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Kategorien > Kurzgeschichte > Liebe

Der Hausmeister

von Nachtwanderer

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Hier hatten sie also gelebt, gemeinsam, so viele Jahre. Er war ein bescheidener Mann und sie eine bescheidene Frau. Kennen gelernt hatten sie sie sich auch hier. Damals arbeitete sie noch in der Pflege, da war er schon der Hausmeister des ehrwürdigen Seniorenheims, an dessen abgewandter Parkseite sie dann später gemeinsam ein kleines, beinahe baufälliges Bruchsteinhäuschen beziehen durften, das zum Anwesen gehörte.

Sie hatte sich nie beklagt, auch nicht, nachdem sie krank wurde und beide von dem winzigen Hausmeistergehalt leben mussten, das ihnen verblieb. Er brauchte sich nie zu sorgen, sie kümmerte sich verlässlich, er wusste nicht mal wie viel er verdiente. Oft reichte es kaum zum Leben, zum Glück zahlten sie keine Miete, doch einen Teil seines Gehaltes behielt die Stiftung dafür gleich ein.

Seit sie weg war, war er ein einsamer Mann geworden und wenn die Nacht kam, saß er oft trübsinnig in seiner karg eingerichteten Schreibstube mit Blick in den Park. Sie liebte diese Aussicht, hatte sie ihm mal gesagt. So saß er auch an diesem Abend hinter den beschlagenen Kastenfernstern seiner traurigen Behausung. Es könnte heute Nacht den ersten Frost geben, dachte er, als plötzlich die Laterne am Eisentor des Nebeneinganges, von dem kaum einer wusste, zu leuchten begann. So, wie die schwache Glühbirne der umgebauten Gaslampe einen warmen Schein in die gespenstische Allee warf, so warm wurde nun sein aufgeschrecktes Herz und es begann schneller, und voller Hoffnung zu schlagen.

An diesem Abend war es ein paar Wochen her, dass sie ihn verlassen hatte, ausgezogen war, ohne ein Wort des Abschieds. Sie hatte geweint als sie ging, aber sie blieb stumm, während sie ihre wenigen Habseligkeiten in den winzigen, verstaubten Lederkoffer packte, der schon ihrer Mutter gehörte. Sie berührte noch ein letztes mal sanft seine Hände und er wusste, dass es für immer sein würde. Lebe wohl, war das einzige das sie noch gesagt hatte, bevor das verrostete Eisentor der Parkanlagen hinter ihr ächzend ins Schloss fiel. Auch ein einfacher Mann wie er, weiß was das bedeutet.

Noch eben saß er an seinem, von den Spuren der Jahre gezeichneten Sekretär, und sann, wie jeden Abend, darüber nach, was er anstellen müsste, um sie zurückgewinnen zu können. Ein Geschenk müsste er ihr machen, ein ganz besonderes Geschenk, doch nichts was ihm einfiel schien ihm gut genug zu sein, um ihr Herz wieder für ihn zu entflammen.

Und nun, sollte es etwa Wirklichkeit werden, kam sie zu ihm zurück? Wer sonst könnte den Bewegungsmelder auslösen um diese Zeit? Auf dieser Seite des Parks kam des Nachts gewöhnlich niemand vorbei, so fern vom Pflegeheim, das auf der anderen Seite lag, so fern der Straße, die in die Stadt führt in der sie jetzt lebt. Nur ganz selten kam es mal vor, dass die kleine Laterne sich einschaltete, und wenn, dann hatte sich der Besuch angemeldet. Nicht so aber an diesem Tag, er erwartete niemanden.

Auf dem Weg durch den Flur schlüpfte er schnell in seine Hausschuhe, die er sonst nur selten trug, schon gar nicht wenn er in den Park hinausging. Da war er ganz genau, Hausschuhe gehören ins Haus, hatte er ihr mal gesagt, nachdem sie in Pantoffeln zur entlegenen Mülltonne geschritten war. Das fiel ihm jetzt ein, wo er seine guten Manieren abzulegen bereit war, um nachzusehen, wer sich dem Hintereingang näherte.

So lief er schnellen Schrittes die kleine Allee hinunter, sich dem fahlen Schein der alten Laterne nähernd. Die hundertjährigen Eichen rauschten über ihm im Nachtwind und ein paar Blätter kamen ihm auf dem dunklen Weg entgegen. Noch bevor er die Lampe erreichte, erlosch ihr Leuchten wieder, denn so zeitig hatte er sie eingestellt. Er kam immer näher, als der Melder ihn wahrnahm und das Licht wieder anging. Vor dem verschlossenen Eisentor wurde sein Schritt langsamer, er schaute sich um. Er drehte sich, sah in der Ferne das Fenster hinter dem er gerade noch gesessen hatte. Hier war niemand und die eben noch gehegte Hoffnung wich langsam der Enttäuschung und fand ihr Ende in dem, ihm inzwischen vertrauten Gefühl der Traurigkeit und Einsamkeit.

Also doch nicht, sagte etwas in ihm, und er stand da, ganz still und allein. Er schaute traurig in das Licht der Laterne, an der sich ein Rosenstock anlehnte und deren letzte Blüten ihrem herbstlichen Ende trotzten. Resigniert ging er den Weg zurück. Es muss wohl ein Nachttier gewesen sein, dass den Bewegungsmelder ausgelöst hatte, dachte er.

Zurück an seinem Schreibpult senkte er seinen Kopf in beide Hände, müde war er, seine Beine schmerzten von der Gartenarbeit, mit der er sich über den Tag abgelenkt hatte. Ein Geschenk müsste ich ihr machen, etwas ganz besonderes müsste es sein. Morgen mache ich ihr ein Geschenk, zum Zeichen meiner Liebe, auf das sie ihr Herz erweicht und zu mir zurückkehrt. Das waren seine Gedanken.

Gerade als er sich erheben wollte, um sich auf sein Nachtlager vorzubereiten, er nahm sein Gesicht aus beiden Händen, in die er sich bis jetzt gestützt hatte, traute er seinen Augen kaum, als er in der Ferne erneut das Licht der Laterne brennen sah. Das gibt es doch nicht, dachte er, da stimmt doch was nicht. Nie zuvor ist so etwas geschehen. Das geht kaum mit rechten Dingen zu, oder sollten es etwa Einbrecher sein, die sich zu schaffen machten?

Wieder lief er die Allee entlang, hinab zu dem leuchtenden Relikt aus alten Zeiten und wieder erlosch es, bevor er es erreichte. Als es dunkel war näherte er sich bedächtiger, um das Licht nicht selber auszulösen. Er beschloss einen Seitenpfad einzuschlagen, um sich dem Eisentor von einer anderen Richtung zu nähern. Von da aus wollte er die unheimliche Szenerie eine Weile beobachten, um gegebenenfalls einschreiten zu können oder Hilfe zu holen. Er schlich sich durch die Sträucher um einen geeigneten Standort zu finden, von dem aus er alles beobachten konnte.

Leise raschelte das trockene Laub unter seinen zaghaften Schritten und als er eine Stelle fand, die ihm geeignet schien, hockte er sich hin und sah zu dem umgebauten Gaslicht hinüber, aber nichts geschah. Die gusseiserne Leuchte stand dort, unbeweglich und stumm. Das Mondlicht fiel blassblau auf die Rosenblüten, die sich um die Ornamente der nostalgischen, alten Lampe rankten, als wären sie ein Paar. Sein Gemüt beruhigte sich und so saß er wohl viele Minuten unter dem Busch, bis er merkte, dass seine Gedanken wieder bei ihr waren. Morgen mache ich ihr ein Geschenk, dachte er, etwas ganz besonderes muss es sein. Wie lange war es her, dass er ihr ein Geschenk gemacht hatte, er konnte sich nicht erinnern.

Zurückgekehrt in seine Wohnung verdunkelte er den Raum in dem er saß, und beschloss, das entfernte Tor noch eine Weile zu beobachten, und tatsächlich wiederholte sich die seltsame Erscheinung in dieser Nacht noch ein weiteres mal. Auch danach konnte er nicht erklären wieso sich das elektrische Licht in der einstigen Gaslampe grundlos einschaltete, und irgendwann legte er sich in sein Bett und suchte den Schlaf. Seine

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Kommentare

franke, sina schrieb am 2009-10-21 21:41:35:
so etwas habe ich noch nie gelesen. es ist wundervoll und traurig und schön und irgendwie schade, dass die geschichte schon vorbei ist.
also wirklich, du hast einen hervorragenden schreibstil, weltklasse. deine fuehrung ins detail, deine aussprache, einfach toll.jedoch an manchen stellen sind mir kleine gramatikfehler aufgefallen, die aber weiter nicht stoerren.
ich konnte nich aufhoeren die geschichte zu lesen, meine finger haben haltlos gepiddelt und ich war ganz nervoes was nun als naechstes passieren wuerde... wirklich ganz ganz ganz klasse geschrieben.

ich werde mehr von dir lesen

lg

sina

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