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Kategorien > Fabeln & Märchen > Moral

Der Mooswald

von zorbas

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Der Mooswald

Es war einmal ein Zwerg. Sein Name war Hinrich und er erlebte in einem dunklen Wald, dessen Boden fast komplett mit Moos überzogen war. Manche Leute behaupteten sogar dass es kein Moos sei, sondern kleine Tiere, die nur dann stehen blieben, wenn man sie ansah.
Eines Tages, als Hinrich mal wieder Pilze für einen seiner geliebten Aufläufe gesammelte hatte, stolperte er und fiel eine Schlucht herunter.

Er rollte und rollte und verlor die Orientierung dabei. Als er sich halbwegs berappelt hatte, und seinen imposanten Zinken aus dem moosigen Schlamm gezogen hatte, bemerkte er, das er doch tatsächlich diese Ecke des Waldes ganz und gar nicht kannte! In der Tat waren seine Augen geblendet, denn er erblickte eine große Lichtung gen Norden, die gleißendweiß leuchtete. Auch schienen die Pflanzen hier gar nicht so schwarzbraun zu sein, sondern wirkten seltsam grünlich. Neugierig wie Zwerge nun mal sind, ging in Richtung der Lichtung. Als er die letzten Bäume passierte, sah er, zum ersten Mal in seinem langen Zwergenleben, Getreidefelder, einen Fluss, und Häuser, die aussahen, als wären sie aus Stein gehauen und nicht gebunden aus Baumstämmen und Tauen, wie er es kannte. Er rieb sich die Augen, denn alles was er bisher gesehen hatte waren Bäume und Sträucher, Rehe und Wölfe, Pilze und Unkraut. Doch niemals eine - Zwergenseele. Wer lebte wohl in diesen Häusern?

Er ging vorsichtig den nun seichten Abhang in die grüne Ebene herunter. Sein Gesicht und Haut war hellweiß, aber mit Dreck verschmiert. Als er sich der Siedlung näherte, bemerkte ein schrilles Geräusch. Ein seltsames Geschöpf mit einem hässlich zurückgebliebenen Zinken und bei nahe so groß wie er rannte vor ihm weg, wie ein ängstliches Reh das sich vor dem tödliches Speer fürchtete.

"Ein Wurzeling! Mama, Papa! Ein Wurzeling!!!"

Mama. Papa. Er kannte diese Worte, er hatte sie schon einmal gehört! Sie bedeuten instinktiv für Hinrich "zu Hause" und "Wärme". Er war nun interessiert und bewegte sich weiter auf die Siedlung zu. Als er noch einige Ellen von einem Steinhaus entfernt war, brauch dir Tür auf und ein Riese von mindestens sechs Fuß trat heraus.

"Bleib Weg Wurzeling! Und geh dahin woher du kamst! Garstig Biest!"

in seiner hand hielt der Riese eine große Gabel mit der man einen Hirsch aufspießen könnte. Schon gingen auch nach und nach die Türen der anderen Häuser auf!
Schreiende Riesinnen, drohend klingende Riesen traten heraus, alle bewaffnet. Sie sahen Hinrich wütend an. Das war der Moment als er beschloss zurück in seinen Wald zu ziehen, zu den Pilzen und Kräutern, den Hirschen und Wölfen, den Bäumen und Sträuchern. Denn mit ihnen lebte er immer in Harmonie und Frieden. Die Welt der Riesen war nicht die seine.
Er drehte sich um und wollte zügigen Schrittes zurückgehen, doch da traf ihn ein Stein, er fiel zu Boden, und dann noch einer und noch einer... Die Riesen, für die Hinrich die Menschen hielt, warfen mit Allem was ihnen in die Hände kam, weil sie Angst vor dem Unbekannten hatten. Solange, bis dann das grünlich-gelbe Blut des Zwerges in den Boden sickerte und er starb. Sogleich schichteten die Menschen Holz auf und verbrannten seine Gebeine, auf das nie wieder eine Gefahr dergleichen wieder käme.

Am nächsten Tage klagten die Frauen und Kinder über starke s
Schmerzen in den Augen, die Ältesten und Schwächsten von ihnen erblindeten. Die Ernte des Jahres war schwach und mickrig, fast alle Pflanzen verdorrten auf dem Felde, denn das Wasser, welches sie aus dem Boden tranken, war schlecht. Auch der Dorfbrunnen schimmerte grünlich...

Schließlich beschlossen die Menschen diesen Ort, den Ort der Bluttat, zu verlassen. Doch als sie sich Ansahen merkten sie, wie sie sich verändert hatten. Ihr Gesicht ward bleich, ihre Nase wuchs mehr und mehr und trieb seltsame formen, gleichzeitig schienen sie alle zu schrumpfen.
Die helle sonnenerleuchtete Ebene war unerträglich für ihre eitriggrünen Augen. Und so beschlossen die Ältesten von ihnen in den Mooswald zu ziehen, um von nun an mit der Natur und all ihren Lebewesen in Frieden und Einklang zu leben und nie wieder jemanden auf Grund des Aussehens zu verurteilen. Und so kam es das dort nun wieder Zwerge leben.

ENDE.

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Kommentare

R. Rose schrieb am 2006-05-03 16:47:57:
Es ist so traurig das der Zwerg sterben musste. Meine ganzen Emotionen haben sich entladen, als ich die
Geschichte las.
*heul*
Bettina schrieb am 2006-03-23 00:37:20:
Eine tolle geschichte zum träumen und um für eine paar minuten in eine andere Welt einzutauchen. Noch dazu hat die Geschichte eine Moral und ist auch auf unsere Gegenwart bezogen.
Freu mich darauf witere Geschichten von dir zu lesen, mach weiter so. :-) lg

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