Der Flüsterer
von
Billyboy
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zur fortgeschrittenen Mittagsstunde deutlich gefüllt. Landarbeiter, Tagelöhner und ein paar Bauern wollten sich offensichtlich stärken und sprachen lautstark auch über Tische hinweg miteinander. Unfreiwillig schnappte der Constable eine Bemerkung auf, die ihn nachdenklich machte. Er wandte sich an den Urheber der Äußerung und bat darum, das Gesagte noch mal zu wiederholen. Der Angesprochene, ein kräftiger rothaariger Kerl mit riesigen Händen erklärte: „Also gestern Abend, es war so nach elf, da bin ich mit Jimmy Phelps nach Hause gegangen, Jimmy hatte etwas mehr intus als gut war, wenn Sie verstehen.“ Burns und auch Elk verstanden. „Und da kam so ein Verrückter mit einem Motorrad auf uns zu, ohne Licht. Der hätte uns fast über den Haufen gefahren, so ist der gerast.“ Der Landarbeiter schüttelte den Kopf. „Ich musste Jimmy direkt von der Straße zerren, sonst hätte der Verrückte ihn erwischt.“
Elk und sein Mitarbeiter hatten den Worten aufmerksam gelauscht. „Und wo war das genau?“
„Na auf der Straße nach Barrington, vorm Bahnübergang. Er raste in Richtung Schloß. “
Elk und Burns sahen sich an. „Das ist sicher kein Zufall, die Stelle ist keine Meile von Schloß Menning entfernt“ resümierte der Chefinspektor.
„Und wie sah der Fahrer aus, welche Motorradmarke war es?“ hakte Constable Burns nach. Der Landarbeiter schüttelte die roten Haare. „Es war dunkel und der Weg ist nicht gut beleuchtet. Der Verrückte trug ´nen dunklen Helm mit Schutzbrille, und eine dunkle Ledermontur, meine ich. Der war ja nur Sekunden zu sehen, nur der Motor knatterte laut wie ein Traktor. Das war ´ne schwere Maschine, eine Enfield vielleicht, mein Schwager Morris hat so eine.“
Wenige Minuten später machte sich Chefinspektor Elk zurück auf den Weg nach Schloß Menning.
9. Kapitel
Mit unbewegtem Gesicht deckte der Butler den Tisch im Salon ab und schien auf nichts anderes zu achten. In Wirklichkeit jedoch bemühte er sich, mehr von der Unterhaltung zu erhaschen, die in der kleinen Bibliothek im Nebenraum zu Gange war. Leider wurde er in diesem Moment von der Köchin gestört, die aufgebracht einen hölzernen Fleischklopfer hin und her schwang. „Mr. Bunter, wissen Sie, wer diesen Unsinn anstellt und ein Loch durch dieses Küchenutensil gebohrt hat?“
Der Butler, der lieber dem Gespräch gefolgt wäre, blieb verärgert stehen. „Miss Booster, bitte verschonen Sie mich mit solchen Nebensächlichkeiten. Kaufen Sie einen neuen Klopfer und entsorgen diesen.“ Er schickte die Köchin fort und wandte sich wieder dem Geschehen im Nebenzimmer zu.
„Es ist davon auszugehen, dass es sich beim Tod Sir Archibalds nicht um einen Selbstmord handelt.“ erklärte der vor wenigen Minuten eingetroffene Chefinspektor leise. „Sowohl die Spuren am Tatort als auch die ersten Ergebnisse der Gerichtsmedizin lassen keinen anderen Schluß zu außer Mord!“ setzte er fort. „Sir Archibald wurde anscheinend mit einem starken Schlafmittel betäubt und anschließend an seinem Schreibtisch erschossen. Der Täter wollte uns wohl glauben machen, es handele sich um einen Selbstmord, um der Erpressung durch den „Flüsterer“ zu entgehen.“
Sein Gegenüber schwieg interessiert.
„Da Sie über eine gute Beobachtungsgabe verfügen und laut Aussage Miss Belinda Mennings
als Täter ausscheiden, möchte ich ganz offen zu Ihnen sein, Mr. Burdett.“
„Das ehrt mich, Herr Chefinspektor“ gab der Angesprochene zurück. Ein Telefonläuten unterbrach das Gespräch. Nach wenigen Sekunden erschien Bunter in der Tür und meldete: „Ein Gespräch für die Polizei, Sir. Der Anrufer wollte seinen allerdings Namen nicht nennen.“
Elk entschuldigte sich und begab sich zum Telefon in der Halle.
Eine unbekannte und entfernt wirkende Stimme flüsterte: „Herr Chefinspektor, diese Tat hat nichts mit mir zu tun. Ich verwahre mich dagegen, mit einem Mörder auf eine Stufe gestellt zu werden. Finden Sie den wahren Mörder von Sir Archibald, oder ich werde es tun!“ Der Anrufer hatte aufgelegt und Elk starrte verdutzt in das fragende Gesicht von Roger Burdett, der dem Yard.- Mann langsam in die Halle gefolgt war.
***
„Wo ist eigentlich der Reverend?“. Lady Menning sah sich suchend um, aber keiner der im kleinen Salon Anwesenden schien die Antwort zu kennen. Die Uhr auf dem Kaminsims hatte gerade zwei geschlagen. „Ist er denn noch nicht zurück?“
Ihre Augen wanderten zu Gwynneth Menning, die scheinbar unbeteiligt strickend auf der Chaiselonge saß.
„Ich habe den Reverend in Foxton am Postamt abgesetzt, Tante. Er meinte, er käme schon zurecht.“ Die junge Frau blickte nicht auf, sondern konzentrierte sich ganz auf die Handarbeit. Belinda, die gerade durch die Türe trat und den Wortwechsel mit angehört haben musste, erklärte: „Wieso, der gute Reverend ist doch schon lange wieder zurück. Ich habe ihn vorhin zu den Stallungen gehen sehen.“.
Lady Menning richtete sich auf. „Zu den Stallungen? Was mag er denn dort gewollt haben? Er hat sich noch nie etwas aus den Pferden gemacht.“ Sie schüttelte den Kopf. Dann warf sie Giles Farmer einen strengen Blick zu und meinte: „Mr. Farmer, bitte sehen Sie doch mal nach, ob Sie Reverend Holborn finden können.“
Der Angesprochene erhob sich widerwillig aus dem Sessel, legte die Zeitung beiseite und verließ wortlos das Zimmer. Auf dem Gang traf er den Chefinspektor.
„Ah, Mr. Farmer!“ Elk trat an den Verwalter heran. „Ich müßte Sie noch etwas fragen, darf ich Sie begleiten?“. Der Angesprochene nickte kurz. „Ich wollte zum Stall rüber, der Reverend soll dort irgendwo sein.“. Die beiden Männer verließen das Hauptgebäude und gingen gemächlich den von Hecken gesäumten Kiesweg entlang. Der Polizist betrachtete den Mann an seiner Seite nachdenklich, dann begann er: „Mr. Farmer, warum haben Sie uns nicht erzählt, dass Sie bei Sir Archibald mit mehreren tausend Pfund in der Schuld standen und sie also doppelt abhängig von ihm waren?“
Der Gutsverwalter hielt kurz inne, dann meinte er lakonisch: „Sie haben es auch so heraus gefunden.“. Er verstummte kurz, begann dann von Neuem: „Was macht das noch aus? Ich bin von einem Selbstmord ausgegangen, da wollte ich die Sache nicht komplizieren.“ Sie hatten das Stallgebäude erreicht, Farmer öffnete das Tor. Das diffuse Licht, welches durch die wenigen verschmutzten Scheiben im hinteren Teil der Stallungen einfiel, ließ die staubige Luft stellenweise sichtbar werden.
„Das waren Wettschulden, Mr. Farmer.“ setzte Elk nach. Der Angesprochene nickte: „Ja, ich spiele gern, leider etwas mehr, als mir gut tut.“ Er schwieg betroffen.
Aus dem hinteren Teil des Gebäudes war das Rascheln und Atmen verschiedener Pferde zu vernehmen. Die Tiere schienen irgendwie unruhig zu sein. Der Verwalter horchte, aber mehr als das Trampeln und Schnauben der Pferde war nicht zu vernehmen. Er rief: „Reverend, sind Sie hier?“, erhielt allerdings keine Antwort. Elk wollte die Stallungen bereits verlassen, als ihn der Verwalter am Ärmel festhielt. „Warten Sie, etwas stimmt hier nicht“ raunte er dem Yard-Mann zu. Gemeinsam durchschritten
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