Der Drachentöter
von
Michael Speier
Dies ist eine Geschichte die sich in der Tat zugetragen hat, ganz gleich wie
es auch klingen mag. Es begab sich zu einer Zeit die lange vor der unsrigen
liegt, auch wenn niemand in der Lage ist genau zu bestimmen wie lange. Eine
Million Jahre? Tausend Jahre? Oder 683 Jahre, 3 Monate und 14 Tage? Wer weiß
das schon? Aber dies spielt auch überhaupt keine Rolle.
Es war ein wunderschöner Sommertag. Die Sonne strahlte vom himmelblauen
Himmel (jetzt wissen wir woher die Farbe ihren Namen hat!) herab. Der Tag
verstrich und ging in einen milden, angenehm warmen Abend über. Die Taverne
der Stadt war gut besucht. Es lag der Duft von heißem Honigwein in der Luft,
und über dem Feuer stand ein großer Kessel, der wahrscheinlich der Ursprung
dieses Geruches sein mochte. Da dieser angenehme Geruch überwog erlaube ich
mir höflichst die anderen vorhandenen Gerüche die eine Taverne in einer
Arbeiterstadt innewohnen zu verschweigen. Die üblichen Leute saßen da an den
Tischen und soffen Met aus robusten Steinhumpen. Da auf einmal öffnete sich
die Türe. Ein Mann, etwa 1,80 groß (was sehr groß war für diese Zeit) betrat
den Raum. An dieser Stelle wird es in den meisten Geschichten und
Erzählungen Totenstill, den dieser Mann ist der Protagonist unserer
Geschichte. Aber wahrheitsgemäß senkte sich der Geräuschpegel kein bisschen.
Es blieb alles unverändert. Eine Tatsache die unseren Helden etwas
verärgerte. Zum Trost möchte ich an dieser Stelle wenigstens sein äußeres
beschreiben, damit ihm wenigstens der Leser der heutigen Zeit etwas Achtung
entgegenbringt. Er hatte schulterlanges, blondes Haar, dunkelblaue Augen und
er war braun gebrannt. Er trug eine dunkle, verdreckte Lederhose, schwere
Panzerstiefel und ein dunkelgraues Schnürhemd. Darüber trug er ein
glänzendes Kettenhemd und schwere Panzerhandschuhe. Das war eigentlich
alles. Grund genug in dieser Stadt, die bisher außer den Wachen keine
solcherart gepanzerten Leute kannte, aufzufallen. Er ging zu einem der
wenigen Tische an denen noch ein Platz auf einer Bank frei war. 7 Männer
saßen dort. Er stellte sich breitbeinig an den Kopf der Tafel.
>>Seid mir gegrüßt. Ich bin Gunther von Otma. Man nennt mich auch den
Drachentöter. Erlaubt mir mich zu euch zu setzten und einen Humpen mit euch
zu leeren.<<
Die Männer schauten ihn von unten herab an. Sie musterten ihn. Dann sagte
einer, vermutlich der Älteste von ihnen >>Setzt euch, Gunther von Otma,
genannt der Drachentöter. Ich erlaube euch mit uns, den Männern von Seeberg
zu trinken<<.
Das Resultat war ein schallendes Gelächter. Und es breitete sich rasch in
der Taverne aus, auch wenn die meisten anderen die lachten überhaupt nicht
wussten was gesagt worden war. Aber das spielte ebenfalls kein Rolle, denn
Hauptsache man konnte sich über etwas lustig machen. Und wenn man sich über
einen Fremden lustig machen konnte, dann war das umso besser. Doch dann
geschah etwas, womit keiner gerechnet hatte. Gunther von Otma griff unter
seinen Mantel, zog einen blitzenden Dolch hervor und hielt ihn dem Frevler
an die Kehle. Das Lachen verstummte. Nun herrschte endlich Totenstille in
der Taverne. Gunter genoss es. Endlich stand er dort wo er stehen wollte. Im
Mittelpunkt. Wenige Augenblicke später stand er nicht mehr, sondern lag im
Mittelpunkt. Er lag auf dem Boden, im Mittelpunkt einer Schlägerei die er
selbst angezettelt hatte. Der Dolch wurde ihm rasch weggenommen und statt
dessen hatte man ihm etwas gegeben das er nicht gerne hatte. Einen dicken
Knüppel. Allerdings wurde er ihm immer und immer wieder in die Rippen
gehauen. Sein Kettenhemd half ihm hier wenig.
Als Gunther wieder zu sich kam lag er rücklings in einer Pfütze, draußen vor
der Taverne. Der Lärmpegel der aus der Taverne kam hatte zugenommen. Es
wurde gelacht und gesungen. Gunther war wieder Mittelpunkt. Diesmal der
Mittelpunkt eines Liedes, aber da es sich hier in dieser Geschichte ja um
ihn handelt und er eine Art Heldenrolle übernimmt, möchte ich den Text des
Liedes an dieser Stelle nicht wiedergeben, da Sie, lieber Leser, Gunther
noch Ernst nehmen sollen. Er wollte immer das man Lieder über ihn singt,
aber solche Lieder hatte er dabei weniger im Sinn gehabt. Er dachte über
seine weiteren Schritte nach. Sollte er den Schweif einziehen und das Weite
suchen? In einer neuen Stadt in eine neue Taverne einkehren und seine
Dienste anbieten? Oder sollte er zurück in die Taverne voller angetrunkener
und raufsüchtigen Halunken die ihn soeben vermöbelt hatte das er dachte er
sei unter einen Pferdekarren gekommen? Zurück zu den Leuten die ihn
verspottet hatten und auslachten? Sollte er die Gefahr auf sich nehmen eine
weitere Tracht Prügel einstecken zu müssen? Er war ein Held! Helden neigen
dazu Dummheiten zu begehen. Er ging zurück in die Taverne.
>>So, ihr seid also ein Drachentöter, hmm?<<
Gunther wurde bereits sehr viel freundlicher empfangen als vorhin, und es
hatte ihn nur wenig gekostet. Einige Lokalrunden (die zu bezahlen er
momentan nicht in der Lage war, aber das würde sich sicherlich schon von
selbst erledigen. Hoffte er!) und schon hörten ihm die Dorfbewohner gebannt
(Mehr oder weniger) zu.
>>Wohlan, so ist es. So sahen die Klauen des Ungetüms aus.<<
Gunther griff in seine Tasche und klaubte eine furchterregende Drachenklaue
hervor. Er legte sie vor sich auf den Tisch. Nun hatte er endlich den
Respekt und die Achtung die er sich erwünscht hatte. Alle starrten ihn mit
offenen Mäulern an (einige Allerdings auch nur weil sie gähnten oder nach
Luft rangen, denn es war recht stickig in der Taverne).
>>Ein wahrhaft furchtbares Ungetüm, fürwahr, fürwahr. Doch berichtet uns,
wie ist es euch gelungen das Untier zu erschlagen?<<
>>Nun, ein Kinderspiel war es nicht, das kann ich euch sagen. Ich wartete
auf eine günstige Gelegenheit, ergriff mein Schwert, und hieb dem
grauenvollen Wyrm den Schädel ab.<<
Während er lauthals erzählte vollzog er mit seinem rechten Arm eine
kreisende Bewegung in der Luft, als wollte er nochmals zeigen wie er das
Tier enthauptete. Wahrheitsgemäß hätte die Bewegung anders aussehen müssen.
Es stimmte, er hatte einen Drachen erschlagen, und er hatte tatsächlich auf
eine günstig Gelegenheit gewartet. Auf einer Wanderung hatte er zufällig ein
Drachennest entdeckt. Die Mutter war bereits vor einiger Zeit gestorben, und
ein Ei lag noch unausgebrütet neben ihr unter einer Eiche. Gunther schlug
dem toten Drachen eine Kralle ab, ergriff zuerst das Ei und anschließend die
Flucht. An einem stillen Plätzchen wartete er nun auf die günstige
Gelegenheit, das der arme, unschuldige Drache endlich schlüpfte. Er hatte
sein Schwert mit beiden Händen fest gepackt und hielt es über dem Kopf. Das
Ei begann sich zu bewegen. Leise und sanft riss die Schale ein, und ein
winziger Drache streckte seinen kleinen Kopf hervor. Das erste was das
Drachenbaby sah war der blaue Himmel, und das zweite war Gunthers Schwert,
das ihm den Kopf abtrennte, noch bevor es das erste Mal blinzeln konnte. Ein
wahrer Drachentöter! Und er hatte auch nicht gelogen als er sagte das der
Drache Klauen hatte wie die welche er bei sich trug, nur die Proportionen
stimmten nicht ganz. Aber auch das war eine gern zu verschweigende
Nebensache für ihn. Seine Rechnung ging auf. Beziehungsweise sie ging unter,
denn ein Drachentöter musste mit Respekt und Achtung behandelt werden, und
was wäre Respektloser als ihm irgendwelche Getränke, Speisen oder sonstige
Dienstleistungen in Rechnung zu stellen.
Am nächsten Morgen wachte Gunther mit einem schweren Kopf auf. Er lag in
einem gemütlichen Bett unter einer warmen Wolldecke. Wie er hierher gekommen
war konnte er nicht mehr mit Gewissheit sagen, denn über alles was nach den
Achten Met geschehen war hüllte sich ein undurchdringlicher Mantel des
Vergessens. Er setzte sich auf die Bettkante, ordnete seine Gedanken und
stand langsam auf. Wesentlich schneller fiel er wieder zurück in sein Bett,
denn irgendetwas stimme nicht mit seinem Gleichgewichtssinn. Wenige Stunden
später versuchte er es erneut, und diesmal klappte es schon besser. Er
kleidete sich an, spritzte sich ein wenig Wasser ins Gesicht das in einer
Schale vor dem Bett auf dem Boden stand und verließ dann das Zimmer. Wäre er
nüchtern gewesen wäre ihm wahrscheinlich aufgefallen das dieses Wasser von
ihm stammte. Der leicht stechende Geruch und die gelbliche Verfärbung gaben
einem nüchternen Menschen genügend Auskunft über die Herkunft der
Flüssigkeit. Ein ebenfalls unübersehbares Zeichen war das die Schale auf dem
Boden stand, aber Urin soll ja bekanntlich Wunder wirken.... Jedenfalls ging
er die langsam, und extrem vorsichtig die Treppe herab. Er sah das er sich
wieder in der Taverne befand. Er wurde beim herabgehen von 7 Augenpaaren in
Augenschein genommen. Sie hatten ihn bereits erwartet. Als er auf der
vorletzten Stufe angekommen war sprang einer den dort sitzenden Männer auf
und eilte mit ausgebreiteten Armen auf ihn zu.
>>Ah, endlich seid ihr Wach, Herr. Man hat mir die frohe Kunde schon in den
frühen Morgenstunden überbracht, und jetzt ist es bereits Mittag. Aber egal.
Ich hoffe ihr seid wohlauf. Dann kann es gleich losgehen.<<
Gunther war verwirrt. Er kratzte sich an seinem Kinnbart und starrt den Mann
fragend an.
>>Ähhm, was kann losgehen? Verzeihung, aber wer seid ihr überhaupt? Ich kann
mich an nichts mehr erinnern.<<
>>Oh, natürlich. Wo habe ich nur meine Manieren, edler Herr. Ich bin
Zacharias von Seeberg. Der Bürgermeister. Und ihr hattet gestern hier Einzug
gehalten und verkündet ihr wäret gekommen um den Drachen zu erschlagen.<<
Plötzlich war Gunther wieder stocknüchtern. Erstaunlich was ein Wort zur
Rechten Zeit alles vermag. ER war gekommen um den Drachen zu erschlagen?
Welchen Drachen? Er konnte sich an nichts mehr erinnern.
>>So etwas soll ich gesagt haben? Ich habe einen Drachen erschlagen, Herr
Zacharias, das waren meine Worte.<<
>>Ja, das sagte man mir. Aber ihr sagtet wohl auch das ihr ein Drachentöter
wäret und uns für 100 Dukaten von der Plage des Ungetüms befreien würdet,
das unsere schöne Stadt Jahr für Jahr heimsucht. Ein riesiger,
Feuerspuckender Drache, der oben auf dem Berg lebt. Einmal im Jahr.......<<
Zacharias redete und redete, doch seine Worten erreichten Gunther nicht.
Alles was nach 100 Dukaten gekommen war interessierte ihn nicht. 100
Dukaten. Das war eine schöne Stange Geld. Damit könnte er mindestens 2 Jahre
gut leben. Er nickte nur. Einen Drachen konnte er doch wohl erschlagen. Wo
ist schon die Kunst. Ein Drachenbaby hatte er schon erschlagen, und es
erschien ihm nicht sonderlich schwer. Gut, zugegeben, der tote Drache neben
dem Ei hatte ein anderes Ausmaß gehabt als das Baby, und der Drache mit dem
er es jetzt zu tun bekommen sollte war vermutlich auch ein wenig größer,
aber im Prinzip bleibt ein Drache nun mal ein Drache. Egal ob groß oder
klein. Er würde es schon schaffen. Dessen war er sich ganz sicher.
Eine Menge Menschen hatte sich am Fuße des Berges versammelt. Sie alle
wollten sehen wie Gunther von Otma den Kampf aufnahm. Von dem Kampf selbst
hätten sie nicht viel gesehen, denn der Berg war recht hoch, und auf der
Spitze wuchs ein dichter Eichenwald. Ein kleiner Trampelpfad reichte steil
vom Tal bis hoch zur Spitze. Hier wurden hin und wieder Gold und Jungfrauen
nach oben gebracht um zu verhindert das der Drache herunter kam und es sich
selbst abholte. Gunther saß auf einem Pferd. Er hatte sich einen roten
Samtmantel umgelegt um verwegener zu wirken. Unglücklicherweise hatte dieser
Mantel nur zur Folge das er schwitze wie ein Schwein. Sein Kettenhemd
blinkte in des Sonne. Er hatte sich einen Topfhelm besorgt und hatte ihn
unter seinem Arm festgekeilt. Elegant stieg er von seinem Pferd. Eigentlich
hätte es keines Pferdes bedurft, denn die Taverne lag nur einen Steinwurf
von der Stelle entfernt an der sie sich soeben befanden, aber es sah einfach
besser aus wenn der Held auf einem Pferd in die Schlacht ritt. Er nahm den
Mantel ab und warf ihn einer hübschen Rothaarigen zu die in der Menge stand.
Diese wusste allerdings nicht was Gunther von ihr wollte, und so landete der
Samtmantel in einer Pfütze mit der Gunther selbst am Vorabend Bekanntschaft
gemacht hatte (der aufmerksame Leser erkennt an dieser Stelle das es sich
tatsächlich nur einen Steinwurf handelte, und der Stein war schwer und von
einem sehr jungen und schwachen Kind geworfen worden. Die Banalität eines
Pferdes kommt an dieser Stelle nochmals zur Geltung!).
>>Nun, Bürger von....<<
Er sah sich fragend um. Ein alter, zahnloser Mann, der aus akustischen
Gründen in der vordersten Reihe stand sagte >>Seeberg<<.
>>Bürger von Seeberg<<, posaunter Gunther weiter. >>Ich, Gunther von Otma,
der Drachentöter, bin gekommen um den Drachen zu töten, der eure Gemütliche
Stadt in Angst uns Schrecken versetzt. Ich werde ihm nun den Garaus
machen.<<
Mit diesen Worten zog Gunther sein Schwert aus der Scheide und hielt es
steil gen Himmel. Der erwartete Applaus und die Begeisterungsrufe blieben
wider erwarten aus. Er versuchte es erneut.
>>Tod dem Untier<<, schrie er aus voller Kehle. Abermals blieb alles ruhig.
Dann drehte er sich ohne ein Wort zu sagen um und rannte los. Er rannte auf
den Trampelpfad zu, das Schwert steil nach oben gerichtet, und dabei schrie
er wie am Spieß >>Hurrrraaaahhhhh!!!<<
Die Menschenmenge sah ihm hinterher, nicht ganz ohne eine gewisse
Belustigung.
>>Ich bin mal gespannt wie lange er weiterrennt und hurra brüllt.<<
>>Warum?<<
>>Nun, spätestens auf halber Strecke dürfte ihm die Puste ausgegangen sein.
Vermutlich schon früher. Der Berg ist ziemlich steil, und es sind bestimmt
Zwei oder Drei Kilometer bis oben.<<
>>Das gehört bestimmt alles zu seiner Taktik.<<
>>Was für eine Taktik?<<
Oben auf dem Berg lag der Drache. Seine gepanzerte Schuppenhaut schimmerte
leicht rötlich in der Sonne. Er schlief in aller Seelenruhe. Doch plötzlich
wurde er aufgeschreckt. Ein lauter, krächzender Schrei drang von untern zu
ihm herauf. Er beugte sich leicht nach vorne und sah das von unten eine
hochgewachsene, gerüstete Person mit gezogenem Schwert zu ihm heraufrannte.
Nun, rennen konnte man nicht mehr sagen, es glich mehr einer Art
mittelalterlichem Powerwalking. Und das Schwert zeigte auch nicht mehr ganz
so steil nach oben. Eigentlich zeigte es mehr zum Boden als zum Himmel. Der
Drache schmunzelte. Das war wohl wider so ein Narr der ihn töten wollte.
Aber bis auf die winzige, verwundbare Stelle auf seiner Brust war er von
einem dichten Panzer umgeben. Schuppen, hart wie Diamanten, von keinem
Schwert und keiner Lanze zu durchdringen. Sie hatten ihm schon oft das Leben
gerettet. Diese Verwundbare Stelle hat jeder Drache, aber kein Mensch weiß
wo sie sich befindet, davon war der Drache absolut felsenfest überzeugt (die
Anzahl der heute noch aktiven Drachen beweist das der Drache sich irrte),
und dieser armselige Wurm würde sie auch nicht finden. Er würde ein wenig
mit ihm spielen, dann würde er sein Kettenhemd mit einem einzigen
Feuerstrahl schmelzen lassen, ihn gar kochen und anschließend in aller
Seelenruhe verspeisen. So hatte er es mit allen anderen Drachentötern auch
gemacht.
Als Gunther ankam war er kaum noch in der Lage sein Schwert zu halten. Er
fiel auf die Knie und rang nach Luft. Da plötzlich erblickte er den Drachen.
Er lag auf dem Bauch und schien zu schlafen. Das war die einzige
Gelegenheit, dacht Gunther. Er raffte seine letzten Energiereserven
zusammen, kam wieder auf die Beine, und schlich zu dem Drachen hin. Er hob
sein Schwert, und mit aller ihm noch verbliebenen Kraft hieb er auf den
Drachen ein. Es gab ein lautes Geräusch als sein Schwert an dem
Schuppenpanzer des Drachen zerbarst. Der Drache konnte sich ein Grinsen
nicht verkneifen. Er öffnete ein Auge und sah Gunther an.
>>Hm, das ist Pech, nicht wahr? Dein Schwert ist zerbrochen. Du hast nicht
zufällig noch einen Dolch oder ein Messer dabei, oder?<<
Gunther war starr vor Schreck. Er wich einen Schritt zurück.
>>Tja, das ist Pech. Jetzt stehst du also hier vor mir, unbewaffnet, hast
mich geweckt und stiehlst meine Zeit. Was soll ich jetzt nur mit dir
machen?<<
Der Drache richtete sich auf. Jetzt erst konnte Gunther einen Blick auf das
Feld hinter dem Drachen erhaschen. Dort lagen mehrere Rüstungen, Lanzen,
Schwerter und Knochen. Er erschauderte.
>>Ja, richtig. Deine Vorgänger. Einige hatten gute Ambitionen, aber du? Tut
mir leid das ich dir das jetzt so sagen muss, aber du bist wirklich der
schlechteste Drachentöter den es jemals zu mir verschlagen hat. Beinahe bin
ich bereit dich laufen zu lassen.<<
Gunther erkannte die Gelegenheit. Er drehte sich blitzschnell um und rannte
los. Doch der Drache war schneller. Seine riesige Pranke raste von oben
herab und versperrte Gunther den Weg.
>>Tz, tz, tz. Ich sagte beinahe. So leicht kommst du mir nicht davon. Sage
mir, wie kommt es das die Leute von Seeberg einen solchen Dieletanten zu mir
hochschicken? Was hast du ihnen erzählt?<<
In Gunthers Kopf konnte man es förmlich arbeiten hören. Er konnte dem
Drachen doch unmöglich die Wahrheit sagen.
>>Nichts<<, etwas besseres fiel ihm im Moment nicht ein. >>Ich bin nur wegen
dem Gold hier?<<
>>Gold? Was denn für Gold?<<
>>Du bist ein Drache, und Drachen liegen immer auf einem Hort Gold, habe ich
gehört.<<
>>Und du wolltest dir dieses Gold holen? Hm, wie wolltest du es denn
mitnehmen, das ganze Gold. Einen ganzen Hort, hmm? Wärst wohl mit einer
Schubkarre wiedergekommen, nachdem du mich erschlagen hast, wie?<<
>>Ähh...<<, Gunther suchte nach den Richtigen Worten. <<<
>>Nicht so schnell. Du hast von dem Drachenhort gewusst. Wusstest du denn
dann nicht das Drachen eine gepanzerte Haut haben?<<
Gunther hätte sich selbst ohrfeigen können. Natürlich, gepanzerte Haut. Wie
konnte er das vergessen.
>>Aber, es gibt doch da diese Verwundbare Stelle bei jedem Drachen.<<
Jetzt war der Drache sauer.
>>Woher weißt du davon, elender Wurm. Sage es mir, bevor ich dich mit Haut
und Haaren verspeise.<<
Gunthers Augen wurden groß. Er musste sich jetzt ganz schnell etwas
einfallen lassen.
>>Nun ja, ich, ... also .... <<
>>Schneller....<<
Der Drache spie einen dünnen Strahl bläuliches Feuer gegen Gunther. Sein
Helm wurde ihm vom Kopf geweht und schmolz auf der Stelle zu einem
unförmigen Klumpen zusammen.
>>Jeder weiß das, oder etwa nicht?<<
>>Es ist dieser Siegfried gewesen, oder?<<
>>Wer?<<
>>Dieser Blonde Tunichtgut aus Xanten. Hätte wissen müssen das er das
überall rumerzählt. Fafnas Tod hat sich ja schnell rumgesprochen, und auch
das dieser Perverse dann in Fafnas Blut gebadet hat. Eine Schande ist das,
jawohl. Er sollte sich was schämen. Und dann kippt er auch noch den ganzen
Schatz in den Rhein. Was ist das für eine Welt in der wir heute leben. Komm,
nimm die Lanze da hinten und stoße sie mir in die Brust. Genau hier.<<
Gunther verstand nicht ganz. Er war, gelinde gesagt, verwirrt.
>>Na los, worauf wartest du. Nimm dir die Lanze da vorne und stoße sie mir
genau hier in die Brust. Keine Angst.<<
Gunther ging langsam und vorsichtig an dem Drachen vorbei und nahm die Lanze
an sich. Er richtete sie auf die Brust des Drachen.
>>Eine Sache noch. Versprich mir das nicht weiterzuerzählen, und bitte bade
nicht in meinem Blut. Das ist einfach ein Unding. Obwohl, du riechst schon
ein wenig streng. Hast du in die Hose gepinkelt?<<
Gunther hatte nicht in die Hose gepinkelt, aber er sagte vorsichtshalber ja,
denn die Wahrheit war ihm ein wenig zu peinlich.
>>Und jetzt, stoße endlich zu. Ich kann diese verrückte Welt nicht mehr
ertragen.<<
Der Drache schloss die Augen und erwartete seinen Todesstoß. Gunther zog die
Lanze ein wenig zurück, nahm Anlauf und stieß zu. Beinahe wären ihm die Arme
ausgekugelt, mit einer solchen Wucht stieß er gegen die Steinharte Brust des
Drachen. Die Lanze zerbrach wie kurz vorher das Schwert. Der Drache öffnete
die Augen und Lachte.
>>Verarscht!<<
Dann spie er abermals eine blaue Flamme, doch dieses Mal traf sie Gunther in
Brusthöhe. Sein Kettenhemd schmolz dahin, und er wurde bei lebendigem Leib
geröstet. Der Drache kicherte.
>>Vollidiot. Dämlich. Zu dämlich, der Kerl.<<
Dann pustete der Drache leicht in die Asche, fegte den Rest mit seinen
gewaltigen Pranken weg, und legte sich wieder zur Ruhe.
Und wenn er nicht gestorben ist, dann liegt er heute noch dort und wartet
auf einen Drachentöter der mehr draufhat als Gunther und sein Vorgänger.
Aber ein gutes hat die Sache für Gunther gehabt. Sein Schwindel ist niemals
aufgeflogen, und die Zeche brauchte er nie zu bezahlen. Seid jenem Tag
kassiert der Wirt stets bevor der Gast die Taverne verlässt. Selbst wenn es
sich um einen Drachentöter handelt.
- E N D E -
Kommentare
Der Bruder von Friend of Draco schrieb am 2008-11-16 00:15:21:
Muhaha, die Geschichte ist echt gut!
*Lob*
Friend of draco schrieb am 2008-11-15 16:58:14:
Echt genial geschrieben. Ich hab mich ziemlich kaput gelacht. XD
Und endlich mal eine Geschichte, die zeigt was so ein Drachentöter wirklich ist ...
Helion schrieb am 2006-11-24 22:36:39:
Hallo
ich finde deine Geschichte echt lustig.Sie ist dir sehr gut gelungen.
mdymuweahesh schrieb:
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