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Kategorien > Familie > Gewalt

Der Löwe und sein Schuhlöffel

von Aurora

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Mara wollte nicht nach Hause. Viel lieber hätte sie sich nach der Schule mit ihren Freunden zum Eis essen getroffen. Denn heute war ein wunderschöner Sommertag. Zusammen leuchteten Sonne und Himmel in einem strahlendem Blau und einem funkelndem Gelb. Der Holunder roch würzig und die mächtigen Eichen verzierten die Straßen.
Für Mara war es wie ein Traum. Für einen Moment berührte ein fremde Harmonie ihr trauriges Herz. Und als sie die knarrende, verkratzte Tür langsam öffnete, war es, als würde sie in einen dunklen Schlund aus Verzweiflung hineinblicken. Zögernd betrat Mara diesen Alptraum, den sie jeden Tag durchleben musste. Und wieder erstarrte ihr Herz für den Rest des Tages.
Das gesamte Licht im Haus war ausgeschaltet. Im Wohnzimmer erkannte sie die Silhouette ihrer rauchenden Mutter. Ihr Vater saß eingebettet in seinem Sofa. Nur der Fernseher flimmerte in die Dunkelheit hinein. Durch das mäßige Aufleuchten konnte Mara erkennen, dass ihre Mutter geweint hatte. "Wie ist der Mathe-Test gelaufen?". Die Stimme klang rau und verzweifelt. Mara erinnerte sich an das Ergebnis. Es war keine schöne Note, die den Rand ihres Blattes verzierte. Aber Mara wollte das in diesem Moment nicht zugeben. Zu stark war ihre Angst, der wütende Löwe könnte aus seinem Delirium erwachen. Und dieser schnarchte nun so laut, dass es bestimmt die Nachbarn hätten hören können.
"Haben wir noch nicht zurückbekommen." Ihre Mutter sagte nichts und schaute ausdruckslos in den aufflackernden Bildschirm. "Ich geh dann mal in mein Zimmer". Und dann verschwand Mara für Stunden. In ihrem eigenen Reich fühlte sich Mara ein wenig besser. Und doch hatte sie ein wenig Angst. Sie machte sich Sorgen um ihre Mutter. Sie wollte nicht, dass sie noch einmal von diesem Löwen angegriffen wird. Wenn dieser trank, wurde er noch aggressiver. Dann konnte ihn kein Dompteur der Welt retten. Und ihre Mutter lag dann manchmal blutüberströmt auf dem Boden und schluchzte so laut, dass man es durch das ganze Haus hören konnte. Einmal kam sogar die Polizei und diese versuchte den Löwen einzuschüchtern. Einer von den Nachbarn, die nette Frau Elsinger, hatte ihn damals angezeigt.
Aber die Wirkung dieser Anzeige hatte ihr Ziel verfehlt, denn so ein Dilemma passierte jeden Tag. Jeden verdammten Tag, an dem Mara entsetzt an ihrem Schreibtisch saß und sich vor ihren Hausaufgaben beugte. Und jedes Mal versuchte sie, die Schreie ihrer Mutter, das hilflose Schluchzen und das aggressive Brüllen des Löwen zu ignorieren . Und jedes Mal ging es Mara noch schlechter. Weil sie teilnahmslos in ihrem Zimmer saß und wartete, bis der Kampf vorbei war, statt ihrer Mutter zu helfen. Oder weil sie Angst verspürte und sich zu feige fand.
Dieses Mal hörte sie erneut Schreie. Sie zuckte zusammen. Es kam ihr, als hätte sie ihren Namen gehört. Dann ein Poltern, wieder ein kläglicher Schrei. Mara rutschte tiefer in den Stuhl. Ist der Löwe nun erwacht? Sie hörte schnelle Schritte, schwere Schritte und das Klimpern eines...Schuhlöffels. Irgendwie wusste Mara, dass ihr Vater seine Frau nun mit einen Schuhlöffel bedrohte. Das geschah immer dann, wenn der Löwe nach seinem Bier verlangte und die Mutter ihn mit der schlechten Nachricht begegnete, dass keine Flasche mehr im Kühlschrank war. Mara hatte einmal gesehen, wie ihre Mutter mit einen Schuhlöffel niedergeschlagen wurde. Das war an dem Tag, an dem Frau Elsinger ihren Vater anzeigte. Zum Glück hatte ihre Mutter nur eine Gehirnerschütterung erlitten.
Als es erneut polterte, wusste Mara, dass ihre Mutter bereits auf den Boden liegen musste. Sie legte ihren Kopf in die Hände. Ihr Puls schlug schneller den je. So eine Situation war ihr vertraut, doch in diesem Augenblick war ihre Angst so groß, dass sie nach ihrer Mutter schauen musste. Schnell schlug sie die Tür auf und rannte die Treppen nach unten. Auf dem Flur sah sie schließlich ihre bewusstlose Mutter. Schon wieder war ihr Gesicht mit Blut verschmiert. Ängstlich und hoffnungslos zugleich schaute sich Mara nach ihren Vater um. Dieser taumelte betrunken zur Küche.

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Kommentare

Safiramaggie schrieb am 2011-09-01 21:58:08:
Wow die geschichte macht einen echt fertig, sehr emotional.
jedenfalls sehr schön geschrieben, mir gefällt dein schreibstil ich find auch den kontrast zwischen draußen (sonnenschein holunderduft) und drinnen bei mara zu haus ist sehr schön herausgearbeitet. auch der vergleich mit dem löwen ist gut.. dadurch macht der titel auch sehr neugierig weil man sich erst mal nicht viel drunter vorstellen kann
ich hoffe die geschichte ist fiktiv und hat nichts mit deiner familie oder einer bekannten familie zu tun
CaThy schrieb am 2011-08-26 22:42:36:
Ich find die Geschichte super traurig aber gut geschrieben.
weiter so^.^

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