht ohne Grund.
„Stimmt“, pflichtete Ebbi ihm bei.
„Also, ab gehts“, forderte Manne, der fortan wieder das Kommando übernahm.
Federnden Schrittes ging es bis zur nächsten Straßenbahnhaltestelle. Nach fünf Minuten Wegezeit, erreichten sie diese. Sie hatten Glück, denn eine Bahn der Linie fünf, kam unmittelbar vor ihnen zum Stehen. Der Wagen war nur zur Hälfte gefüllt und bereits nach zwei Stationen hatten sie das Ziel – den Hauptbahnhof – erreicht. Die Gangster kletterten aus dem Waggon und trauten ihren Augen kaum. Bereits vor dem Eingang A der riesigen - mit weiten Bögen gespannten Halle - hatten schon die ersten zwanzig Polizisten Stellung bezogen.
„Was machen wir jetzt bloß?“, fragte Manne mit kleinlauter Stimme..
„Wir rennen einfach drauflos“, antwortete Ebbi spontan.
„Ab durch die Mitte!“, forderte Manne mit Nachdruck.
Das Trio ahnte nicht, dass jetzt schon eine Hundertschaft Polizisten an den Seiten im Eingangsbereich dieser Halle postiert waren.
Bundespolizei, die örtlichen Beamten und Bedienstete der Bahnsicherheitsgesellschaft (BSG)
gaben sich die Klinke in die Hand. Die Großfahndung nach den Bankräubern war bereits in vollem Gange, was Ebbi, Georgi und Manne, noch nicht ahnten.
Ebbi und Georgi hörten auf Mannes Kommando und rannten einfach draufzu - ins Verderben.
Als sie den Eingangsbereich stürmten, rief einer der Polizisten: „Halt, bleiben Sie sofort stehen!“
Doch kopflos rannten die Drei weiter. Weit kamen sie aber nicht mehr, denn im Nu stürzten sich von beiden Seiten aus kommend, zahlreiche Uniformierte auf die Bankräuber, die nun hoffnungslos eingekesselt waren.
Einer der Beamten riss Manne den Koffer mit den Geldscheinen aus der Hand, ein anderer Polizist packte Manne am rechten Oberarm und in Bruchteilen von Sekunden hatte es klick gemacht.
Auch Ebbi und Georgi wurden sofort Handschellen angelegt. Während die Drei abgeführt und in einen der Mannschaftswagen verfrachtet wurden, erfüllte ein jämmerliches – nahezu gespenstig klingendes Hundegebell – die Halle. Einige der Polizisten konnten nur mit Mühe, ihre, im Dienst stehenden Vierbeiner, an der Leine halten.
Der Traum vom schnellen Reichtum fand viel zu schnell ein jähes Ende. Dabei hatte sich Manne doch fest eingeschworen, nie wieder mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten. Leider waren es wieder die „Freunde“ von einst, die Manne in die falsche Spur gelockt hatten. Den Versuchungen - des großen Geldes wegen - konnte er nicht widerstehen – leider! Und als Weichei wollte er wahrlich nicht dastehen.
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