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Kategorien > Gedichte > Gedanken

Der Birnbaum

von Ömmel

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Der Birnbaum

Ein Birnbaum wuchs in vielen Jahren,
er wurde stark und mächtig.
Er hat so manchen Sturm erfahren,
doch stand er groß und prächtig.

Im Frühjahr trieb er seine Blätter
und breitete sich aus.
Er trotzte jedem Wetter
Und hielt so manches aus.

Im Sommer wuchsen seine Früchte,
zu dicken Birnen, voll und rund.
Er hörte oft sehr viel Gerüchte,
doch er blieb ganz und dar gesund.

Der Herbst, er brachte reiche Ernte,
die Menschen waren froh.
Sie schätzten die besonderen Werte
und seine Birnen sowieso.

Doch in dem Baum rumorte was,
erst war es gar nicht klar.
Der Baum, der dachte voller Hass,
dass er nichts besonderes war.

Über all die viele Zeit
war nie etwas passiert.
Die Langeweile macht sich breit,
weil er nur funktioniert.

Im Frühjahr hat der Baum beschlossen,
was anderes zu probieren.
Die Blätter, dachte er verdrossen,
die wird ich einfach ignorieren.

Mit aller Macht und festem Willen,
hielt er die Triebe dann zurück,
und dachte bei sich im Stillen,
„es kommt kein Blatt, was für ein Glück“.

Es kostete Kraft, das Anderssein.
Der Baum, er kämpfte hart,
und immer gegen sich allein,
er nicht mehr gelacht.

Der Baum stand noch im Mai wie tot,
an seinem angestammten Ort,
und keiner half ihm in der Not,
er konnte auch nicht fort.

Die Zeit verging, der Baum blieb kahl,
er hatte was er immer wollte,
doch schmeckte die Erfahrung fahl,
weil etwas in ihm grollte.

Er war in sich zurückgezogen
und alle seine Kraft,
war Widerstand, und schien verlogen
und langsam schwand der Lebenssaft.

Ein Mensch besah betrübt den Baum,
befühlte Stamm und Äste.
Der Baum fühlte die Berührung kaum,
auch nicht die liebevolle Geste.

Dann kam das Ende schnell und knapp
und ohne Federlesen.
Der Baum war einfach furchtbar schlapp,
dass war das Anderssein gewesen.


Nun gibt es immer die Moral,
die so ein Vorgang mit sich bringt.
Ist Anderssein nur eine Qual?
Sei sicher, das es nicht gelingt.

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