Der Privatclub
von
Patrik Walter
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Ein Sonnenstrahl. Eine feuchte Zunge an der Wange. So wacht Koko Toricvi jeden morgen um 7 Uhr auf. Ihr Hund sitzt neben ihr im Bett. Starrt sie an. Sie hatte ihn vor 3 Jahren auf der Straße gefunden und von da an kümmert sie sich um ihn. Auch wenn sie nur wenig Zeit für ihn hat. Stundenlanges Mixen von Getränken. Verschrumpelte Finger. So verbringt Koko Toricvi die meiste Zeit ihres Tages in einem Privatclub.
Die Stunden vergehen im Schneckentempo. Doch der Gedanke an ihre Familie gibt ihr allen Grund hart und viel zu arbeiten. Bis vor kurzem hat sie sich nie wirklich mit ihr verstanden. Nur ihr Großvater war derjenige, zu dem sie eine gute und große Bindung hatte.
Die 29 Jahre alte Japanerin verlässt wie jede Nacht den Club um 3, um wenigstens ein bisschen Schlaf zu finden. Sie fühlt sich dreckig. Sie fühlt sich erschöpft. Mit ihrem blonden, langem Haar zieht sie die Blicke der Männer auf sich. Doch bei Blicken bleibt es nicht.
Sie riecht es. Eine dunkle Decke von Alkoholgestank legt sich auf ihren Nacken. Graue Stiefel blicken zwischen ihren Füßen hervor. Sie weiß, was auf sie zukommen wird.
Schnell versucht sich Koko wieder auf ihre Arbeit zu konzentrieren.
Die Uhr zeigt 3. Die Gäste verlassen einer nach dem anderen den Club.
„Warum arbeitest du hier?“, fragte eine Raucherstimme. „Du bist doch bildhübsch!“. Sie schweigt. Sie weiß bescheid. Sie betrachtet den Boden, als könnte man geheime Zeichen darin erkennen.
Der Mann fragt, ob sie nicht noch etwas mehr Geld verdienen will. Wieder Schweigen.
Die Lichter gehen aus. Sie setzt einen kleinen und unsicheren Schritt aus der Tür. Die Straßen sind leer. Der Mond hinter den dunklen, großen Wolken verdeckt. Kein Windzug. Kein Leben.
Nur Schritte sind hinter ihr zu hören.
Vor ihren Augen: ihre Mutter. Weinend unter einer Brücke. Was sollte sie tun. Sie braucht das Geld.
Das Türschloss bewegt sich mit einem lauten Quietschen. Das Treppenhaus ist dunkel und kalt.
Ein starkes, lautes Atmen. Der Geruch von Nikotin. Sie ließ von nun an alles auf sich zukommen.
Ein Sonnenstrahl. Eine feuchte Zunge an der Wange. 7 Uhr morgens. Der Hund sitzt am Fenster und schaut in die Ferne.
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