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Kategorien > Aus dem Leben > Sarkasmus

Der Gourmet

von Kalinka Kaprisnaja

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Der Gourmet!

Im Elsass. Ein Albtraum: Meine Schwiegereltern in spe haben sich bei mir zum Essen angesagt. Und besonders mein Schwiegervater „Eugène“ ist beim Essen so kritisch wie ein Testesser von „Gault Millau“. Egal, in welchem Restaurant wir je gegessen haben, immer kam zum Schluss Kritik: „Das Gemüse hätte frischer sein müssen, das Fleisch war nicht zart genug, hier hat ein bisschen von diesem oder jenem gefehlt!“ Und ich habe überhaupt keine Ahnung vom Kochen...

Nach tagelangem Grübeln findet ich einen Prospekt im Briefkasten vom Supermarkt auf der deutschen Seite direkt hinter der Grenze: Russische Woche! Vom Tüten-Borschtsch bis zum „Stolitschnaja-Wodka“ ist dort alles im Angebot... Das bringt mich auf eine gute Idee:

1. Ich koche bei dieser Einladung nur russische Gerichte, die „Eugène“ nicht kennt!
2. Ich lade einen ganzen Tisch voller Gäste ein, dann ist er zudem abgelenkt!
3. Ich lege das Essen auf eine halbe Stunde später als üblich fest – denn Hunger ist der beste Koch!

Einen Tag vor dem Essen ruft meine „Schwiegermutter“ an: „Soll ich kommen, um Dir beim Kochen zu helfen?“ Im Grunde will sie natürlich nur neue Rezepte abgucken. „Danke nein,“ antworte ich, „ich muss erst mal einkaufen gehen!“ Überrascht legt sie auf. Schon Samstag Nachmittag und das Essen noch nicht mal eingekauft?

Auch ich schaue auf die Uhr. 16 Uhr, jetzt wird es ernst! Eine Stunde später bin ich mit einer Wagenladung Fertigfutter zurück. Es wird „Schtschi (Kohlsuppe), Bliny mit Kaviar, Bef Stroganoff (Boeuf Stroganoff) und Charlottka (Charlotte) geben. Dazu Wasser, Wodka, Brandy, Wein und Tschaj (Tee).

Sonntag. Die Gäste kommen. Mein Wasser kocht. Aufgeregt schütte ich die Tüten-Suppe in das heiße Wasser. Gleich wird man mich als Koch-Dilettantin outen! Statt dessen höre ich „herrlich“ und „großartig“ als Komplimente für meine Suppe. Einer der Gäste hat eine Tanssib-Reise durch Russland hinter sich und lobt meine aufgelöste Körnersuppe in den höchsten Tönen.

Auch meine Bliny-Fertigmischung findet reißen Absatz. Ich komme gar nicht so schnell mit meiner kleinen Pfanne nach, wie die Servierplatte leer wird. Vielleicht hätte ich doch eine zweite kleine Pfanne mitnehmen sollen?

Von der Bef-Stroganoff-Tüten-Soße bin ich allerdings schwer enttäuscht. Die schmeckt nach überhaupt nichts, sieht undefinierbar rosig-blass aus und wirkt sämig. Was habe ich im Kühlschrank, um sie aufzupeppen? „Harissa“ aus der Tube, womit mein Freund normalerweise seinen „Couscous (nordafrikanischer Eintopf) würzt?

Oh je, das war ein Tick zu viel, die Soße ist nun viel zu scharf! Also schnell den Rest Sahne von der Charlottka in die Bef-Stroganoff-Soße! Andächtige Stille kommt aus dem Esszimmer. Bedeutet das, dass es den Gästen schmeckt oder würgt jeder das Hauptgericht rasch runter, um es hinter sich zu bringe? Ich riskiere einen Blick ins Esszimmer - alle Teller sind leer!

Letzter Gang. Das Dessert. Aber jetzt wird es wirklich schwierig! Für die Dessertcreme habe ich die Zutaten in der Hektik falsch zusammengerührt und obwohl sie bereits stundenlang im Kühlschrank steht, denkt die Masse gar nicht daran, fest zu werden. Wie wird aus einem flüssigen ein fester Körper? Als Eis! Die Charlottka kommt in die Tiefkühltruhe. Aber wie lange dauert es, bis die Masse gefroren ist? Armenischer Brandy soll die Warte-Zeit überbrücken...

Nach etlichen Runden und waschechten Trinksprüchen ist der Kuchen endlich eine Eistorte. Soll ich gestehen, dass die Charlotte eigentlich weich wie eine Mousse sein sollte? Aber das „Klack-Klack“ auf den Tellern klingt so lustig, dass ich auch ohne Brandy mitlachen kann...
Der „Tschai“ bildet schließlich den Abschluss des Essens, dann treten alle den Heimweg an. Ich schiele nach „Eugène“. Kommt jetzt die Kritik? Nein, nicht die Spur! Er umarmt mich und sagt, dass sei das beste Essen, dass er jemals genossen hat! Ich kann es nicht fassen: Der selbst ernannte „Gourmet“ kann Tüten-Essen nicht von frisch Gekochtem unterscheiden...

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Kommentare

jenny schrieb am 2009-02-28 13:17:06:
naja.. so sakstisch ist das nicht !!
sorry

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