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Kategorien > freiheit > frei sein

Der Fluss

von Leviathan

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Lautlose Schreie, getragen von dem schwarzen Wind, der Verdammnis ruft und Glück zerschellt.
Warmer Regen, er peitschte ihm ins Gesicht. Es ist als ob das Elixier des Lebens von seiner Stirn tropfen würde. Er senkt die Lider, klare Kristalle hängen an den pechschwarzen Wimpern. Graue Blätter, so schwach und so krank wehen in das blasse Gesicht. Er streckt die Arme aus, weit von sich: "Brüder. Ihr die wisst was es heißt." Die tosenden Blätter, zu vielen, zu hunderten. Es sind tausend tanzende Schreie und doch schreit ein jedes für sich alleine. Sie sind wie das Wasser. Jeder Tropfen in ihm erzählt eine eigene Geschichte, klagt ein andres Leid.
Die Person steht da, in der Mitte des Weges. Die Arme wie zur Huldigung erhoben. Den schmalen Mund leicht geöffnet, steht er da. Die Passanten laufen vorüber, schütteln die Köpfe, ziehen die Krägen ihrer Jacken noch weiter in den Nacken, schütteln die Köpfe. Niemand erkennt, dass unter den vielen Regentropfen die von dem Gesicht rinnen auch Tränen sind. Tränen die genauso warm wie der laue Regen sind, doch sie sind salzig und längst nicht so rein. Jede Träne ist ein Stück seiner Seele, welches sich voller Verzweiflung aus dem Fenster gestürzt hat. Warum lächelt er? Warum steht er dort, so unberührt, so einsam?
Langsam senkt er die Arme. Er öffnet die Augen, so als ob er zum ersten Mal das Licht der Welt erblicken würde. Er zögert, verharrt. Wie in Zeitlupe schüttelt er sein dunkles Haupt und geht. Setzt seinen Weg fort. Seinen Weg den nicht einmal er kennt.
Er läuft, läuft durch die pulsierende Stadt. Riecht und schmeckt die Wut in ihr. Sie faucht und qualmt wie ein ausbrechender Vulkan, doch keiner scheint es zu vernehmen. Er sieht Autos, die Straßenbahnen, die Menschen. Sie alle rasen an ihm vorbei, sind zu schnell für ihn, unerreichbar. Sie sind wie ein reißender Strom, der alles mit sich zeiht und dann verschlingt. Panisch klammert er sich an einen grün lackierten Laternenpfahl. Seine Hände schwitzen, zittern. Hohl stößt er die noch eben so gierig angesaugte Luft wieder aus. Es beginnt zu flimmern, Lichter tanzen vor seinen Augen. Sie rufen ihn, verspotten ihn. Der Griff um den Pfahl lockert sich, er versucht die kreischenden Irrlichter hinfort zu wischen. Ein tiefes Seufzen entfährt seiner Brust, als sich die grellen Blitze verziehen und eine angenehme Schwärze breitet sich um ihn herum aus.
Schwer fällt der durchnässte Körper auf den harten grauen Asphalt.
Der Strom hält nicht an.

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