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Kategorien > Kurzgeschichte > Anverwandlungen

Der Neider

von Denny

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Es war wie jeden Tag. Ich erwachte und spürte einen warmen Hauch in meinem Gesicht. Doch als ich meine Augen öffnete sah ich nicht, wie anfangs vermutet, und auch eigentlich gewohnt, in das fröhliche Gesicht der morgentlichen Sonne, sondern in das eines sehr aufgeregt wirkenden Jungen Erst nach genauerem Hinsehen erkannte ich ihn. Es war Talos, der Sohn meiner Schwester Perdix und gleichsam auch mein Gelehrter. Ich brauchte einige Momente, um ihn zu fragen was er denn von mir wolle. Es war sonst nicht seine Art, einfach so in mein Schlafgemach zu spazieren und mich beim Schlafen zu beobachten. Darum musste ich ihm nun diese Neugierde stillende Frage stellen: „Talos, was machst du zu so früher Stunde an meiner Seite, während ich noch in meinen Traumwelten verweile?“. Seine Antwort war aufgeregt und stotternd „Meister, Meister, Ich...Ich möchte ihnen etwas zeigen! Schnell kommen sie!“. Es sollte zu seinen Gunsten etwas sehr wichtiges sein, denn ich lasse mich nicht einfach so aus meiner wohlverdienten Ruhe reißen.
Ich folgte ihm durch den Innenhof der Burg bis hin zu dem Flügel, in dem er mit meiner Schwester lebte. Auf dem Weg in sein Zimmer breitete sich in mir ein gewisses Gefühl der Neugierde aus.

Dort angekommen ließ der Überraschungsmoment nicht lange auf sich warten. Es traf mich mehr als ich dachte. Wobei diese Tatsache, dass mich ein solches Ereignis überhaupt negativ stimmen kann sollte schon einen Grund zur Besorgnis erregen.
Doch was ich nun sah war einfach zu verblüffend und im gleichen Maße erniedrigend.
Da hatte dieser Bengel doch glatt ein Werkzeug zum spalten von Gegenständen erfunden.
Wie konnte das nur sein? Ich spielte doch schon so lange mit dem Gedanken, ein solches Gerät zu konstruieren, doch bisher hatten mir immer mindestens ein Baustein zur Komplettierung des Bausatzes gefehlt.
Mahl war das Material zu brüchig manchmal zu flexibel. Dabei war die Antwort auf meine schon lange andauernden Überlegungen doch so nah.
„Was hast du genutzt um dieses Gerät zu erstellen, Talos?“, fragte ich den Jungen.
„ Es ist so einfach Meister, ich habe einfach den Schädel einer verendeten Schlange genommen und aus diesem den Unterkiefer entnommen!“

So einfach ist die Lösung?! Nein, das konnte nicht möglich sein. Ich überlegte einige Momente, wobei mich Talos mit einem Blick anstarrte, der mich nur leicht erahnen ließ, wie stolz er war.
Gebeine schienen wirklich eine logische Antwort zu sein.
Jetzt zu sehen, wie einfach es doch war, machte in mir ein Gefühl von Hass, Abscheu und Rachelüstigkeit auf.
Von jetzt an war es klar: Der Junge durfte sein Werk nicht an die Gesellschaft bringen, denn dies würde auf mich als Meister des jungen Schülers ein schlechtes Licht werfen. Die Leute würde sich fragen, warum denn nicht ein so kluges Genie, wie ich es sicherlich bin, eine Erfindung deren Ausmaßes Taloses an den Tag legen würde.
Meine Karriere oder zumindest mein guter Ruf währe dahin gegangen. Ich musste was unternehmen. Doch was? In einzusperren für den Rest seines erbärmlichen Lebens währe wohl kaum eine realistische Lösung, denn irgendwann würde selbst meine so naive Schwester Perdix sein fehlen bemerken.
Nein, es musste etwas von andauernder und überzeugender Weise sein - Er musste sterben!
„Dein Werk zeugt wahrhaftig von der guten Ausbildung meinerseits, gut gemacht mein Junge!“
Mehr konnte ich auf die schnelle nicht herausbringen, aber es schien im zu genügen, denn er brachte ein leichtes, stolzes Grinsen hervor und begann mir sein neues „Spielzeug“ vorzuführen.
Mir war klar es würde schwer werden bei diesen provozierenden und gleichzeitig demütigen Vorgängen die Ruhe zu bewahren und vorerst nicht unüberlegt zu agieren..

Es war ein stürmischer Tag, als ich am Morgen des folgenden Tages meinen täglichen Morgenspaziergang durch die Wälder rund um die Burg machte und grübelte, wie ich am besten mein „Problem“ beseitigen konnte. Da fiel es mir förmlich wie Schuppen von den Augen, denn wozu lebt man denn schon auf einer Burg mit steilen Klippen rundherum?! Das ganze Szenario eignete sich doch besonders für eine unbemerkten Beseitigung eines Möchtegern.

Als sich die Sonne dem westlichen Horizont näherte plante ich den „Unfall“ schon, dabei legte ich auf die noch so kleine Einzelheit wert, um auch ja nichts falsch zu machen und wohl möglich meiner zwar naiven aber doch schlagkräftigen Schwester ins Netz zu gehen. Falls das Wetter dem aktuellen Stand beibehalten würde, würde der Akt am nächsten Morgen in aller Frühe stattfinden und dort unter solchen Bedingungen, welche einen zufälligen Sturz von einer Burgmauer rechtfertigen würde. Der Plan war gut durchdacht, doch es kam alles ganz anders als erwartet.

Am folgenden Morgen wachte ich mit einem Gefühl auf, mit welchem ich überhaupt nicht Gerechnet hatte - Schlechtem Gewissen. Jetzt spielten sich in meinem Kopf Dinge wie „Ist es wirklich richtig...?“ oder „Ist es ein Fehler...?“ ab. Doch das würde mich jetzt nicht mehr von meinem Plan abhalten, denn es musste geschehen um der „Gerechtigkeit“ Willen. Und so ging ich zur Tat über.

Talos schlief noch als ich mich über ihn beugte und ihm langsam ein Tuch im Mund drapierte, es würde lediglich die lautesten Schreie von neugierigen Ohren fernhalten. Als ich langsam begann den doch recht schweren Leib des 12 Jährigen hoch zu hieven erwachte er und sah mich an ohne dabei eine Miene seines verschlafenes Gesichtes zu verziehen. Noch bevor er den Ernst der Lage realisiert hatte war er auch schon in meinem Schwitzkasten und wurde nach draußen gezogen. Der Tag war - wie erwartet - sehr regnerisch und versetzte mir einen zusätzlichen moralischen „Anschub“.

Es ging schneller als ich dachte. Als ich ihn passend auf der Mauer drapiert hatte, reichte ein kleiner Stoß, um den völlig verstört wirkenden Jungen von der Mauer hinab in die Tiefe zu stürzen. Doch anstatt auf den Klippen zu zerbersten, erhellte ein greller Blitz die Szene. Nachdem sich meine Augen wieder beruhigt hatten sah ich etwas das aussah wie ein Vogel die Klippe hinab segeln. Wobei der Begriff segeln wohl eher unzutreffend war, denn es sah eher so aus als wenn dieses Flugwesen nur irgendwie nicht abzustürzen versuchte. Das Flugobjekt was sich mir nun als Rebhuhn offenbarte, landete nun auf dem felsigen Boden am Fuße der Klippen. Ich weiß nicht ob es wahr sein konnte aber es erschien mir als einzige Lösung für das plötzliche verschwinden Taloses. Während des Sturzes hatte sich Talos wie von Zauberhand geschützt in ein Rebhuhn verwandelt und entging nun der mir absolut gerecht erscheinenden Strafe. Es war der Trotz einer höheren Gewalt welche mich wohl bestrafen wollte. Aber wofür? Das schien mir nicht in den Sinn zu kommen. Aber wahrscheinlich spielte mir mein Verstand nur etwas vor.

Meine Erleichterung über die nun endlich vollbrachte

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