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Kategorien > Nachdenkliches > Reue und Gewissen

Der Nimrod Clan (Version 2)

von arthurious1967

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I Kurzgeschichte: (Version 2)
Der Nimrod Clan
Von
Erhard Vobel jun. (2000-12.Sept. 2010)

Die Mauern der verlassenen Fabrik ragen sich vor dem Nachthimmel voll von Sternen und Wolken im silbernen Vollmondlicht auf wie die Mauern eines alten Schlosses aus einem schaurigen Gruselfilm. Der Vollmond taucht das ganze Fabrikgelände mit seinen endlosen Rohrleitungen und Tanks in einem schaurigen, düsteren Licht. Die gespenstische Stille wird noch gesteigert durch das Wispern des Windes und der Kälte und Trostlosigkeit dieses Geländes. Die tief hängenden Wolken ziehen rasch über den Himmel und ziehen ihre schwarzen Schatten über das schauderhafte Gelände. Wie die Kadaver von schon seit vor ewigen Zeiten ausgestorbenen Urzeitriesen liegen hier die die Wracks von alten Fahrzeugen aller Art auf dem Fabrikgelände herum. Ein eiskalter Schauer läuft mir heute den Rücken herunter wenn ich an damals zurück denke. Was hier vor 13 Jahren begann kann ich mir heute nicht mehr erklären. Welch dunkle Dämonen mochten wohl hier damals von unseren Seelen Besitz ergriffen haben? Welch finsteres Verlangen machte uns zum Schauspiel solch dunkler Mächte?
So geht es mir heute durch den Kopf. War dieser Wahnsinn nur Teil unserer eigenen dunklen Phantasie oder das Werk dunkler Seelen die Besitz von uns ergriffen und sich an unserem schauderhaften Spiel erfreuten? Auch heute überkommt mich ein Schaudern, wie jedes Jahr wenn ich diese verfluchte Gegend aufsuche! Doch so sehr mich die Erinnerungen an diese Geschehnisse von damals auch ängstigen, so sehr überkommt mich in meinem Innersten doch so etwas wie ein Gefühl von Stolz. Wie dieser dunkle unheimliche Schatten unter mit folgt mir auch mein finsteres Geheimnis auf Schritt und Tritt lautlos durch diese ach so helle Welt und in diese düstere Umgebung. Auch heute spüre ich, wie ich so auf das große Hauptgebäude zugehe, in der der 1 Akt des Schreckens seinen ersten Höhepunkt nahm, wie mir das Grauen zu folgen scheint. In dem Wispern des Windes glaube ich manchmal das Jammern und Winseln meiner alten Kameraden zu hören, deren Seelen ruhelos über dieses Gelände wandeln. Es ist kalt, fühle ich, verdammt kalt. Das leise Stampfen meiner Schritte hallt von den Mauern des großen Fabrikgebäudes wieder. Wolken verdecken ein paar Augenblicke lang den silbernen Mond, ein Schatten huscht an mir vorüber, eine Fledermaus glänzt kurz silbrig im fahlen Mondlicht. Meine Erinnerungen werden allmählich deutlicher.

Damals, vor 13 Jahren, war ich bereits, wie meine Kameraden auch, der festen Überzeugung das dieses Leben mir nichts mehr zu bieten hat. Die Schule war kaum vor einem halben Jahr zu Ende gegangen und war einer tödlichen Langeweile gewichen. OK, Ich und ein paar Andere haben die Schule heimlich geschmissen. Einige haben einfach nicht mehr so oft reingeschaut oder haben nur offiziell wegen Ihrer Alten Studiert. Niemand von uns verschwendete auch nur einen einzigen Gedanken daran mit einer Arbeit in einem Beruf anzufangen. Unser Leben war geprägt vom Müßiggang, den wir vom Geld unserer Eltern gut finanzieren konnten. Geld war im Grunde schon alles was wir von unseren Eltern bekamen, denn Zeit hatten die ja nie für uns. So lebten wir dahin. Hier bedauerten wir die Armseligkeit unseres Lebens und bestätigten uns immer wieder aufs Neue in unserer Verachtung für diese Welt. „Ja früher“, so dachten und sagten wir, „früher war alles besser“. Und so sehnten wir uns zunehmend nach den alten Zeiten, in der Männer noch echte Männer sein konnten. Damals am Anfang der Geschichte mochte wohl alles aufregender und erstrebenswerter gewesen sein, doch heute ist es mit den Idealen und der einstigen Größe unserer Vorfahren lange vorbei. Wir fragten uns immer wieder was wohl nur aus dem herrlichen Raubtier Mensch von einst heute geworden ist. Wo sind die stolzen Helden von damals geblieben? Was für ein herrlicher Anblick musste wohl solch ein kühner Recke gewesen sein, der seinen Gegner im ehrenvollen Heroen Zweikampf niederrang. Auge in Auge, Schwert an Schwert.

Seit wir Kinder waren, faszinierten uns vorsintflutliche Helden, muskelbepackte Kraftpakete, die im Kampf für das Gute kein Gemetzel scheuten. Comics, Videos und Phantasiefilme schufen für uns eine vermeintlich bessere Welt. Eine Welt voller Abenteuer und Herausforderrungen. Ich weiß heute noch zu gut wie ich mit 13 meine erste Actionfigur bekam, die rasch zu einer rieseigen Sammlung anwuchs. Später mit 15 bekam ich zum Geburtstag mein erstes, eigenes Videospiel. Nächtelang und Tagelang spielten wir mit unserem Videogames die verrücktesten Abenteuerspiele. Diese Faszination steigerte sich von Generation zu Generation, mit der die Computertechnik voranschritt. Doch mit der Zeit begannen diese Spiele Ihren Reiz zu verlieren. Rollenspiele erfreuten sich immer größerer Beliebtheit. Erst auf dem Bildschirm und auf Brettspielen begann es von unserem Denken und Fühlen mehr und mehr Besitz zu ergreifen. Lautlos und in aller Heimlichkeit bestimmte es mehr und mehr unser Handeln. Niemand bemerkte, wie ein magisches mystisches Gedankengut Besitz von uns ergriff, heimlich, still und leise. Wie sollte auch einer von diesen gehetzten und überarbeiteten Gestalten, die uns umgaben, je etwas bemerkt haben? Die haben unser Schulschwänzen und das totale Versagen ja auch nicht mitgekriegt oder mitkriegen wollen. Die waren mit sich selber zu gut beschäftigt. Unaufhörlich zogen uns Helden, Schurken und Magier und der Glaube an finstere Mächte immer tiefer und tiefer in Ihren Bann. Ohne dass wir uns dessen gewahr wurden begann „ES“ uns zu beherrschen. Lautlos nahm „ES“ von unserem Leben Besitz, so dass wir allmählich unbewusst in zwei Welten zu leben begannen. Da war zum einem die reale, kalte und trostlose Welt und zum anderen die Welt der Helden und Schurken, der hellen und der dunklen Mächte. Duelle, Mann gegen Mann, mit gezückten Schwertern, dunkle Rituale, Opfertod und Heldentum, das war unsere Innere Welt. Könige, die aufgestiegen waren und durch ihrem eigenen Hochmut wieder fielen waren zu unserer eigenen Wirklichkeit geworden und zu Leitfiguren für unser aller Leben. Diese Welt untergrub nun zunehmend unseren Verstand und wurde so zu unserer neuen Realität, die unser eigenes heimliches Tun mehr und mehr zu bestimmen begann. Die Grenze zwischen Spiel und Wirklichkeit verschwamm mehr und mehr, der schmale Grat zwischen Geist und Wahnsinn hielt dem nicht mehr stand. Die Rollen, welche wir spielten, wurden uns so vertraut, als ob sie schon immer real gewesen wären. Nun muss ich mir wohl heute selbst eingestehen, dass mich meine Rolle als Nimrod noch in diesem Augenblick mit Stolz erfüllt. Diesen Namen erwählte ich mir damals nicht von ungefähr. Nimrod war ein Vorsintflutlicher Gewaltherrscher der sogar Gott persönlich herausgefordert haben soll. Und ich wollte schon immer kämpfen und jagen wie er. Nimrod liebte die Jagt, es war sein Sport. Seine Gegner hatten nichts zu lachen. Er war ein großer Kriegsmann und Jäger. Das

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