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Kategorien > Krimi > Mord

Der Flüsterer

von Billyboy

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Der Flüsterer

Von Thorsten Wirth

Teaser

London, 1966. Der „Flüsterer“ ist ein gerissener Verbrecher, der wohlhabende und prominente Bürger Englands mit seinem Wissen um dunkle Flecken in deren Vergangenheit erpresst. Bereits zwei Mitglieder des Oberhauses haben sich deshalb das Leben genommen, als offenbar auch Sir Archibald Menning jenen geflüsterten Anruf erhält, der das Markenzeichen des Erpressers darstellt.
Wenig später liegt Sir Archibald tot hinter seinem Schreibtisch, die gerufene Polizei konstatiert Selbstmord.
Der zufällig anwesende Dandy Roger Burdett, ein Freund der Familie, hat seine Zweifel und beginnt auf eigene Faust zu ermitteln. Auch Chefinspektor Elk, von Sir John mit der Jagd nach dem „Flüsterer“ betraut, begibt sich auf Schloß Menning.
Mit unterschiedlichen Prämissen machen sich beide auf die Suche nach dem Drahtzieher dieser Verbrechen, doch es bleibt nicht bei diesem einen Toten, und der Täter scheint mit allen Wassern gewaschen...




Der Flüsterer


Kriminalgeschichte von Thorsten Wirth



Prolog

„Und wenn Sie nicht tun, was ich Ihnen sage, übergebe ich das Material der Presse. Das dürfte Ihr Ansehen mehr als nur beschädigen, Sir Gregory!“ flüsterte die Stimme. Ein Klicken, und Sir Gregory Mansfield hielt den verstummten Hörer des Telefonapparates in der Hand.
Draußen zuckte ein Blitz, welcher das Gesicht des Mannes bleich und gespenstisch erscheinen ließ. Unmittelbar darauf krachte ein gewaltiger Donnerschlag hernieder.
Der Dritte Earl of Farnsworth und Mitglied im Oberhaus saß reglos an seinem mächtigen Schreibtisch und starrte das Telefon an, als sei es ein Teufelsding aus einer anderen Welt. Mit einem Ruck riß er sich aus seiner Lethargie. Er griff nach dem feinen schottischen Whisky auf dem Beistelltisch, schenkte sich ein und hob das geschliffene Glas aus böhmischen Kristall zum Mund. Mit einem leichten Brennen rann die goldgelbe Flüssigkeit durch seine Kehle. Anschließend zog er ein Blatt seines persönlichen Büttenpapiers aus einem Schubfach und begann mit kurzen, kraftvollen Zügen zu schreiben.
Das Gewitter hatte etwas an Intensität verloren, aber einzelne Blitze, begleitet vom dumpfen Grollen des Donners, tauchten das Arbeitszimmers des Lords in Abständen in ein diffus gespenstisches Licht,.
Nach wenigen Minuten legte er den Federkiel beiseite, überflog seine Niederschrift zufrieden und legte das Blatt gut sichtbar in die Mitte der Schreibtischplatte. Nach einem letzten Schluck aus dem nunmehr geleerten Glas öffnete er die unterste Schublade und entnahm ihr einen Revolver. Er wusste, dass die sicherste Variante der Schuß durch den geöffneten Mund in den Hinterkopf darstellte und schob den kalten, öligen Lauf seiner Armeepistole zwischen die Lippen.
Das letzte, was Sir Gregory Mansfield wahrnahm, waren der scharfe Knall und der Rückstoß der abgefeuerten Waffe.


1. Kapitel

„Miß Finley, wo bleibt denn Chefinspektor Elk? Sollte er nicht längst hier sein?“ Sir John schaute auf die Wechselsprechanlage, als wüsste diese die Antwort.
„Er kommt gerade, Sir“ säuselte es aus dem kleinen Lautsprecher, als just die Tür zu dem geräumigen Büro des Scotland Yard Chefs geöffnet wurde und die leicht gedrungene Gestalt des im Dienst ergrauten Chefinspektors sichtbar wurde.
„Da sind Sie ja endlich, Elk!“ tönte es hinter dem Schreibtisch hervor. Der Yard-Chef schloß schnell ein vor ihm liegendes Kochbuch – sein neuestes Hobby – und rief: „Wo bleiben Sie denn? Haben Sie die heutigen Zeitungen gelesen?“ Sir John hatte sich die Brille vor die Augen gehalten und wedelte mit den Zeitungen umher.
„Mit Verlaub, Sir, meinen Sie die Berichte über den anonymen Wohltäter, der seit einigen Wochen größere Geldsummen an verschiedenen Weisenhäuser des Landes spendet?.“
„Natürlich nicht, Chefinspektor!“ Sir Johns Erregung steigerte sich. „Ich meine die Berichte über diesen...diesen „Flüsterer“! Da erpresst ein Wahnsinniger die Elite Englands und ... und treibt sie in den Selbstmord, und Sie kommen mir mit irgendwelchen Spenden?“ Der sonst eher joviale Yard Chef war aus seinem Sessel gesprungen und stiefelte um den eichenen Tisch herum.
„Nun ja, Sir, es scheint um diese Elite nicht zum Besten zu stehen. Immerhin ist erwiesen, dass Sir Gregory Mansfield während seiner aktiven Militärzeit in Indien eine ganze Kompanie tapferer Soldaten sinnlos in den Tod geschickt hat, um seine eigene militärische Fehlentscheidung zu kaschieren. Der Erpresser hat dies lückenlos belegt und die Dokumente anonym der Presse zukommen lassen, Sir.“
„Diesen Zeitungsschmierern ist doch nicht heilig! Geben diesem verbrecherischen Subjekt auch noch den wohlklingenden Namen „Flüsterer“!
Wann bekomme ich endlich Ihren Bericht?“ Sir John ließ sich wieder in seinen Ledersessel zurück fallen und starrte resigniert auf die Tageszeitungen.
„Heute noch, Sir. Wir können beim Tod von Sir Gregory Mansfield eindeutig Fremdverschulden ausschließen. Alle Aussagen und Spuren stimmen überein. Offenbar wollte er dem Druck des „Flüsterers“ nicht nachgeben und zog es vor, seinem Leben selber ein Ende zu setzen. Wir haben die Aussagen des Personals überprüft und auch ein Schreiben des Erpressers gefunden, in welchem er seine Anschuldigungen erhebt. Alles in allem gleicht der Fall damit dem von Sir Eustace Goodfellow. Wir wissen natürlich nicht, wie viele Erpressungsopfer es tatsächlich gibt, da diejenigen, die an den Täter zahlen, es sicher vorziehen, zu schweigen.“
„Hm, Elk, wenn Sie diesem Kerl nicht bald Einhalt gebieten, droht eine weit größere Schmach! Der Innenminister war ein Freund der beiden Opfer. Und erwartet schnelle Aufklärung! Tun Sie alles, was nötig ist, mein lieber Chefinspektor!“ Die Stimme des Yard Chefs war leise und einschmeichelnd geworden. „Aber mit dem nötigen Fingerspitzengefühl versteht sich! Ansonsten betrachten Sie sich als zur Schutzpolizei versetzt!“
Elk stand mit Schirm und Melone in der Tür und fragte beim Hinausgehen „Wie belieben?“
Dann verschwand er im Vorzimmer, wo Miss Finley ihn mitfühlend anlächelte.

***

Als der Beamte wenig später und etwas kurzatmig sein Büro betrat, wurde er bereits von Constable Burns erwartet.
„Haben Sie die nötigen Auskünfte eingeholt?“ fragte Elk den Uniformierten, stellte den Bowler auf die Hutablage und streifte den beigefarbenen Ulster ab.
„Jawohl, Chefinspektor. Sir Gregory Mansfield hat mit Ausnahme seiner Militärzeit - er war von 1942 bis 1947 in Indien stationiert – England nur einmal verlassen, das war 1959. Er trat eine längere Reise durch den Kontinent an, wie es hieß. Nach ungefähr drei Monaten war er wieder zurück. Er diente dem Kriegsministerium noch bis zu seiner Pensionierung vor acht Monaten als Berater und war seit 1960 Mitglied im House of Lords.“ referierte der schlanke Constable die Ergebnisse seiner Recherchen.
Elk hatte sich an seinen aufgeräumten Schreibtisch gesetzt und sinnierte. „Was fällt Ihnen auf, Burns?“
„Nun, beide bislang bekannten Opfer des „Flüsterers“

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