Geschichte einsenden Links & Rings AGBs Impressum
Kategorieauswahl
Wir freuen uns über jeden Autor, der hier auf Storyparadies.de seine Geschichten veröffentlichen möchte.Da jeder Autor Feedback braucht, sind Kommentare, solange es sich um konstruktive Kritik handelt, möglich und auch ausdrücklich erwünscht. Bitte verwenden Sie zur Einsendung der Geschichten und Kommentare unser Formular und beachten Sie dabei unsere Regeln.
Suche


Kategorien > Urlaubserlebnis > Unsinn

Der Leuchtturm

von Matthias Augustin

1

Die Sonne schien so heiß vom Himmel, dass die Luft über dem Sand flimmerte.
Er kroch weiter vorwärts. Zwischen seinen Zehen und Fingern klebten gelbe Steinchen, die seine gerötete Haut aufrieben. Die Haut an Händen und Füßen hatte vom heißen Sand schon schmerzende Blasen geworfen, die bald aufplatzen würden.
Er schaute hoch in den hellblauen Himmel, in dem die Sonne senkrecht über ihm stand und nicht eine Wolke zu sehen war. Noch ungefähr sieben Stunden, dann würde der Sonnenuntergang seiner Qual ein Ende bereiten. Bis dahin war er Gefangener der Natur. Er öffnete die trockenen, verklebten Lippen, vorsichtig, um nicht noch mehr Haut abzulösen. Seine Zunge klebte am Gaumen und die Hand- und Fußballen brannten wie Feuer.
Wenn er nicht bald eine Pause machte, würde er ohnmächtig werden.
Er zog noch einmal das linke Knie nach, dann ließ er sich erschöpft in den siedend heißen Sand fallen. Sofort spürte er die Hitze am ganzen Körper. Er hatte vor ein paar Stunden all seine Kleidung abgelegt und zurückgelassen, vielleicht war das nicht so klug gewesen. Er konnte schon den Sonnenbrand überall auf seinem Körper spüren. Zum Glück hatte er seine Shorts anbehalten. Aber er würde jetzt nicht den ganzen Weg wieder zurückkriechen, nur um seine Kleidung zu suchen, die er wahrscheinlich sowieso nicht wieder finden würde.
Er musste jetzt weiter. Hier liegen zu bleiben war auch keine Lösung.
Nur noch ein bisschen. Ein bisschen ausruhen.
Er merkte, dass er eindöste. Das durfte er nicht, sonst würde er hier sterben.
Er stand auf. Erschöpft blickte er zum Horizont, wo sich das blendende Gelb des Sandes mit dem Blau des Himmels traf. Diese Linie durchschnitt ein breiter, hoch aufragender dunkler Balken. Was war das? Er kniff die Augen zusammen. Nach einigen Sekunden angestrengten Schauens erkannte er einen Leuchtturm, der in der heißen Luft flimmerte.
Eine Fata Morgana. Von so etwas hatte er schon gehört. Es musste eine Fata Morgana sein. In diesem Meer von Sand konnte es niemandem einfallen, einen Leuchtturm hinzustellen. Es sah aber gar nicht aus wie eine Fata Morgana, aber das hatten sie wohl so an sich.
Irgendwie musste er dorthin gelangen, um sich zu vergewissern. Er ließ sich auf die Knie nieder und kroch weiter, diesmal ein wenig schneller. Der Sand zwischen seinen Fingern und Zehen schürfte weiter die Haut auf.
Nicht mehr weit. Nur noch ein bisschen, dann hast du es geschafft.
Er schaute auf. Der Leuchtturm war noch da, flimmerte aber nicht mehr.
Er ist echt. Er muss echt sein.
Er murmelte vor sich hin, während er immer schneller durch den Sand krabbelte. Seine Hände und Füße bluteten jetzt und hinterließen kleine rote Spuren im gelben Sand. Tausende Stimmen in seinem Kopf riefen ihm zu: „Du schaffst es!“ „Nicht aufgeben!“
Dann war er da. Der Schatten der Leuchtturmspitze war ungefähr einen halben Meter von seinen Händen entfernt, zeigte genau auf ihn, als wolle er ihm den Weg zurück weisen. Er wagte nicht aufzuschauen, wollte nicht wissen, ob der Leuchtturm real war. Er konnte nicht real sein. Nicht hier.
Er schaute auf. Der Leuchtturm erhob sich zehn Meter entfernt in den Himmel, wie eine riesige Festung, von uralten Völkern erbaut. Vielleicht von den Ägyptern. Die hatten ja alle möglichen Gebäude mitten in die Wüste gestellt. Kichernd stand er auf und ging näher.
Als er dort war, legte er seine blutige, sandige Hand auf die Außenwand aus Beton. Der Turm war kühl, herrlich kühl.
Er fiel vor dem Turm auf die Knie und versuchte, ihn zu umfassen. Seine Arme waren so kurz. Er legte sein Gesicht gegen den Leuchtturm und schloss die Augen. Er hatte es geschafft. Nichts würde ihn hier wegbringen.
Er stand auf und klopfte sich den Sand von Armen und Beinen.
Durch die Menschentraube, die sich um ihn gebildet hatte, kämpfte er sich zurück zum Liegeplatz, wo seine Frau und seine beiden Kinder auf ihn warteten.
Er warf noch einen letzten Blick aufs Meer, dann gingen sie zurück zum Auto und fuhren nach Hause.

1

Kommentare

Keine Kommentare vorhanden.

Kommentar hinzufügen



Aufgrund des extremen Mißbrauchs der Kommentarfunktion sind wir leider gezwungen, die Kommentare ab sofort redaktionell zu überprüfen. Wir bitten um Ihr Verständnis.