Der Braten
von
Tugendlosigkeit
1
Es war abends halb acht.
Der Braten war fertig und gut durch, man sah dass er meisterlich zubereitet wurden ist, da die Kruste gleichmäßig gebräunt ist und mit aller Liebe zum Detail geschmückt wurde, man spürte förmlich die Zärtlichkeit des Fleisches wie es sich an die Zunge schmiegt und den Gaumen beglückt mit seiner Anwesenheit.
Die Mutter öffnete behutsam den Ofen und roch ob der Braten bereits das richtige Aroma entwickelt hat. Sie nahm die noch heiße Schale in ihre zarten Hände, da sie aber vergessen hatte ihre Bratenhandschuhe anzuziehen, erfüllte ein Schmerzensschrei den Raum, doch es blieb still.
Danach wusch sie ihre Hände mit kaltem Wasser ab, um ihren Schmerz zu lindern und dachte an ihre Unvorsicht und das sie es beim nächsten Mal nicht vergessen werde, denn Schuld war sie und nicht der Braten, denn er wurde von ihr gemacht und kann nicht wissen das er heiß ist, das muss sie ihm ja noch beibringen. Nachdem sie sich ein Pflaster aus dem Schrank neben ihrem Sohn holte, begann sie erneut den Braten herauszuholen und schaffte es diesmal ohne weitere Probleme. Sie stellte ihn dann sacht auf den Tisch zu ihrer schon seit längerer Zeit sitzenden Familie.
Der Geruch des Bratens begann sich im Raume zu verteilen und erfüllte die Mutter mit Stolz, dann begannen die anderen zu essen und nun setzte sich auch die Mutter zu Tisch, doch ihr Lächeln blieb in der Ferne.
Es herrschte eine allgemeine Unruhe, denn man hörte ununterbrochen das Klacken von Gabeln, das Schneiden der Messer sowie das Kauen der Familie, die Lautstärke war bereits auf ein solches Maß angeschwollen das niemand redete, als einziges versuchte die Mutter diese Unruhe durch eine geordnete Frage nach dem wie war euer Tag zu stören, als Antwort kam ein lautes „Gut“, worauf erneut Unruhe folgte.
Der Sohn war als 1. Fertig und nahm seinen Teller und warf das restliche Essen weg, was er nicht mehr schaffte, danach bediente er sich an der Speisekammer und holte sich seinen Lieblingsriegel heraus und verschwand nach unten.
Die Schwester tat es ihm gleich, doch hatte sie stolz einen blanken Teller vorzuweisen.
Sie ging auf Klo und steckte sich den Finger tief in den Rachen hinein, um auch noch den letzten Rest vom Braten in ihren Magen zu befördern, sie wusste einfach nicht das es genau zum Gegenteil führt und morgen war auch ihr Modelcasting.
Nun saßen Vater und Mutter sich gegenüber und starrten ihren Bratenteil an, den die Mutter jeden Tag aufs Neue brät und hofft.
Sie hatte ihn noch nicht einmal angerührt, ihn lediglich geliebäugelt, es war die schlimmste Zeit für sie, das Essen, denn da geht sie zu Bruch, jeden Tag, nur sie schützt ihn und sich selbst.
Er jedoch zerschnitt das Fleisch mit roher Gewalt und zerrte es zu Recht wenn es ihm nicht ganz passte, seine Gabel bohrte sich tief in den Leib des Bratenstückes, sodass der Saft herausgepresst wurde und die Gabel bedeckte. Der Mann vermengte das Stück entwürdigend mit den bereits zerquetschten Erbsen und stopfte es sich in seinen weit aufgerissenen Schlund, wo es im trügerischen Mantel der Dunkelheit von seinen Zähnen zermalmt wurde. Sie konnte den Anblick nicht ertragen.
Der Fremde ging als letztes und sah nicht mehr wie die Hoffnungen der alten Frau in einer Träne auf das Bratenstück fielen, den sie jedes Mal erneut brät und niemand es sieht.
1
Kommentare
Keine Kommentare vorhanden.
Kommentar hinzufügen