Der Engel mit den schwarzen Flügeln
von
Dr.Soltberg
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Der Engel mit den schwarzen Flügeln
1. Der Engel
Neues Blut strömt durch die alte Erde. Und augenblicklich ward er unterworfen.
Silver stand allein an den Klippen und beobachtete den klanglosen Ascheregen aus Finsternis, welcher die alte Welt zu verschlingen schien.
Der Tod der Welt und des Menschen stand kurz bevor und so fand Silver keine Worte, als er auf Attica hinab blickte.
Die letzte Festung des Menschen lag verlassen da, im Schatten der Klippen, welche sie umgaben.
Und die Schreie gottloser Kreaturen durchdrangen Alles, als diese sich aufmachten um das letzte Leben zu erlegen.
Silvers eisige Kanoniersaugen ruhten auf den brennenden Ruinen, die von der Menschheit übrig waren.
In der Ferne lag der Engel regungslos, in tiefster Mitternachtsmagie im Schnee. Die gefrorene Schönheit war nur durch Wolfsspuren geschändet und die Blutvögel umkreisten die wunderschöne Gestalt. Sie ehrten sie mit einem Gesang, der jedem irdischen Geräusch trotzte.
Dort lag sie, als gefallener Engel in strahlendem Weiß.
Ihre schwarzen Flügel waren auf der Lichtung ausgebreitet, als würde sie dem Grauen entfliehen wollen, welches unweigerlich bevorstand. Das schwarze Satingewand bestand nur noch aus Fetzen, welche ihren wundervollen Körper verdeckten und ihre roten Augen starrten verloren ins Nichts, während unzählige Wölfe in den Schatten heulten.
Der Vollmond erhob sich, vernichtete Aurora und ihr blutfarbenes Spektrum.
Die Sterne entflammten den Himmel und eröffneten den letzten Liebesakt auf Erden.
Silver floh in die Dunkelheit der Wälder, welche wieder Herr über die Erde geworden war.
Irgendwo weit entfernt begann das Chaos alles zu verschlingen und Äonen voller wunderbarer Existenz erloschen im ewigen Nichts.
Jeder Baum war gleich und er wusste nicht wohin er laufen sollte. So verfloss sein Wille und die Liebe wurde ihm entrissen.
Die unendliche Dunkelheit verschlang ihn und Ewigkeiten lang floss er durch die Finsternis.
Bis er erwachte.
Und dies, ist der Anfang vom Ende.
2. Das Ende
Als er erwachte regnete es Asche. Dem nächtlichen Himmel war die Diskretion entrissen und das Firmament glühte blutrot. Langsam setzte Silver sich auf und betrachtete die Lichtung.
Das graue Gras wogte im schwülen Wind, welcher ihm schreckliche Dinge zuflüsterte.
Taumelnd stand er auf, wohl wissend, dass das Ende begonnen hatte.
Und er verstummte für immer, als er den Engel im Schnee liegen sah. Sein Herz raste und er sank wieder auf die Knie. Der Zyklus begann.
Gib Acht, geliebtes Herz. Einst zerrissen, könnt ihr euch niemals wieder einen.
Als eins gekleidet, wird der Jäger den Gejagten verneinen. Die Geysire auf deiner verführerischen Haut führen mich in die Irre. Und die Symphonien scheinen auf den perfekten Wiesen zu erklingen.
In Wirklichkeit bist du mein Schicksal, meine Sünde.
Eine Todsünde für mich und ich habe mich in dich verliebt.
Also bin ich gefallen und du bist Alles, was mein Herze fordert.
Meine Begierde verfällt, sobald ich alles an dir entdeckt habe, also jagt mich meine Sünde voller Freude. Voller Angst.
Du bist eine Sünde für mich und ich liebe dich so sehr.
Nun segne mich oder verfluche mich. Bejahe mich oder verneine mich.
Gott, wie ich all die Sünder doch beneide, so sehr wie ich mich in meine Sünde verliebt habe.
Und ich habe nicht mehr länger, als eine Nacht zu leben.
Und so taumelte Silver langsam zu der Lichtung ohne den Blick einmal von dem Engel abzulassen. Er setzte sich neben die gefrorene Schönheit und betrachtete traurig, wie der dunkle Ascheregen sie immer weiter bedeckte. Und er weinte.
Nicht weil er sterben musste, nicht weil dies das Ende war. Er weinte, weil der Engel von so unmenschlicher Schönheit war, dass es ihm das Herz zerriss.
Und so ließen die Wölfe ihr Wehklagen erklingen und er blickte zum glühenden Firmament, an welchem der Mond ihn spöttisch verlachte.
Er packte die Hand es Engels.
Langsam strich er ihr das dunkelrote Haar von der Stirn und blickte in ihre einzigartigen Augen. Die graue Nichtigkeit seiner verschmolz mit den brennenden Flammen ihrer Augen.
Und sie erwachte. Während des Falls der alten Welt, erwachte der letzte gefallene Engel.
In jenem Moment schwieg alles, als sie, die Schönheit, Silver erblickte und ihre zweite Hand in die Seine legte. Die Asche prasselte auf sie hinab und Winde aus Pestilenz schrieen ihnen in die Ohren, doch sie vergaßen es gleich, als sie sich ansahen.
Und Silver hielt sie fest, als sie inmitten der Lichtung standen. Die Blätter der Laubbäume fielen zu Boden als er in die unendlichen Tiefen ihrer schüchternen Augen blickte.
Verwirrt hielt sie weiterhin seine Hände und sah sich um.
Auch sie musste erkennen, dass dies das Ende war.
Verstört blickte sie in seine Augen ohne einen Laut von sich zu geben.
Der erste von Leben erfüllte Blick lähmte beide Wesen. Ließ das Leben in sie strömen und entriss es ihnen sogleich. Unendlichkeiten der Existenz zerfielen zu Staub als er sie sah und sie ihn liebte.
Und als die Welt zerfiel und alles Leben starb, nichts mehr übrig blieb, da küsste er sie.
Sie küsste ihn und sie umarmten sich.
Ihre Blicke trafen sich im Kuss und während sie sich liebten, wie nichts und niemand jemals geliebt hatte, wurde ihnen der Boden entrissen.
Doch die Berührung ihrer Körper und ihrer Seelen konnte ihnen niemand entreißen.
Für alle Ewigkeit verschmolzen jene Seelen zu einem Abstraktum aus Liebe und Sehnsucht, Melancholie und Ewigkeit.
Die Apokalypse brach über sie herein und vernichtete alles.
Nur eines konnte sie sich nicht einverleiben.
Und der Engel mit den schwarzen Flügeln mag heute noch gefroren in der Wildnis liegen.
Neben ihm ein Berg aus silbrig glänzender Asche.
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Kommentare
ich schrieb am 2011-04-19 16:52:20:
es ist als ob du unsere geschichte erzählst.......
Lineria schrieb am 2010-01-16 12:46:00:
Wow wunderschöne Geschichte!
Anariel schrieb am 2010-01-14 23:47:17:
Lieber Soltberg,
es freut mich zu sehen, dass du immer noch schreibst....:-)
Wie immer habe ich deine Geschichte genossen.
Ein schrecklichschönes Bild hast du gemalt.
Mit liebem Gruße
Anariel
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