Der Brief
von
Keks
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Seitdem es passiert ist, schwirrt mir nur ein einziges Wort im Kopf umher: Warum? Das ist das größte Problem an der Sache, die mich seit Tagen plagt. Er hat doch ein normales Leben geführt, warum musste er sich dann vor diesen dämlichen Zug schmeißen? Er war erst 19, sein ganzes Leben noch vor sich, wollte im Winter anfangen, für sein Abitur zu lernen und hatte eine Freundin, die ihn über alles liebt... bis in den Tod. Und dann soetwas. Ich konnte es nicht fassen, als sein Vater vor der Tür stand und zu mir sagte: „Chris hat sich vor einen Zug gestürzt.“ Ich hatte seinen Vater noch nie weinen sehen. Überhaupt hatte ich noch nie einen Mann über vierzig weinen sehen, doch dann steht er da vor mir und weint. Die Tränen liefen nur so seine Wangen hinunter und ich saß da wie versteinert, konnte es nicht glauben. Wollte es nicht glauben. Chris konnte nicht tot sein, ich war vor nicht einmal 24 Stunden noch bei ihm gewesen. Da war er noch so fröhlich. Es war einfach undenkbar, dass es das letzte Treffen und der letzte Tag unserer Beziehung sein sollte. Es wollte mir einfach nicht klar werden, dass er nie mehr wieder kommen würde. Ganz verdattert und schockiert fragte ich seinen Vater: „In welchem Krankenhaus liegt er? Ich werde ihn besuchen.“ Ich war schon aufgestanden und hatte meine Jacke angezogen, als Chris’ Vater aufstand und mich in den Arm nahm. Das verwirrte mich noch mehr, aber ich ließ mir nichts anmerken. Tröstend tätschelte ich seinen Rücken und meinte: „Keine Sorge, Herr Berger. ER wird wieder gesund. Die Ärzte in unserem Krankenhaus sind wirklich gut. Sie haben mich auch hingekriegt, als ich...“
„Er wird nicht wieder gesund.“, unterbrach er mich. „Er ist tot, Yana. Tot. Weißt du, was das heißt? Er liegt in keinem Krankenhaus, kein Arzt kann ihn wieder hinkriegen und er wird nicht wieder kommen.“ Er brach zusammen. Ich sah nur zu ihm runter, wie er da vor mir auf dem Boden hockte und das tränenverschmierte Gesicht in den Händen vergrub. Er schluchzte oft und laut. Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Chris konnte einfach nicht tot sein, wir waren doch erst vier Monate zusammen und hatten noch so viel vor. Das konnte einfach nicht sein. Herr Bergers laute Schluchzen hatte jetzt auch meine Mutter auf den Plan gerufen, die aus dem Büro gestürmt kam, um zu sehen, was passiert war. Sie half mir, Herrn Berger wieder in die Küche zu manövrieren, wo wir vorher gesessen hatten und er mir von Chris’ Selbstmord erzählte. Selbstmord... Das klingt so böse. Jeder hat vielleicht schon mal darüber nachgedacht, wie man es anstellen würde und wann und warum, aber nur wenige haben ersthaft darüber nachgedacht. Auch nicht Chris und ich. Wir hatten gestern noch davon gesprochen. Er war sehr komisch und trotzdem kam es mir vor wie immer. Er hatte noch gefragt: „Was wäre wenn ich morgen sterben würde?“ und ich hatte ihm auf die Schulter gehauen und gesagt: „Laber nicht son Scheiß, du stirbst morgen nicht.“ Immer weiter hatte er nachgehakt und mir war nichts besseres eingefallen, als zu fragen, ob er einen Knall hätte. Meine Mutter und Herr Berger redeten irgendetwas, Mama hatte ihm einen Tee gekocht und ihn ein wenig beruhigt, doch ich saß bloß da und starrte die Wand vor mir an. Noch gestern hatte er mich nicht gehen lassen wollen, doch ich musste nach Hause. Es war das erste Mal in vier Monaten gewesen, dass er gesagt hatte: „Ich liebe Dich“, dass er nicht wollte, dass ich gehe und dass er mich dazu überreden wollte, über Nacht bei ihm zu bleiben. Und alles was ich sagen konnte war: „Ich muss nach Hause.“ Ich habe nicht „Ich liebe Dich“ zu ihm gesagt, ich habe auf seine Worte gelächelt, mich gefreut und ihm einen Kuss gegeben. Dann war ich gefahren und hatte nicht einmal zurück geschaut als er noch an der Tür stand und mir nachgesehen hatte. Das machte er jedes Mal wenn ich weg fuhr und gestern war das erste Mal, dass ich mich nicht umdrehte. Wahrscheinlich wusste er nicht einmal, dass ich ihn auch liebte. Ich hatte es ihm ja nicht gesagt und ihn abgewiesen. Dieser Gedanke schoss mir wie ein Pfeil durch den Kopf und ich fragte mich, ob es meine Schuld war, weshalb er sich umgebracht hatte. Mein Blick verschwamm, die Augen wurden nass, kurz darauf flossen die ersten Tränen meine Wangen hinunter, doch ich bemerkte es nicht wirklich. Auch meine Mutter und Chris’ Vater waren nicht mehr wirklich da. Ich weiß nur noch, dass ich aufstand und aus dem Haus lief. Wenig später fand ich mich am Bahnhof wieder. Wie ich dort hingekommen bin, weiß ich heute nicht mehr. Ich stand auf unserer Brücke, wo wir uns das erste Mal gesehen hatten und blickte auf die Schienen. Das Gleis war abgesperrt und Müll lag an einer Stelle. Später hab ich herausgefunden, dass Chris sich an der Stelle vor den Zug geworfen hat. Ich sank zusammen, lehnte mich gegen die Gitterstäbe der Brücke und fing an zu weinen. Ich glaube, dass mir erst zu diesem Zeitpunkt wirklich klar wurde, was überhaupt passiert war. Chris war tot und vielleicht war ich daran schuld. Immerhin war ich es, die ihn gestern abgewiesen hat, wenn auch nur im unbedeutenden geringen Sinn. Ich vergrub mein Gesicht in den Händen und weinte. Dachte an unsere Zeit und an das, was wir noch alles vorgehabt hatten. Jetzt können wir es nicht mehr verwirklichen. Chris ist tot. Er hat sich und uns aufgegeben. Einfach so.
Jemand stand plötzlich vor mir und berührte meine Schulter. Ich schreckte auf und sah zuerst das Gesicht von Chris, doch als ich blinzelte, war es bloß eine ältere Frau mit einem Gehstock. Sie fragte mich: „Ist alles in Ordnung, mein Kind?“ Ich antwortete: „Ja alles okay, danke.“ Die Frau ging weiter und ich blickte zum Himmel. War Chris gerade da und sah zu mir hinunter? Eigentlich glaube ich nicht an Himmel und Hölle oder so, aber in dem Moment wünschte ich mir einfach, ihn durch die Wolken zu sehen, wie er lächelte und sich freute, mich zu sehen. Doch auch der Himmel fing an zu weinen, als ich nach oben schaute. Kleine Regentropfen trafen mich im Gesicht. Ich stand auf und ging ein Dtück die Brücke entlang, bis zu der Bank auf der wir manchmal gesessen hatten. Wir hatten unsere Namen in das Holz geschnizt, man konnte es noch sehen. Dann bemerkte ich neben unseren Namen ein neues Wort, das vorher nie da gestanden hatte: „Lücke“. Ich wusste zunächst nicht, was das bedeuten sollte, dann fiel mir ein, dass er mir einmal seinen Haustürschlüssel in eine kleine Lücke in der Mauer am Ende der Brücke, wo die Treppe zum Bahnsteig nach unten führt. Ich lief dort hin und sah in der Lücke nach und fand einen Schlüssel. Wie beim letzten Mal. Er gehörte jedoch nicht zu seiner Haustür. Es war ein Schlüssel von einem Spint im Bahnhofsgebäude. Ich lief also zu den Schränken und fand schnell die richtige Nummer, schließlich war sie am Schlüssel angebracht.
Im Schrank lag ein Brief. Er war von Chris. Mein Name stand drauf und es war seine Handschrift. Ich nahm den Brief und den Euro aus dem Schrank und lief zurück zur Bank. Es regnete jetzt stark und die Tinte
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Kommentare
saskia schrieb am 2008-04-18 14:28:21:
o0mg diese geschicht voll hamma ich musste soooo heulen ey das is soo traurig echt supi mach weiter so
keks schrieb am 2007-04-10 18:23:02:
aber wenn man bedenkt dass viele die vorstellung haben, dass einen der tod so holt, dass es heller wird und geliebte leute und so einen abholen, find ich den schluss eigentlich ganz passend^^
aber ich denke mal dass das auch wieder ansichtssache ist...
lg keks
keks schrieb am 2007-04-10 18:13:49:
danke für die lieben kommentare.. die tränen sind beabsichtigt ;-) wenn ich sowas bei mehreren leuten schaffe sehe ich dass als n krasses lob an.. danke :-)
~~>Tears of Face<~~ schrieb am 2007-03-15 23:17:45:
geile geschichte, der schluss ein wenig unrealistisch, aber mir sind doch ein wenig tränen über die wangen gelaufen...O.o, krasse geschichte echt! Vorallem mit dem Bahnhof usw.
Dickes Lob!
~~juna-[=emo=]-~~ schrieb am 2007-02-07 12:49:15:
ey diese geschie ist richtig gayl aber voll traurig hat mich voll emotional mit gerissen ich glaub das mir sogar eins
zwei tränchen über die wange gelaufen sind
*schnell tränchen weg wisch*
*nichts anmerk lass*
Mteg
~~juna-[=emo=]-~~
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