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Kategorien > Kurzgeschichte > Drama

Der Bücherwurm

von Puppetmaster

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Der jungen Verkäuferin des Buchladens am Bahnhof fiel nun schon seit Wochen ein Mann im schäbigen Mantel auf, der jeden Montag kam um ein neues Buch zu kaufen. Er kam, griff nach einem Buch im Ständer, blätterte es kurz durch und kaufte es dann. Wählerisch schien er nicht zu sein.
Die junge Verkäuferin bewunderte diesen Mann. Er schien ein Künstler zu sein oder war vielleicht sogar selbst ein Schriftsteller, der sich über den Markt informierte.
Nicht einmal sie las jede Woche ein neues Buch und das obwohl sie absolut begeistert von Literatur war. Das war auch der Grund weshalb in einem Buchgeschäft arbeitete.
Dieser Mann hatte etwas Mysteriöses und Romantisches.
Am heutigen Montag griff der Mann im schäbigen Mantel nach einem Buch mit dem Titel ›Fesseln der Leidenschaft‹; ihr Lieblingsbuch.
„Da haben Sie eine gute Wahl getroffen!“, freute sich die junge Verkäuferin, „Ich habe es selbst schon mehrere Male gelesen und ich liebe dieses Buch!“
Sie lächelte ihn zutiefst gerührt an und tippte den Betrag in die Kasse. Der Mann wühlte nervös in seinen Taschen und fummelte mit einigen Münzen in seiner Hand herum. Die junge Verkäuferin bemerkte, dass dieses bisschen Kleingeld nicht ausreichen würde um das Buch zu bezahlen.
Er tat ihr leid.
Verzweifelt schob er ihr seine Münzen über die Theke und blickte sie flehend und stumm an.
„Es tut mir leid, mein Herr, aber das reicht nicht aus.“
Sein Blick war so mitleidig, dass sie nachgab.
„Schon gut…“, flüsterte sie, damit ihr Chef es nicht hörte, „Ich schenke Ihnen das Buch.“ Er strahlte sie dankbar an und ihr Herz erweichte.
Er nahm das Buch an sich und verstaute es in seinem schäbigen Mantel. Er ging zum Eingang und zog die Kapuze über, weil es draußen regnete.
„Mein Herr!“, rief die junge Verkäuferin und zu ihm. „Darf ich Sie etwas fragen?“ Er blickte sie nervös an und nickte.
„Sie müssen ja ein ziemlicher Bücherwurm sein. Seitdem ich hier arbeite kommen Sie jeden Montag und kaufen ein neues Buch. Mit Ihrem neuen Buch werden Sie viel Freude haben. Ich weiß, Sie werden es zu würdigen wissen. Darf ich Sie fragen, was Sie beruflich tun? Sind Sie vielleicht ein Künstler oder Schriftsteller?“
Zum ersten Mal seitdem sie diesen Mann sah, sprach er.
„Wissen Sie, ich bin arbeitslos. Ich kann nicht einmal lesen. Die Bücher muss ich kaufen weil ich eine Krankheit habe. Ich habe noch kein einziges gelesen. Sie liegen bei mir zu Hause nur herum aber es beruhigt mich sie zu haben.“
Die junge Verkäuferin schrie: „Dieb! Chef, ein Dieb!“
Sie nahmen ihm das Buch ab und schmissen ihn hinaus in den Regen.

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Kommentare

R.Bruhl@gmx.de schrieb am 2009-06-24 21:49:12:
Interessante Gesellschaftskritik. Insgesamt sehr bildhaft erzählt. Ich kann den Werdegang der Geschichte nachvollziehn. Mir persöhnlich ist das Ende ein wenig zu abrupt, aber das ist nur meine Meinung. Kann man noch mehr von dir lesen?

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