Der Musterschüler - TEIL I
von
Andy Fled
1
2
1
Er sah aus wie ein ganz normaler, durschnittlicher amerikanischer Schüler, -wie man sie oft auf den Straßen, Basketballplätzen oder Footballfeldern fand - und das war er auch.
Vincent Dalmoore, dreizehn Jahre alt, gute 1,70 groß und gesunde 124 Pfund schwer. Wenn man vom Durschnitt sprach passte er wirklich: nur leicht gebräunt, kurzes blondes Haar mit ein wenig Gel, mit Jeans und Shirt in leicht beschmutzen Turnschuhen unterwegs.
Das Fahrrad war nicht das neuste Modell, aber eins der Sorte die lange halten würden aber keine unnutzhaften Extras beinhalteten oder gar eine spektakuläre Lakierung. Das Blau war jedoch recht schön und hell, die alte Lampe passte zum unmodernen Bau und zu dem erschreckenden Geräusch der Bremsen.
Seine blauen Augen konnte man kaum erkennen, er selber spähte nur leicht unter seiner grünen Baseballcap heraus, er hätte sie gerne ganz über die Augen gezogen vielleicht hätte er aber dann den Überblick über die Straße verloren.
Doch ohne Zweifel war das Fahrrad zu klein geraten, oder zu alt - es war nicht seins.
Er sah aus wie ein amerikanischer Bursche der sich mit dem Austragen von Zeitungen ein Taschengeld verdiente, und tatsächlich, er verteilte im übersichtlichen Viertel die Cup Sport Personal, nicht schwer und auch nicht viel, das Einkommen reichte aber.
Er sah ebenfalls wie ein amerikanischer Bursche aus der für das Beschriften und absenden von Gruß- und Glückwunschkarten beschäftigt war, und wirklich war er dieser amerikanische Bursche der FÜR JOHN & MARY und ALLES, ALLES GUTE ZU HOCHZEIT JOSEY auf die günstigen Kartenvorducke schrieb, welche die Masse um die Feiertage und vereinzelnd auch zwischendurch kaufte.
Unter seiner Cap lebte ein gesundes Hirnsystem was soweit funktionierte Vincent in der Schule zu stärken.
Überhaupt gab es bei ihm nur A- und B-Noten, wäre er noch besser gewesen, zum Beispiel nur A-Noten hätten seine Freunde ihn womöglich für verrückt gehalten. Er war nicht verrückt. Das Fahrrad bremste ab, das hässliche Quietschen ertönte und leiß Vincents Ohren schmerzen; könnte er es hätte er seine Hände längst an die Ohren gepresst doch wohlmöglich hätte er das gleich gewicht verloren.
Vincent dachte nicht gern an Schmerz, da er auch zu oft von Mord und Grauen träumte.
Er lehnte das Fahrrad gegen eine tiefe Steinwand - auf solchen saß er manchmal mit seinen Freunden und schlürfte Shakes oder gönnte sich einen verbotenen Schluck Alkohol - die einen Zwischenraum aufwieß. Er durchquerte die Lücke und ging die kleine Treppe, die ebenfalls aus Stein war, hinauf.
Er stand vor der Tür, älteres Holz, schlecht verarbeitet und gepflegt, wie überhaupt das ganze Grundstück.
Deutsche Gründlichkeit, dachte Vincent ironisch und grinste breit. Es war der Gedanke eines Erwachsenen, Vincent gratulierte sich immer selber wenn er so einen hatte.
Vincent sah auf die beiden gelblichen Schilder an der Tür.
ARTHUR DENKER stand auf dem dünnen Schild mit dicker schwarzer Schrifft, hervorgehoben in Rot stand KEINE WERBUNG, KEINE VERTRETER, KEINE ANGEBOTE gedruckt.
Vincent hatte es schon öfter gelesen.
Er drückte auf die kleine Klingel, die auch schon leicht mit Dreck bedeckt war, nach 2 Sekuden ließ er los.
Er hörte ein leichtes Summen aus dem hinterem Garten - es musste einen geben, das Haus seiner Familie war genauso aufgebaut, nur größer und um einiges besser gepflegt.
Er presste sein Ohr an die Tür und wartete auf Schrittgeräusche.
Keine Geräusche.
Vincent sah auf seine TIMEX, die er übrigens als Present wegen seinen vielen Glückwunschkarten bekommen hatte.
Halb 12 - der Typ müsste doch wach sein, dachte Vincent.
Er drehte den Rücken zur Tur und lehnte seinen linken Arm gegen die Klingel.
In der rechten Hand schwingte er seine Zeitung hin und her, es war allerdings keine Cup sondern eine zwei Monate alte L.A Times.
Gleichzeitig blieb er auf die TIMEX fixiert.
Leise zählte er die Sekunden ab, im Hinterkopf das Geräusch der Dauerklingel.
Wow, 1:52 zeigte die Stoppuhrfunktion die Vincent deaktivierte als er die graue Stimme hörte, es war eine Angewohnheit die verschiedensten Dinge mit Farben zu vergleichen.
"Ja - Ja, ist ja gut ich komme schon. Auf hören zu klingeln."
Die wandähnlcihe Tür öffnete sich langsam.
Das Sonnenlicht stahlte den älteren Mann.
Seine Augen schlaßen und öffneten sich mehrmals, er war sicherlich nicht aus dem Garten gekommen, sonst wäre der Sonnenbesuch nicht sehr überraschend gekommen.
"Hallo Mister Dukrater", sagte Vincent und grinste immer noch.
"Ein Junge...", sagte der Alte.
Vincent war enttäuscht.
Mr. Dukrater entsprach nicht seinen Vorstellungen; er hatte fettige Haare und lange Tränensäcke, Schmutz im Gesicht und nur mit Unterhemd und kurzer Schlapphose bekleidet.
Erschreckend stellte Vincent fest dass der Mann sich wohl zwei, vielleicht drei Tage nicht rassiert hatte.
Ja, Vincent hatte noch kenine Erfahrungen damit aber sein Vater sicherlich, der rassierte sich jeden Tag sehr gründlich nach der Morgendusche.
"Ein Junge...", wiederholte Dukrater.
"Ich brauche keinen Jungen. Wieso störst du mich? Kannst du nicht lesen, ich brauche nichts - natürlich kannst du lesen. Das kann jeder amerikanische Bursche.
Vincent hatte ihn vorher schon ein paar Male gesehen aber immer darauf aufgepasst dass ER ihn nicht sah.
Er sah immer gepflegt aus und immer rassiert. Trug einen schicken Anzug als er mit dem Bus in eins der drei ördlichen Kinos fuhr.
"Ich dachte ich komme trotzdem Mr. Dukrater oder Herr Dukrater falls ihnen das lieber ist", sagte Vincent und grinste immer noch.
"Du Bursche solltest lieber gehen, ich rufe gerne die Polizei", sagte Dukrater.
"Beruhigen sie sich Herr Dukrater, ich bin mir sicher ihnen würde es mehr schaden die Polizei im Haus zu haben. Das wissen sie, Herr Dukrater", meinte Vincent während er noch leicht grinste.
"Ich meine es ernst, kleiner. Und hör auf mich immer Dukrater zu nennen, ich heiße Arthur Denker. Anscheinend kannst du doch nicht lesen, Junge."
"Im Gegenteil Herr Dukrater, ich habe eine ganze Menge über SIE gelesen - in der Bücherrei."
"Du spinnst doch Junge", sagte Dukrater und wandt sich dabei von Vincent ab.
Die Tür ging langsam zu.
"Herr Dukrater...", rief Vincent und blickte durch den schmalen Spalt der noch zwischen Tür und Rahmen lag.
Die Tür öffnete sich wieder ein wenig.
"Mein Name ist Arthur Denker. Du bist verrückt, Junge. Ich werde die Polizei holen wenn du nicht... ."
"- Herr Dukrater ich kann nur wiederholen was ich schon gesagt habe eine Menge über sie gelesen."
"Du hast nur eine Menge Mist gelesen, vielleicht wie man lernt alte Leute fertig zu machen."
Enttäuschung. Vincent erlebte wieder eine Enttäuschung. Nicht nur das schäbige Aussehen, nein, er stand noch nicht mal dazu, Andreas Dukrater zu sein.
"Sie kamen nicht damit zurecht dass der Krieg verloren war. Die Zeit der Einsperrungen der Nazikriegsverbrecher begann. Sie konnteten es nicht zulassen. Ihr Leben war der Führer und sie hatten
1
2
Kommentare
florian120580@freenet.de schrieb am 2007-12-04 15:29:47:
Ich denke die Geschichte hat schon mal jemand besser erzählt.
Ist es nicht etwas armseelig, eine Geschichte von Stephen King zu nehmen, ein paar Kleinigkeiten zu ändern und sie dann als eigene Geschichte auszugeben?
Denk dir lieber was eigenes aus, anstatt bei anderen zu klauen.
Kommentar hinzufügen