Der Blutelf - Prolog (Geisternebel)
von
Serpens Mors
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Der Mond stand am höchsten Punkt, inmitten eines Sternenmeeres am Firmament, quecksilbrig leuchtend zu dieser Frostzeit und keine Wolke wagte es, dieses Bild zu trüben. Nebelschwaden schlossen ein Meer aus flüssigem Silber und umschlangen die Jahrtausende alten Bäume. Bläulich sah man die Naturgeister aus den kräftigen Stämmen treten. Ihr äußeres war furchteinflößend und vertraut zugleich. Leise sangen sie ein Lied in alter Sprache und die Magie, die sie ausstrahlten, durchdrang jede Borke, jedes Blatt bis hin zum auch letzten Grashalm. Die Tiere standen still und gaben Ihre tiefen Kräfte frei. Die Naturgeister umgarnten den See im Verbund mit dem Nebel und bauten eine dichte Wand. Inmitten eines kleinen Sees, eingekreist von wirr umherschwirrenden Lichtern die einen Schweif aus Mondstaub hinter sich her zogen, sah man einen Priester stehen.
Sein Umhang aus violett schimmerndem Stoff, hergestellt von Elfenhand und leichter als ein Blatt im Wind, wehte im Luftzug umher. Sein langes Haar spiegelte das Mondlicht und zog sich durch die Luft wie Silberfäden. Eins seiner Ohren war schon abgerissen, tiefe Falten zieren sein Gesicht und unterhalb seines rechten Auges zog sich eine Narbe bis tief in seinen Kragen hinein. Das goldene Funkeln in seinen Augen wurde Sekunde um Sekunde heller. Um seine vom Wasser umschlungenen Füße schlugen hektisch kleine Wellen, die auf dem See Tropfen springen ließen. Sein Stab steckte vor ihm mit einer magischen, sich in alle Richtungen drehenden Kugel. Der Himmel schien still zu stehen, die Zeit rückwärts zu laufen. Zu seinen Füßen lag ein Elfenjunge, keine Mondwende alt, nackt und hilflos, umgeben von einem Schild aus wirbelnden Blättern. Seine kleinen Augen waren noch geschlossen und er hatte noch nie Blut vergossen. Seine Haut war noch rein, so soll er des Meisters eigen sein. Auf seinem Bauch fing ein Heller Kreis an zu leuchten und zeichnete Scharen an Hieroglyphen, die wild begannen zu tanzen.
Langsam erhob sich der Säugling aus dem kühlen Nass und öffne seine rotleuchtenden Augen. Mit vollster Konzentration sprach der Priester
„Dem Körper schmerzhaft weicht, so der Geist wird leicht. Als Hülle sollst du dienen, zu Füßen meiner liegen. Ich werde in dir Wohnen, deinen Geist dabei verschonen. Dein junges Blut gibt mir neue Kraft und somit habe ich die Macht. Herrschen werde ich, schützen dabei du mich.“
Tropfen flogen durch die Luft und schlossen eine Kuppel über des Priesters Haupt. Hektischer und hektischer schlug das Herz des kleinen Elfen. Es donnerte gegen seinen Brustkorb. Hände und Beine vom Körper gestreckt, das rote Licht seiner Augen strahlte nun bis ins Firmament und sein Körper fing an zu leuchten, sodass des Priesters Augen zusammengekniffen dem entgegen sahen. Die Arme dem Himmel entgegen gestreckt bildete der Priester mit seinen Händen einen Kreis um den Mond, als würde er ihn festhalten wollen.
Die Geister flogen schneller und schneller, es wurde lauter und hektischer, der Nebel zog Gras und Blüten in sich hinein als alles plötzlich stoppte. Donner ertönte der jedes Ohr zum bluten bringen würde. Die Erde bebte und um den Mond sprangen Funken wie wild. Die Bäume um den See brachen zur Seite. Der Donner wurde lauter und mit einem mal schoss ein gleißender Blitz in des Jungen Körper. Um den Priester leuchtete es blau, er fasste den Knaben und stieß einen bebenden Schrei aus.
Einige Sekunden später war es vorbei und der Priester war verschwunden. Die Bäume standen grade an ihren Plätzen. Der See bildete eine spiegelglatte Oberfläche, auf der sich das blutrot-orange Licht der Sonne spiegelte. Der Schilf stand am Ufer und ließ sich mit dem Gras vom Wind streicheln. Aus den Blüten flogen goldene Pollen, die zusammen mit den Blüten tanzten. Die Tiere grasten und ihr Fell schimmerte im Sonnenglanz. Am Ufer des Sees lag der Junge, eingewickelt in den Mantel des Priesters, und schrie. Es machte den Anschein, es sei alles in Ordnung.
Da kam eine junge Elfe des Weges, bekleidet mit einer Lederrüstung. Um ihren Hals trug sie einen glänzenden Sichelmond. Ihre Arme waren verschnürt in dicken, abgewetzten Armschienen. Die Stiefel endeten vor den Knien und zeigten eine Ansammlung von Kampfspuren. Ihre schwarzen Haare hielt sie mit einem abgebrochenen Pfeil in einem Knoten am Hinterkopf. Auf dem Rücken trug sie einen Bogen und der Lederriemen Ihres Köchers verlief zwischen Ihrer Brust entlang. Ihre hellweiße Haut war rein und leuchtete. Ihre Augen strahlten Wärme aus. Sie nahm den Jungen mit ihren zierlichen Händen auf und schloss ihn in ihre Arme. Der Kopf lag an ihrem Busen und sie schwang sich auf Ihr weißes Pferd.
Sie ritt so schnell, dass die Mähne des Pferdes Wellen zeichnete. Tief gebeugt sprangen sie über jeden umgekippten Baum, Graben und Stein hinweg. In der Ferne war ein Durchgang zu sehen, der sich auf ein lautes Pfeifen hin öffnete. Links und Rechts standen Wachen und hielten Ihre Lanzen hoch. Das Pferd kam noch nicht zum stehen, da sprang die junge Elfe schon ab und huschte in den Tempel.
Der Tempel stand inmitten des Dorfes, seinen Eingang zierten zwei riesige Statuen die das Dach trugen. Sie waren aus einem weißen Stein gefertigt, auf Ihrer Oberfläche waren schon einige Narben zu sehen, die von Pfeilen hineingeschlagen worden waren. Eine der Statuen hielt ein Schwert zur Rechten und einen langen, schmalen Schild zur Linken, der mit alten Symbolen verziert war. Die andere Statue, gekleidet wie ein Priester, hielt einen langen Stab in den Händen, dieser sah aus als wäre er so der Erde entsprungen und in seiner Krone schloss er eine Kugel ein. Unter dem Dach hielten Ranken den gleichen Sichelmond, den die Kriegerin um ihren zarten Hals trug. Schwer aus Stein gefertigt, umschlangen Ranken einen Kristall. Leuchtende Blüten in allen Farben. Dieser Stein schien eine Quelle jeden Lebens zu sein. Das Dorf blühte prachtvoll, jedoch war der Wald um die Stadtmauern ein schwarzer Grund aus Asche, Blut und Schlamm, erst in weiter Ferne waren vereinzelt grüne Flecken zu sehen.
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