Der Mann in meiner Küche
von
Cinquelini
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Da ist ein Mann in deiner Küche
„Jedes blinde Huhn findet mal ein Korn. Jeder Topf findet seinen Deckel. Wenn du es am wenigsten erwartest, wird er vor dir stehen“, all diese Glückskeksweisheiten machten auf einmal einen Sinn als ich ihn kennenlernte. Ihn, nennen wir ihn Robinson Crusoe, der Hoffnungsträger der Liebe, bewaffnet mit Erdbeeren und Sahne.
Hört sich melodramatisch an, ist es auch. Aber um es zu verstehen erstmal ein paar Grundinformationen vorab:
Als ich letztes Jahr anfing im örtlichen Fitnessstudio gegen die Tonnen die meine Hüften immer mehr Richtung Boden zogen zu kämpfen, hatte ich im Grunde genommen drei Ziele: abnehmen, mich endlich wieder selbst mögen UND bloss nich auffallen... Heute, fast ein Jahr später, habe ich nach hartem Training fast alles erreicht. Ich habe ein Drittel meines Körpergewichts verloren, bei Gott ich fühle mich tausend mal besser und beim Thema nicht auffallen wollen muss ich leider Abzüge in der B-Note machen. Ich bin jeder einzelnen Person im Fitnessstudio aufgefallen,was villeicht auch an meinem grossen, schwarzen LKW grossen Personal Trainer liegen mag. In fast vier Jahren die ich jetzt in Spanien lebe, habe ich nie so viele Männer kennengelernt wie seitdem ich ungeschminkt, schwitzend in Sportklamotten im Fitnessstudio um Luft ringe. Wir reden hier von Quantität, nicht von Qualität meine Herrschaften! Fast jede Woche wurde ich angesprochen von Männern die ich jetzt in drei Kategorien blind aufteilen kann:
1. Der Schönling= Ich trainiere wenig aber hart, dafür rede ich viel und laut wobei ich inhaltlich im Grunde genommen nichts zu sagen habe. Dieser Typ Mann spricht dich nicht an. Er ignoriert dich und zwar auf eine solch auffällige Art und Weise dass ich ihm am liebsten manchmal lächelnd und applaudierend einen Euro für seine Darbietung vor die Füsse werfen möchte. Dieser Typ Mann hält es allerdings nicht lange aus und so spricht er (Achtung!) erst deinen Trainer an um dann mit dir ins Gespräch zu kommen.
2. Die unattraktive, muskelbepackte Testosteron Spritze = Wenn er vorbei geht, riecht es förmlich nach Männlichkeit. Ein Mix aus Schweiss und Knoblauch der alle anderen Männchen wissen lässt: „Das ist mein Territorium“. Dieser Typ Mann gibt wenig um sein Äusseres. Wachsen ihm Haare aus der Nase und aus Ohren? Das ist damit er beide Körperteile warm hält. Schwitzt er wie ein Schwein? Guckt er grimmig und redet mit kaum jemandem? MACHO MACHO MAN! Dieser Typ Mann beobachtet dich und zögert nicht lange um dich anzusprechen. Er sagt dir klipp und klar was er will, was dir wiederum so plump rüberkommt dass du bevorzugst ihm genauso gegenüber zu treten wie er dir. Plump und direkt. Das gefällt ihm nicht (Jagdinstinkt) womit er sich dann auch zurück zieht und den anderen Männchen zu verstehen gibt dass du „komisch“ bist.
3. Der schüchterne, unauffällige, hübsche dem du erst auf den 2. Blick ansiehst dass er regelmässig trainiert und der vorgibt sich nicht für dich zu interessieren und stuhr seinem Training nachgeht ohne gross Zeit zu verlieren. Dieser Typ Mann steht mit beiden Beinen im Leben, er arbeitet, nicht zu viel und nicht zu wenig. Er hat klare Ideen und geht ins Fitnessstudio um zu trainieren und nicht um Frauen kennenzulernen. Er ist so geschickt und schüchtern dass es dir so gut wie kaum auffällt dass er eigentlich immer zufällig eine Maschine neben dir trainiert...
Und genau hier kommen wir zu Robinson Crusoe. Wie ich im Nachhinein erfurhr, bin ich Robinson schon vor Längerem aufgefallen, nur dass er sich nie getraut hat mich anzusprechen aus Angst vor meinem vorher erwähnten LKW ähnlichem Trainer der mit seiner Präsenz selbst einem Elefanten imponieren würde. Robinson ist schüchtern, ein Beobachter, mit viel Geduld und Zeit. Jemand der den Sachen Zeit gibt damit sie in Ruhe reifen. Anscheinend liegen diese Charakteristica nicht in der Familie und zum Glück hat Robinson einen kleinen Bruder, der so extrovertiert, impulsiv und direkt ist dass es selbst mir manchmal imponiert. Mit dieser „Waffe“ in der Hand konnte Robinson nichts mehr im Weg stehen. Er liess mich ansprechen und liess die Fronten klären durch seinen Bruder um dann, schüchtern und doch sicher das Territorium zu erkunden. Ich bin normalerweise kein Blind date Typ und schon gar nicht wenn der Mann nicht mutig genug ist mich anzusprechen und trotzdem weckte die Idee in mir Interesse und so sprach ich mit Robinsons kleinem Bruder über das vermeintliche Date mit jemanden den ich gar nicht kenne. Weder optisch noch charakterlich. So liess ich mir also ein Bild zuschicken und nachdem ich dieses sah, war ich definitiv interessiert und es war zugleich die Geburtsstunde des Spitznamens „Robinson“. Man sieht ihn, mit kinnlangen, nassen und braunen Locken, braungebrannt mit einem drei Tage Bart der Klasse Abenteurer, mit seinen knall grünen Augen frech in eine Kamera schmunzeln. Hintergrund: Ein Wasserfall....Ok, wo muss ich unterschreiben??
So gab ich also „der Waffe“ meine Telefonnummer damit diese an Robinson weitergeleitet werden konnte. Ich musste nicht lange auf den Anruf warten. Schon am gleichen Abend rief er mich an und wir sprachen über zwei Stunden über alles was man so besprechen kann mit einem Wildfremden. Er war sehr nervös, was mir gut gefallen hat, er war sehr interessiert und mir gefielen direkt drei Sachen: 1. Er lebte alleine um unabhängig zu sein (endlich mehr kein: „ich bin 45 und lebe bei Mutti“ Typ...), 2. Er reist gerne ( ganz fein, endlich jemand der mal was weiter gefahren ist als Málaga...) und 3. er liest gerne (ja ja ja!!!!).
Er fragte mich ob ich mich mit ihm treffen möchte, denn er würde mich gerne zum Essen einladen; in ein italienisches Restaurant seiner Wahl (uhhhhh kritische Angelegenheit, als halbe Italienerin erscheint mir jegliches italienisches Restaurant als Beleidigung an die Küche meiner italienischen Oma). Ich sagte letztendlich zu, denn nach all den Riesen Fehltritten die ich gemacht habe in meiner Zeit hier in Spanien, schien Robinson anders zu sein als die anderen und mit nur einem Anruf hatte er mein Interesse geweckt.
Er holte mich also an einem Freitag abend bei mir zu Hause ab mit seinem Lieferwagen. Ja, Robinson fährt einen Lieferwagen. Grund: „Damit mein Kanu Platz hat“. Noch Fragen warum wir den Guten Robinson nennen? Er brachte mich in ein wunderschönes, italienisches Restaurant welches selbst meiner Nonna die Röte ins Gesicht treiben würde, denn ich hab selten so gut gegessen. Der Abend war zauberhaft. Er war die Basis für eine einmonatige Achterbahnfahrt, denn ab dem Zeitpunkt haben Robinson und ich uns so gut wie jeden Tag gesehen. Wir haben über Bücher geredet, über Kulturen und Sitten andere Länder, über unsere Familien, wir sind zusammen ins Theater gegangen, ins Kino; es war alles so wie ich es mir gewünscht und vorgestellt habe. Wir sprachen über unsere vergangenen Beziehungen und da erfuhr ich zum ersten Mal warum Robinson so sensibel und schüchtern war: Der Klassiker: Man hatte ihm
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Kommentare
dasgrauenwirdueberdichkommen@web.de schrieb am 2010-09-03 16:26:15:
extrem gut geschrieben. ich bin hingerissen.. und wenn es wahr ist, dann ist der typ ein idiot, denn er verpasst wohl eine ganze menge. vielen dank für diese geschichte.
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