Der Morgen (Und jetzt bist du 40 ...)
von
Sunny ***
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Der Morgen
Jetzt bist du 40
Ich kann nicht sagen was mich geweckt hat. Es ist vollkommen still. Ich liege auf dem Rücken. Aus der Position kann ich ein Blick aufs Fenster erhaschen. Die Sonne blinzelt gerade mal durch die Tannen, die unseren Garten begrenzen. Seufzend drehe ich mich nach links. Mein Göttergatte schläft noch. Micha. Wie lange sind wir schon verheiratet? 14 Jahre. Puh, das ist lange. Da mein Mann, wenn er schläft, relativ uninteressant ist, drehe ich mich erst mal nach links. Ich hätte weiterhin meinen schlafenden Angetrauten beobachten sollen. Die jetzige Aussicht zeigt mir das, was ich nicht sehen will: Meinen Wecker. Grundgesetzlich habe ich nichts gegen Wecker – abgesehen davon das sie mir morgens auf den Wecker gehen – aber heute verfluche ich mich dafür, das ich so ein Teil geholt habe, wo man das Datum sehen kann. Der Werbewecker meines Mannes hätte es doch auch getan. Also blicke ich auf diesen Wecker und sehe das heutige Datum - der 14 Oktober. Mein Geburtstag. Alle kleinen Kinder denken, Geburtstag haben ist schön – Geschenke, Kuchen – all das lieben sie. Aber spätestens ab 35 will man nicht mehr Geburtstag haben. Seufzend schlage ich meine Decke zurück. Im Bett hält mich nichts mehr. Ich wanke zum Spiegel. Meine Haare liegen verstrubbelt auf meinen Kopf. Ich drehe mich nach links – akzeptabel. Ich drehe mich nach rechts – akzeptabel. Eigentlich bin ich doch eine Hübsche.
Trotz meiner gerade gewonnen Erfahrung, trete ich denn Weg zur Toilette eher missmutig an. Was habe ich immer auf die Frage, die mir so oft an meinen Geburtstagen gestellt wurde, geantwortet? Na, wie fühlt man sich so? Ein Jahr älter? Wie eigentlich immer habe ich gesagt – keine Ahnung. Älter eben. Als ich, wie jeden Morgen, meine Blase um 1, 2 Kilo erleichtert habe überlege ich in die Küche zu gehen. Nein. Wahrscheinlich wollen meine Kinder und mein Mann unten ein nettes Frühstück herrichten. Ich will ihnen das nicht nehmen. Schließlich bin ich eine gute Mutter – wenigstens manchmal. Eigentlich weiß ich gar nicht so genau, ob meine Kinder finden, das ich gut erziehe. Ich habe sie nie gefragt. Ich denke ich werde sie auch nicht fragen. Meine Älteste hat mir ein paar mal gesagt sie fände das ich streng aber gut erziehen würde. Ich weiß nicht, warum sie das gesagt hat. Vielleicht wollte sie mich einfach nur loben. Ich höre, das unten die Haustür aufgeschlossen wird, dann aufgeregte Kinderstimmen. Heide und Meike. Gleich werden sie den Papa wecken. Ich muss mitspielen. Es gehört sich einfach so. Ich muss mitspielen. Also haste ich zurück ins Bett. Meine Vermutung wird war – keine 10 Minuten später nehme ich leise Schritte wahr. Dann erhebt sich mein Mann aus seinem Gemach. Zieht sich an. Dann – ich blinzle auf meinen Wecker – gut eine Viertelstunde später höre ich Rascheln neben mir. Dann den Gesang: Happy Birthday to you, happy birthday liebe Mama ... gehorsam schlage ich die Augen auf, lege mir ein Lächeln zurecht setze mich auf. Strahle in die Runde. Langsam komme ich in meine Rolle hinein – die Rolle der 40 jährigen Mutter.
Ich weiß natürlich nicht ob das stimmt. Es ist eben rein hypotetisch. ;)
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