Der Mond
von
Leyna
1
2
3
4
5
Der Mond
Ist es nicht ein Wunder, dass der Mond jeden Tag doch so hell und rein auf uns hinunterscheint?
Ich weiß zwar, dass er nicht von allein dieses Leuchten hat, trotzdem kommt es mir immer wieder so vor, als ob er von ganz alleine dieses beruhigende Licht ausstrahlt. Ich könnte jede Nacht hier sitzen und ihn mir anschauen, ja, wenn ich nur könnte. Aber leider kann ich das nicht. Mein Schicksal verweigert es mir. Obwohl, vielleicht ist es ja auch gut so, denn jedes Mal wenn ich nun hier bin und mich ganz in meinen Gedanken verlier, während ich den nächtlichen Sternenhimmel betrachte, wird es zu einem fantastischen Erlebnis, nicht zur Gewohnheit, nein. Es hat etwas Besonderes an sich haften.
Montag, erster Tag der Woche
Ich habe jetzt schon keine Lust, den ganzen Tag in der stickigen Klasse zu sitzen, mir von meinen Mitschülern dumme Kommentare anhören und vor Langeweile vor meinem geistigen Auge auszumalen, was ich alles machen könnte, wenn endlich Schulschluss wäre und dabei aber so zuzuhören, dass ich alles mitbekomme. Mittlerweise kann ich das schon gut, ich mein, ich mach das schon ne ganze Weile. Was soll ich auch anderes tun, ich langweile mich. Die anderen respektieren mich sowieso nur in der Klasse, weil sie permanent bei mir abschreiben dürfen, mir doch egal, es sind deren Noten, nicht meine, sollen sie doch. Ich hab auch jetzt keine Lust hier weiter zu schreiben, ich mein, es bringt nix.
Nur noch 4 Tage, dann sind Ferien, nur noch 4 Tage, dann kommt die Freiheit, nur noch 4 Tage, dann keine Klassenkameraden, die abschreiben, keine nervenden Fünftklässler, keine Fußbälle mehr am Kopf, nein. Ich wechsel die Schule.
Sind Tränen nicht eigentlich wunderbare Gebilde. Sie sehen traurig, anmutig, glänzend, das alles und noch mehr gleichzeitig aus. Wie ist es möglich, das ein solch kleines Objekt mich doch so in seinen Bann ziehen kann, dass ich auf nichts anderes mehr achten kann, nichts anderes mehr sehen kann, nicht anders mehr wahrnehmen? Ich betrachte zwar häufiger mal mein Angesicht im Spiegel, aber ich habe es noch nie aus solcher Nähe und mit Tränen in den Augen gesehen. Es hat etwas Geheimnisvolles an sich. Vor allem, weil ich nicht weiß, warum ich weine. Ich glaube, ich weine nicht, weil meine Eltern gestorben sind, nein auch nicht wegen meinen Schwestern, die zusammen mit ihnen im Feuer umgekommen sind, nein. Für sie habe ich schon wochenlang alle meine Tränen verweint, bis ich endlich erkannt habe, das ich nichts daran ändern kann. Nun weine ich, weil ich meine ganze Trauer einfach aus mir herauslassen möchte, nein.
Ich bin mir endlich mal bewusst geworden, was ich bin. Und das macht mich so glücklich, dass ich spontan weinen musste.
Ich bin ein extrovertiertes Biest, dass niemals den Mund halten kann, wenn es ihr nicht passt. Ein vorausdenkendes Vielleicht-Genie, das genau weiß, was vielleicht nicht angebracht ist, und was überhaupt nicht. Ein unberechenbares Mädchen mit einem starken Willen, großer Spontaneität, die sie aber manchmal auch in gefährliche Situationen treibt. Eine Träumerin, die jedoch dann auch alles berechnen kann, wie jemand reagieren wird, was vielleicht passiert. Ein mondsüchtiger, verrückter Bücherwurm, der an keinem Bücherladen vorbeigehen kann, ohne nicht wenigstens einen kleinen Blick hineinzuwerfen. Alles im allem, ein Mädchen mitten in der Pubertät, das mit Stimmungsschwankungen, Menstruationsbeschwerden, nervenden herummotzenden Mitschülerinnen und anderen neunmalklugen Pubertierenden leben muss, das alles und nicht eins weniger, denn ich mag mich so, wie ich bin. Und wer mich nicht mag, soll mich ruhig hassen…
Das machen im Moment aber schon genug, also lasst mich einfach in Ruhe oder versucht, mit meiner Art umzugehen zu lernen. Ich weiß, ich bin schwer zu verstehen, aber nicht völlig verrückt. Es gibt nämlich auch Leute, die mich verstehen. Dazu gehören ganz klar, meine Brüder und halt ein paar Freunde. Es sind zwar nicht viele, aber das möchte ich auch nicht, denn mit jeder Person, die neu in mein Leben tritt, gibt es eine Person, die ich, ob nun absichtlich oder eben nicht, verletzen kann, ich welcher Weise auch immer. Ich glaube, ich hab manchen Leuten schon genug Sorgen gemacht, also warum sollte ich jetzt nicht denen, die mich schon ertragen, das Leben so leicht machen, wie es nur möglich ist. Aber genug davon, ich kann hier nicht die ganze zeit klagen, nein.
Ich glaub ich sollte jetzt langsam mal schlafen gehen, der Zeiger bewegt sich langsam, aber unerbittlich auf die 3 zu. Mal wieder habe ich es geschafft, viel zu lange wach zu bleiben. Na super und morgen in der Schule muss ich dann trotzdem wieder voll dabei sein.
Aber ich denke immer dran: Nur noch vier bzw. drei Tage, dann kann ich von vorne anfangen. Niemals mehr mit den geheuchelten oder eben auch echten Mitleid leben, weil ich nun mal Waise bin.
Dienstag, zweiter Tag der Woche
Vor der Schule
Heute brauche ich ein Ziel! Sonst wird ich nicht nur in den Augen meiner Mitschüler, sondern auch in meinen eigenen Augen verrückt. Also, was wird mein Ziel? Oder mal was ganz Neues? Wer wird mein Ziel? Ja, wer, nicht das “was” wie immer, nein das “wer” ist heute das Ziel. Eine Person. Irgendeine oder eine, die ich kenne? Männlich? Weiblich? Ein Junge, mal was Neues, ich wollt was Neues. Also, welcher Junge? Mein Jahrgang, einer drüber, einer drunter? Ich glaub mein eigener ist gut. Mal sehen, woher bekomm ich einen Namen, am besten ein Gesicht? Homepage der Schule. Mal sehen, mal schauen, mal inspizieren. Irgendwer mit Auszeichnungen? Nein danke. Jemand anders, jemand ganz “normales”.
Eine Saite
Einmal in Leben eine Saite sein
Und im Sturm gespannt darauf warten
Dass eine Hand erscheint
Die dich berührt
Die dich so tief erfasst und rührt
Bis du vor lauter Liebe
Still und heimlich selbst zerreißt
Auswahl an Gedichten im Deutschunterricht der 10 b ( Phelan)
Okay, bin wieder mal vom Thema abgekommen (Es war das Gedicht, was mich gefesselt hat und dann hab ich nur noch nach Gedichten und nicht mehr nach Jungs gesucht), aber rausgefunden hab ich trotzdem, dass es keine Jungs auf der Homepage ohne besondere Auszeichnungen gibt (Glaube ich zumindest). Muss ich wohl doch einen von ihnen nehmen. Keine Lust, anderswo zu suchen.
Aber der sieht nett aus und das Gedicht ist auch noch faszinierend. Nur, was stell ich nun an? Ich hab noch fünfzehn Minuten Zeit, die ich theoretisch mit dieser schwachsinnigen, aber Zeit vertreibenden Aufgabe verschwenden kann. Ich glaub ich werd mich aber lieber um meine Haare kümmern. Die sehen heute mal wieder aus, als wenn ich in eine Steckdose gefasst hätte. Stehen alle vom Kopf ab und lassen sich kaum bändigen. Aber es gibt ja immer noch Mittel zu denen man greifen kann, wenn nichts mehr geht: Haarspray und diverse andere Artikel, die meine widerspenstigen Haare in die von mir gewünschte Form bringen.
Nach der Schule
So, Schule zu Ende, das Leben beginnt richtig. Ich werde aufgrund
1
2
3
4
5
Kommentare
Keine Kommentare vorhanden.
Kommentar hinzufügen