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Kategorien > Fabeln & Märchen > Moderne Märchen

Der Regenhut

von Carsten Iversen

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Der Regenhut

Mögt ihr Regen? Wahrscheinlich nicht. Die meisten von euch jedenfalls, möchte ich wetten. Einige werden sagen: „ Ja, Regen ist das schönste, das ich mir vorstellen kann!! Es gibt nichts schöneres!“ Das sind dann aber auch die unter euch, denen der Mathematik-Lehrer nie genug Hausaufga-ben aufgeben kann oder die sich danach drängeln, zum Zahnarzt zu ge-hen, sich die Zähne abends zu putzen oder früh ins Bett zu gehen, wenn die Eltern es wollen, auch wenn du noch dein spannendes Buch weiterle-sen oder noch mit deinen Spielsachen spielen möchtest. Wieder andere von euch werden sagen: „Hmmm...Regen? Kommt darauf an, was für ein Regen. Wenn es ein Regen ist, der gerade aufhört und große, tiefe Pfützen zurückläßt, in die man reinspringen kann, dann ist Regen doch toll zum Spielen!“ Aber was ist, wenn es ein Regen ist, der aus dicken grauen Wol-ken dick und platschend gegen euer Fenster fällt, vom Sturm in die kleins-te Ritze eurer Jacke gedrückt wird und anscheinend nie wieder aufhören will? Ich denke, dann mögt ihr den Regen auch nicht, oder? Die meisten Erwachsenen mögen den Regen auch nicht, egal was für ein Regen es ist. Na ja, vielleicht die Bauern, denn wenn es keinen Regen geben würde, müßten sie ihre Felder mit der Gießkanne naß machen. Aber auch sie mö-gen den Regen nicht, wenn er nicht aufhört, tagelang oder sogar wochen-lang vom Himmel fällt, als hätte da oben jemand vergessen, den Wasser-hahn abzustellen. Erwachsene können auch normalerweise nicht viel mit großen Pfützen und Schlammlöchern anfangen, weil die meisten von ihnen vergessen haben, wie man damit spielt oder es einfach nicht mehr schön finden. Habt ihr euch schon mal gefragt, warum die Menschen den Regen nicht mögen? Was meint ihr? Schließlich ist Regen doch eigentlich auch nichts anderes als das Wasser, das bei euch zu Hause aus dem Hahn kommt. Kein Mensch hat schließlich etwas gegen Wasser aus dem Hahn, oder? Es liegt wahrscheinlich auch gar nicht nur am Wasser, es liegt am Himmel. Meistens, wenn Regen fällt, ist er grau und schwer wie eine Ma-thematik-Stunde kurz vor Ferienbeginn. Die Sonne ist nicht zu sehen, als wäre sie weggespült worden und das Licht ist stumpf wie eine alte Bastel-schere. Die Menschen mögen es außerdem auch nicht, naß und kalt he-rumzulaufen wie die Fische und vielleicht noch einen Schnupfen davon zu kriegen. Habt ihr euch vielleicht schon mal gewünscht, Regen würde Spaß machen? Das wäre nicht schlecht, denn es gibt soviel davon. In der klei-nen Stadt in der Paula lebt, regnet es auf jeden Fall sehr viel. Paula lebt in Kurzental und wenn es da mal eine Woche lang trocken bleibt, fragen sich die Leute schon ein wenig ängstlich, was nicht in Ordnung ist und warum es denn nicht regnet.

Kurzental liegt mitten in wunderschönen grünen Hügeln, die allerdings nur allzu gerne vorbeiziehende Wolken festhalten, an ihnen herumzerren und sie ausquetschen wie prall gefüllte Badeschwämme. Deswegen pas-siert es dort sehr oft, dass der Himmel über Kurzental mit dicken Wolken bedeckt ist und dass es dort regnet. Im Frühling, im Sommer und auch im Herbst. Nur im Winter, da schneit es dann. Die Menschen in Kurzental mögen das genauso wenig, wie ihr das wahrscheinlich mögt. Der schwere, graue Himmel mit den dicken Wolken macht ihre Gedanken oft auch sehr schwer und grau. Sie wünschen sich oft, daß die Sonne warm auf ihre Stadt scheint und der Himmel blau wie Babyaugen ist. Wenn sie sich tref-fen, reden sie meistens über das schlechte Wetter und jammern sich ge-genseitig vor, wie traurig doch das alles ist. Auf dem Marktplatz, in den Geschäften und Büros, bei Hochzeiten und Geburtstagen – Immer wenn die Kurzentaler zusammenkommen, sehen sie zum Himmel, seufzen und ihre Gesichter sind genauso grau wie die schweren Wolken dort. Ihre Ge-sichter sind meistens blass und ihre Nasen fast immer leicht rot. Die meis-ten wünschen sich, sie könnten aus ihrer Heimatstadt weg gehen. Aber fast niemand tut es. Und so jammern sie immer weiter und werden immer mürrischer. Oft treffen sie sich abends in ihren Häusern. Dann sitzen sie Freunde und Familien zusammen vor einem warmen Feuer oder Ofen, trinken Tee und heiße Schokolade, essen Bratäpfel und erzählen sich von fernen Ländern, in denen es niemals kalt wird und die Sonne Tag und Nacht scheint. Niemand war jemals in einem dieser wunderbaren Länder oder wusste mit Sicherheit, ob es sie überhaupt gibt. Aber zusammen zu sitzen und davon zu erzählen gab den meisten schon ein besseres Gefühl und dann seufzten alle gemeinsam und hingen ihren Träumen nach.

Paula ist zehn Jahre alt und lebt mit ihrem Vater ganz allein in einem ziemlich kleinen Haus weit über der Stadt Kurzental, da wo schon der Wald anfängt. Jeden Morgen geht sie zur Schule den ganzen Weg hinunter ins Tal an den Bach, der in einem Kanal mitten durch die Innenstadt von Kurzental fließt. Dieser Weg macht ihr immer Spaß, denn sie muß sich kaum anstrengen, um den Berg hinunter zu laufen. Ihr könnt euch aber denken, dass sie nach der Schule den ganzen Berg wieder hinauf muß. Das macht ihr natürlich gar keinen Spaß, wie ihr euch denken könnt. Trotzdem geht Paula gern zur Schule. Sie geht in die vierte Klasse von Frau Gießwasser und die ist sehr nett, findet Paule. Sie macht immer so interessante Sachen, so dass der Unterricht nie langweilig wird. Ein-mal hatte sie sogar einen richtigen kleinen Fuchs mit in die Schule gebracht! Paula wollte den Kleinen mit dem roten Fell am liebsten mit nach Hause, damit sie nicht immer so alleine spielen muß. Aber Frau Gießwasser hatte ihr erklärt, dass kleine Füchse nicht gerne in Häusern wohnen und schon gar nicht in Pup-penwagen schlafen. Zuerst war Paula ein bisschen traurig, aber sie konnte gut verstehen, dass ein Fuchs auch wächst, genau wie Kinder, und dass ein Pup-penwagen eines Tages viel zu klein für ihn sein wird. „So wie du nicht gerne in einem Loch im Waldboden leben möchtest, möchte der kleine Fuchs auch nicht in einem Haus wohnen. Jedes Lebewesen fühlt sich anders wohl. Verstehst du das?“, hatte Frau Gießwasser Paula damals gefragt. Und Paula hatte es ver-standen. Immer wenn Frau Gießwasser ihr etwas erklärt, kann sie es sofort ver-stehen. Deshalb geht sie gern zur Schule, auch wenn sie dort nur wenige Freunde hatte. Für die meisten Kinder ist sie das Waldkind, weil sie so weit weg von der Stadt wohnte, wo fast alle ihre Klassenkameraden wohnen. Nur selten kommt jemand zu ihr den Hügel herauf nach Hause, um mit ihr zu spie-len. Niemand möchte beim dem ständigen schlechten Wetter den weiten Weg machen. Weil der Weg so lang ist, will ihr Vater meistens auch nicht, dass sie nach der Schule bei ihren Klassenkameraden in der Stadt bleibt. Deshalb spielt Paula meistens allein mit ihren Spielsachen, ihren Puppen, Bauklötzen und den Malbüchern in ihrem Zimmer und wünscht sich oft, sie würden in einem ande-ren Haus in der Stadt wohnen. So lebt Paula einen Tag nach dem anderen in Kurzental. Aber ein Tag war ganz anders als alle anderen. Und danach

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Kommentare

Maria schrieb am 2009-03-09 15:07:25:
Sie werden ganz schön berühmt!

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