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Kategorien > Krimi > Mord

Der Flüsterer

von Billyboy

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hielten sich vor einigen Jahren länger auf dem Kontinent auf, Sir.“
„Gut beobachtet, Burns. Da müssen wir ansetzen, Burns. Das ist die Gemeinsamkeit!“

2. Kapitel

Das schnelle Automobil kam mit quietschenden Bremsen direkt vor den Türen des „Hammond Inn“ zu stehen, einem momentan sehr angesagten Café nahe Piccadilly, in welchem auch einige mehr oder weniger bekannte Schauspieler zu verkehren pflegten. Der junge Mann, welcher dem knallroten Aston Healey entstieg, hätte gut und gerne die Hauptrolle in einer jener Unterhaltungsserien spielen können, die immer häufiger das BBC-Werbefernsehen füllten. Er war Mitte Dreißig, hatte ein sympathisches, offenes Gesicht mit neugierigen, klugen Augen und war mit einem maßgeschneiderten Tagesanzug bekleidet, wie er nur bei Londons besten Schneidern zu bekommen war.
„Roger, hallo!“ Eine junge blonde Dame war von ihrem Platz an einem Tischchen unter der geöffneten Markise aufgestanden und winkte dem Ankömmling zu. Dieser erkannte Belinda Menning sofort und eilte ihr entgegen. Die junge Frau trug ein schlichtes weißes Minikleid mit einer ebensolchen Jacke, das Haar hatte sie zu einer beachtlichen Höhe gefönt.
„Hallo, Lady Belinda“ Er verbeugte sich galant.
Belinda Menning entgegnete scheinbar verärgert: „Sie sollen mich nicht immer Lady nennen, Roger. Da komme ich mir immer vor wie eine alte Schachtel.“ Der junge Mann stellte fest, dass der Schmollmund die junge Frau noch anziehender machte.
„Sie sind nun mal die Nichte von Baronet Archibald Menning und damit für mich eine Lady“. Burdett schaute der Angesprochenen in die wachen blauen Augen und wartete, bis er die Aufforderung erhielt, sich ebenfalls zu setzen.
„Ach, Roger, wer weiß, was noch kommt. Im Augenblick studiere ich einfach nur vor mich hin und will so unabhängig wie möglich von Onkel Archie und seinen snobistischen Freunden sein. Aber...“ sie hielt inne und musterte Roger Burdett nachdenklich.
„Was ist denn?“ fragte dieser.
„Nun, Roger, es steht leider mein Pflichtbesuch auf Schloß Menning an, und es ist eine langweilige Qual für mich, die Pfingsttage in Cambridgeshire mit der buckligen Verwandtschaft verbringen zu müssen. Und Gwynneth erst... „ Belinda verdrehte demonstrativ die Augen bei der Erwähnung ihrer Zwillingsschwester. „Könnten Sie sich nicht freimachen und mich ein paar Tage begleiten?“ Sie sah Roger Burdett direkt in die Augen, und als Gentleman konnte der Angesprochene nicht anders. Er nickte.
„Au fein!“ Belinda Menning, die vor wenigen Tagen ihren einundzwanzigsten Geburtstag gefeiert hatte, klatschte in die Hände. „Prima, dann holen Sie mich doch Freitag um zwölf mit Ihrem Auto ab. Nicht später, ja?“

***

Als Roger Burdett am Abend die großzügige Wohnung am Eaton Place betrat, wurde er bereits von seinem treuen Butler Jennings erwartet. Der hochgewachsene Lakai trat, das linke Bein leicht nachziehend, an seinen Herrn heran, servierte einen Martini und wollte sich schon zurück ziehen, als Burdett ihn ansprach: „Jennings, ich werde Pfingsten für ein paar Tage verreisen. Sie müssen hier allein die Stellung halten. Bereiten Sie alles vor, insbesondere mein komplettes Reisegepäck.“ „Das komplette Gepäck, Sir?“ „Ja, alles! Man kann ja nie wissen. Ach, und erkundigen Sie sich doch bitte unauffällig nach Sir Archibald Menning und seiner Familie. Es ist immer gut zu wissen, wer sein Gastgeber ist.“ Burdett lächelte und trank den Martini aus. Er schaltete das Radio ein und gab sich dem Chopin-Klavierkonzert hin, welches live aus der Albert Hall übertragen wurde.

3. Kapitel

Der rote Sportwagen mit dem über 130 PS starken Motor brauste über die A 10 gen Norden. Eine rege Unterhaltung hatte der laute Fahrtwind verhindert, aber das kam Roger Burdett nicht ungelegen. So konnte er die Landschaft genießen und seinen eigenen Gedanken nachgehen.
Er hatte pünktlich um zwölf Uhr vor der kleinen Wohnung in Kensington gehalten, welche Belinda Menning als Sudentenunterkunft diente. Allerdings musste er sich noch knappe zwanzig Minuten gedulden, bis das nicht gerade kleine Gepäck seines Fahrgastes auf den Rücksitzen verzurrt war und seine Begleiterin reisefertig neben ihm saß.
Er legte einen Kavalierstart hin, der sie beide in die Sitze drückte und den ermahnenden Pfiff eines Bobbys nach sich zog.
Belinda Menning trug einen karierten Minirock, darüber einen hellen Kurzmantel und hatte das hochtoupierte Haar mit einem Tuch gegen den Fahrtwind geschützt.
Roger Burdett war mit Bundfaltenhose, Pullover und Lederjacke eher leger kekleidet.
Nach ca. 30 Meilen hielten sie bei Puckeridge, um in einer kleinen Raststätte am Abzweig zur A 120 rasch einen Happen zu essen und sich die Beine zu vertreten.
„Sagen Sie, Belinda, wer wird denn alles auf Schloß Menning anwesend sein? Ich möchte mich schließlich nicht blamieren?“ begann Roger das Gespräch.
„Nun, mein Onkel, Sir Archibald Menning, ein wahrer Familientyrann, „Schlossherr“ seit fünf Generationen. Meine Tante Cynthia, Lady Menning, etwas affektiert vielleicht, viel jünger als Onkel Archie, manchmal glaube ich, sie hat nur des Geldes wegen geheiratet...meine Zwillingsschwester Gwynneth sicher auch, dann vermutlich Reverend Holborn, ein alter Freund meines Onkels, ein Schleimer vor dem Herrn, besonders zu uns kleinen Mädchen war er immer besonders freundlich...grrrr. Neuerdings kriecht auch immer so ein ungehobelter reicher Sack mit dem Namen Lucius Clay auf Schloß Menning herum, er ist ein Nachbar, Industrieller oder so. Und natürlich der Verwalter des Gutes, Mr. Farmer. Gehört beinahe zur Familie...Er ist recht nett, aber er kommt gegen Onkel Archie nicht an.“
„Und was macht Gwynneth so? Wieso haben Sie sich eigentlich zerstritten?“ Der junge Mann stellte seine Tasse ab und wartete auf die etwas zögerliche Antwort.
„Seit dem Tod unserer Eltern wohnten wir bei Onkel Archie, der sich sehr um uns gekümmert hat. Meine Schwester ist inzwischen so etwas wie das Nesthäkchen und lässt sich verwöhnen. Das konnte sie schon immer gut. Sie war immer die Lieblingsnichte, war immer nett zu allen, hat nie gebockt, immer das getan, was von ihr erwartet wurde... Ich glaube, das ist Berechnung, aber die anderen finden sie alle SO nett...Das ist auch der Grund für unseren Zwist. Ich hatte einfach die Nase voll von diesem „Nimm Dir ein Beispiel an Gwynneth!“ Gwynneth hier, Gwynneth da. Na ja, und dann fing sie zu allem Überfluss an, sich mit der Familiengeschichte der Mennings zu beschäftigen, um sich einzuschleimen. Irgendwann im letzten Jahr hat es dann gereicht.“ Die junge Frau schwieg, starrte auf die leere Kaffeetasse vor sich und sagte dann abrupt: „Lassen Sie uns über Sie sprechen, Roger! Ich kenne sie ja eigentlich auch nur flüchtig von diversen Partys. Woher stammen Sie? Was tun Sie eigentlich so den ganzen Tag?“
Der Angesprochene setzte sich zurück und überlegte. „Nun, meine Familie stammt aus Shropshire und ist nicht ganz unvermögend. Mein Vater starb im Krieg, meine Mutter bald darauf. Außerdem hat mir

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