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Kategorien > Mysterie > Begegnungen

Der Mann der eine Frau war

von Rudi Benter

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Meine erste Geschichte hier. Ein bisschen konfus teilweise.

Er trat gerade auf einen Getränkeautomaten ein, als ich ihm zum ersten Mal begegnete.Trotz der Tatsache, dass mechanisch-technische Getränkeausgabenwohl schon jeden mindestens einmal in seinem Leben zur Weißglut getrieben haben war und bin ich nach wie vor gegen aggressive, cholerische attacken gegen eben jene. So rief ich ihm also in unfreundlichem Tone herüber, er solle dies doch unterlassen, woraufhin er mich anschaute, mir seinen Mittelfinger zur Schau stellte und ungeachtet meiner Aufforderung seiner Arbeit nachging. Da ich mich langsam auch durch den entstehenden Lärm belästigt fühlte, trat ich nah an ihn heran um ihn mit allerlei gemeinsten Worten zu beschimpfen. Unsere zwischenmenschliche Beziehung hätte dadurch eigentlich in Mitleidenschaft gezogen sein müssen, und ja, ich hatte mich mental definitiv auf einen Streit vorbereitet. Mein aufbrausender Charakter, mein starkes Ego und die von jeher durch strenge elterliche Erziehung unterdrückten bösartigen Gedanken zwangen mich regelrecht zu einer spontanen verbalen Konfrontation. Dazu kam es aber nicht. Keine Ansätze von Aggression, nicht der Funken von Kampfeslust und auch kein destruktiver Trieb wurden mir entgegengebracht. Er lachte einfach. Nicht böse, nicht hämisch, nicht provokant, er lachte mit Wohlwollen, während er mir gleichzeitig beruhigend mit der Hand auf die Schultern klopfte. Weil ich mit allem, ja wirklich allem außer mit dieser Reaktion gerechnet hatte stand ich -eine Übersprungsreaktion- völlig paralysiert mit nach unten hängendem Munde da. Dieser Schuft, er hatte mich tatsächlich von meinem Vorhaben abgebracht, ihn zu peinigen, vielmehr noch drehte er den Spieß um und als ob das nicht schon genug gewesen wäre lud er mich auch noch zu einem Kaffee ein. Als wir im Lokal saßen und so freundlich miteinander über allerlei Dinge plauderten, war mir, als verändere sich sein Gesicht, nicht in der Mimik, sondern in seiner Struktur, von dem ehemals hageren, bärtigen Gesicht, mit seinen braunen Augen, seiner Hakennase und seinem Halbglatzenkurzhaarschnitt in eine durchaus attraktive, blonde junge Dame. Ihre großen, blau strahlenden Augen verrieten mir, dass sie von dieser Veränderung gar nichts mitbekommen hatte. Es war unglaublich. Das Bild, das sich mir darbot ging völlig gegen meine rationale Lebenseinstellung. Jener kurze Moment veränderte meine Weltanschauung grundlegend. Obwohl sie meine Nervosität bemerkt hatte, fiel ihr sonst nichts auf. Die guten schauspielerischen Fähigkeiten, die seit der Kindheit nach und nach verbessert wurden erlaubten mir, das Gespräch in vollem Gange weiterzuführen. Allerdings wechselte ich das Thema, da ich es für unangemessen hielt, mit einem Mädchen über Autos zu reden. Die Frage, wo sie wohnte kam auf. Keine Antwort. Wie alt sie sei. Dreiundzwanzig, fast vierundzwanzig, übrigens wäre ich zu ihrem Geburtstag herzlich eingeladen und sollte einfach bei ihr vorbeikommen. Wo, Zuhause? Keine Antwort. Wir unterhielten uns auch über ihre Hobbys. Reiten. Keine Übereinstimmung, trotzdem nichts merken lassen. Klettern. Besser. Fahren auf eigener Luxusjacht. Ja, doch, darüber ließ sich reden, man hätte nur wissen müssen, wo sie wohnt. Ich beließ es aber dabei, sie kein drittes Mal zu fragen. Eine halbe Stunde später musste ich in einer Vorlesung sein. In der Hoffnung, sie gebe doch noch ihre Adresse erklärte ich ihr, dass die Vorlesung zweitrangig wäre und ich, falls sie mochte auch darauf verzichten könnte. Die Hoffnung war vergebens, nicht ganz, denn ich bekam ihre Nummer. Wir verabschiedeten uns uns jeder ging seines Weges. Auf der Stecke zwischen dem Café und der Uni stellte ich mir drei essenzielle Fragen.
Erstens: Würde ich es schaffen, mit ihr zu schlafen? Zweitens: Hatte sie sich vollständig verwandelt?
Drittens: Wenn ja, konnte sie sich zurückverwandeln oder war die Metamorphose irreversibel? Wobei ich sagen muss, dass die erste Frage in einem engen Verhältnis zu den beiden anderen steht. Es verfolgte mich nämlich die Vorstellung, abends mit ihr einzuschlafen, und morgens mit ihm aufzuwachen. Trotz der vielen unbeantworteten Fragen ging mir der Gedanke an sie nicht aus dem Kopf. Sie hatte mich beeindruckt, sehr tief beeindruckt. Nach einer schlaflosen Nacht rief ich sie an.
Als nach iner Weile endlich abgenommen wurde meldete sich zu Ungunsten meiner Laune eine Männerstimme. Entweder musste ich also ein schweres geistiges Problem einschließlich Wahnvorstellungen haben, war ich Opfer eins schlechten Streichs geworden oder es war etwas im Gange, das meinen Wissenshorizont bei weitem überschritt. Sollte ich mich aber tatsächlich mit einem Mann verabreden um mit einer Frau auszugehen? Ich konnte es einfach nicht und legte den Hörer auf ohne etwas zu sagen. Doch dann quälte mich den Rest des Tages ein mulmiges Gefühl. Hatte ich mich verliebt oder wurde ich wahnsinnig? Spät am Abend war es schon als ich beschloss, sie doch noch anzurufen. Diesmal hatte ich Glück und sie ging ans Telefon. Ich freute mich sehr, sie wieder zu hören, bei dem sanften Klang ihrer Stimme an ihre zarte Gesichtsform zu denken. Das Gefühl, das mich den ganzen Tag so gequält hatte war fast verflogen, als sie mich fragte, ob ich das gewesen war, den sie vorher am Telefon hatte, der aber gleich wieder aufgelegt hatte. Ich schwieg, wollte mir mehr Wissen ersparen, wollte garnicht mehr hören. Nach einem kurzen Schweigen kam sie auf ihre Geburtstagsfeier zu sprechen. Ich sagte sicher zu, hinzugehen. Sie erklärte darauf, dass sie mich vom Bahnhof abholen würde, ich sollte lediglich anrufen. Nach zwei Nächten, in denen ich sehr unruhig schlief war es dann endlich so weit. Ich fuhr bereits früh in die Stadt, um genügend Zeit für die Auswahl eines geeigneten Geschenkes. Meiner Meinung nach fand ich etwas perfektes, das ich aber aus Diskretioonsgründen nicht erwähnen will, wichtig ist nur, dass es ein gutes Geschenk war das dem Verhältnis von mir zu ihr gerecht wurde.
Als ich den Erotikladen verlies führte mein Weg vorbei an einigen Ständen, an denen schreiende Menschen für ihre Produkte warben. Es waren Worte zu hören wie "Extraflexibilitätssilberputzfeinfasertuch" oder "Antiabnutzungskunstofffliesenklarlack", Dinge, die mit Sicherheit den Nutzen von ähnlichen, im Fachmarkt erhältlichen Artikeln bei weitem überschritten, soweit man solcherlei Innovationen dort überhaupt finden konnte, jedweden preislichen Rahmen jedoch bei weitem sprengten.Ungeachtet dieses Fakts tummelten sich scharenweise potentielle Kunden um die Waren, die es nurmehr galt vollständig zu überzeugen. Wenn diese Marktschreier in privaten Dingen ein ebenso gutes Talent zur Überredung hatten wie auf der Straße, so mussten sie ein durchaus zufriedenstellendes Sexualleben haben. Die Frauen ihrerseits mussten sich jedoch auf die Präsentation neuer, unglaublich funktioneller Spielzeuge für den Schlafzimmerbereich vorbereiten, eine wichtige Übung zur Beibehaltung vorhandener

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