Der Heilbutt
von
Michael Behofsics
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Sterne explodierten vor meinem inneren Auge, und plötzlich stand ich da, vollkommen ahnungslos und verwirrt in irgendeiner Wüste. Ich sehe mich um und kann nur rissigen Steinboden, ein paar Wüstenhexen und alle paar Meter Kakteen sehen. Soweit das Auge reicht. Einige Minuten stehe ich einfach da und weiß nicht was ich tun soll.
„Das gibt’s doch nicht!“ sage ich laut zu mir selbst.
Aber es stimmte. Ich war in der Wüste, und allein.
Die Sonne brannte mir auf den Kopf und ich konnte den heißen Stein unter meinen Füßen fühlen. Dumpfer Brennofenwind blies mir entgegen, vermischt mit Sand sodass ich kaum atmen konnte. Ich beschloss dass es mir nicht helfen würde herumzustehen und zu warten, also ging ich. In die einzige Richtung die Sinn machte. Geradeaus.
Nach einigen Stunden und blutigen Füßen, fühlte sich mein Hals an als hätte ich Sandpapier gefressen. Plötzlich sah ich etwas, etwas das auf mich zu kam. Ein Fisch!
Er schwamm in der Luft auf mich zu. Links, rechts, links, rechts, bewegte sich seine Flosse.
Geradewegs auf mich zu, also ging ich ein paar Schritte nach links und ging dann weiter geradeaus. Der Fisch machte eine Kurve und kam wieder direkt auf mich zu.
„Also gut,“ Sagte ich wieder laut zu mir selbst, „dann komm her!“
„Also ich sag dir, gar nicht so einfach jemanden zu finden in dieser Einöde!“
sagte der Fisch als er etwa einen Meter von mir entfernt war.
Ich war verdutzt, vollkommen überrascht, dass der Fisch der in der heißen Wüstenluft auf mich zuflog auch sprechen konnte.
Er schwamm ein paar mal um mich herum, um dann zu meiner Linken neben mir herzuschwimmen. Beide Augen waren, übereinander, auf der rechten Seite seines Körpers.
„Was du nicht sagst. Und warum hast du mich denn gesucht.“ Fragte ich.
„Naja, weil du hier bist.“ Entgegnete der Fisch gelassen.
„So ist das also.“ Sagte ich mit gespielter Überraschtheit.
„Tja, so ist das.“ Stimmte der Fisch zu.
Ich seuftze. „Und WO bin ich hier?“
„Na in der Wüste, sieht man doch.“ Antwortete der Fisch und schwamm demonstrativ in weitem Bogen um mich herum.
„Danke, darauf wäre ich nun wirklich als letztes gekommen.“ Sagte ich gereizt.
„Nana, wer wird denn gleich so böse sein.“
Mit meinem T-Shirt wischte ich mir den Schweiß vom Gesicht. „Entschuldige, ich bin nur so durstig. Da bin ich immer etwas gereizt.“
„Na dann trink doch einfach etwas.“
Abrupt blieb ich stehen. „Hör mal, verarschen kann ich mich selbst du überdimensionaler Guppy. Oder siehst du hier irgendwo einen Limonadenstand? Wir sind hier in der Wüste!“
Der Fisch blinzelte versetzt mit seinen beiden Augen und starrte auf einen Punkt hinter mir.
„Na so was, was haben wir denn hier?“ sagte er und schwamm an mir vorbei, geradewegs zu einem Trinkbrunnen.
„Was soll denn das? Der war vor einer Sekunde noch nicht da! Warst du das? Was bist du eigentlich?“ fragte ich während ich auf den Lebensspender zuging.
„Ein Heilbutt, sieht man doch.“ Antwortete er lachend. Da fiel mir erst auf dass er gar nicht sprach. Ich hörte die Stimme nur, aber sie kam nicht direkt aus seinem Fischmaul.
Ich trank gierig das kühle Wasser aus dem Brunnen, bis ich das Gefühl hatte ich hatte genug getrunken um die nächsten Tage schwitzen zu können, ohne durstig zu werden.
„Also schön, dann klär mich auf. Warum bin ich hier, und warum sehe ich einen fliegenden sprechenden Heilbutt?“
Der Fisch schwamm wieder um mich herum. „Gehen wir weiter, wir sind bald da. Und auf dem Weg werde ich es dir erklären.“
„Wo sind wir bald? Himmel! Ich stelle dir eine Frage und alles was du sagst wirft nur weitere fragen auf, ich hasse so was. Wie in einem schlechten Film. Und genau wie in einem schlechten Film werde ich wohl oder übel mit dir weitergehen müssen um alles zu erfahren hab ich recht?“
Der Fisch blinzelte wieder. „Jap“
Ich setzte mich in Bewegung. „Na dann los. Erzähl.“
Wieder schwamm der Butt links neben mir.
„Weißt du, ein Heilbutt ist ein toller Fisch. Es ist zwar ein wenig unpraktisch beide Augen auf einer Seite zu haben, aber das ist nicht von Anfang an so. Erst im laufe der Zeit wandert ein Auge auf die andere Seite.“
Langsam wurde ich ungeduldig. „Was hat das mit mir zu tun?“
„Es ist ein Zeichen der Reife. Weißt du, die Eskimos glauben wenn man stirbt, dann lebt man in der Unendlichkeit weiter, bis man bereit ist wiedergeboren zu werden. Und sie glauben dass in jedem Heilbutt die Seele eines verstorbenen ruht, und wenn er beide Augen auf einer Seite hat, dann ist diese Seele bereit wieder ins Leben zu treten.“
Langsam begann ich zu begreifen. „Er ist also so etwas wie ein Medium. Eine Verbindung zwischen der Unendlichkeit und unserer Welt.“
„Nicht ganz, der Heilbutt ist nur so etwas wie ein Portal oder ein Bote. Die Unendlichkeit oder auch Jenseits sieht für jede Seele anders aus. Für jede Seele vergeht die Zeit anders, jede hat einen eigenen Rhythmus. Sie kann sich nicht aussuchen wann sie wieder ins Leben tritt. Es passiert einfach.“
„Und ich bin gerade in meiner Unendlichkeit?“
„Ganz genau.“ Bestätigte der Fisch
„Und wie lange muss ich hier bleiben?“
„Dreh dich um.“
Ich drehte mich um und sah etwas das aussah wie eine riesige Seifenblase.
„Was ist das?“ fragte ich.
„Dein Portal.“
„Ich werde also in einem Heilbutt ruhen bis ich bereit bin wiedergeboren zu werden?“
„Ja genau.“
„Und was dann? Ich meine, komm ich dann wieder her und ich kann mir aussuchen als was ich wiedergeboren werde?“
„Keine Ahnung, ich bring nur die Seelen hier her, was danach kommt geht mich nichts an.“
Ich wischte mir wieder den Schweiß aus dem Gesicht. „Danke, du bist ja wirklich eine große Hilfe.“
„Also los, du muss da reingehen.“
„Einfach so reinmarschieren? Und dann?“
„Du wirst schon sehen, einfach nur reingehen.“
„Na gut.“ Sagte ich und ging auf die Blase zu.
„Viel Glück!“ rief der Heilbutt mir nach.
Ich hob zum abschied kurz die Hand und Trat in die Blase ein.
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Kommentare
Levi schrieb am 2006-11-14 12:47:14:
Schöne Idee, könnte aber wesentlich spannender werden, wenn der Mittelteil mehr ausgeschmückt würde. Dann ist der Schluss auch zufriedenstellender. Hinten dranhängen würde ich nichts mehr.
D.P. schrieb am 2006-10-24 21:20:29:
Die Kurzgeschichte ist interessant doch etwas lang.
Es hat mir gefallen sie zu lesen, doch den Schluss hätte ich mir anders vorgestellt.
Coils schrieb am 2006-10-24 11:10:48:
Witzig, fands nur leider zu kurz - sinnigerweise wird das an meinen Geschichten auch kritisiert ;-)
Anfang hätte ich vielleicht ein bißchen länger gemacht, aber ansonsten war´s wieder, wie gehabt, schön zu lesen!
Ebony schrieb am 2006-10-23 20:39:42:
So ist jeder in seiner Phantasie gefangen, jeder empfindet seine Phantasie individuell, was des einen Freud, ist des anderen Leid. Auch die Leidfähigkeit mag dehnbar sein, ist Sie aus gummiartigem Material, kann es mit der Zeit schon mal rissig werden. Aber der eine oder andere Balsam, wird eine gewisse Geschmeidigkeit wieder herstellen
können.hugs for you
Lexa schrieb am 2006-10-23 18:52:20:
Dankeschön, jetzt weiss ich endlich wofür Fische gut sind,zaubern das Lächeln zurück, wenn man traurig ist. LG Lexa
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