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Kategorien > Liebe > Erste Liebe

Der Reichtum, die Kraft und die Kleine [Teil 01]

von Goldene Venus

1

"Darf ich was trinken?", fragte ich.
Es war einer dieser dummen Tage.
Einer dieser unglaublich dummen, dämlichen Tage.
Wir schrieben gerade eine Mathearbeit.
Und das war mir heute morgen erst eingefallen.
"Jo, jo." , sagte unser Mathelehrer Herr Breuer.
Ich bückte mich unter meinen Tisch und öffnete meinen Ranzen.
Die Arbeit hatte vor 10 Minuten begonnen.
Und mir fiel jetzt schon nichts mehr ein.
Das gäbe eine 6.
Hastig zog ich meine Wasserflasche hervor und begann gierig an der Plastiköffnung zu nuckeln.
Und zwar etwas zu gierig.
Ich verschluckte mich prompt und prustete eine Wasserfontäne auf die Jacke meines Vordermanns.
Ich hustete und hustete. Ich konnte mich nicht beruhigen.
Ich war unfähig aufzuhören, unfähig zu atmen.
Einige Köpfe genervter Mitschüler drehten sich zu mir um.
Mein Kopf lief rot an.
Ich konnte einfach nicht aufhören zu husten!
Was hätte ich tun sollen?
Meine Augen begannen zu tränen, während ich noch immer husten musste und mein Bauch zu schmerzen begann.
Herr Breuer sah mir tonlos zu.
"Wolln Se ans Fenster?" , fragte er ungerührt.
Ich nickte und stolperte gefolgt von den Blicken einiger Mitschüler ans Fester und öffnete es - auch ein Fehler, denn der Hälfte aller Schüler wehte ein heftiger Windstoß die Blätter weg.
Unter dem Gemecker meiner Mitschüler hob ich entsetzt und immernoch vom Husten geschüttelt (der langsam zu einem Würgen ausartete) die Blätter auf und gab sie jedem einzeln zurück.
Dabei versuchte ich in meiner Not so viel wie möglich abzugucken.
"Fräulein Zwick? Langsam nerven Se." , stellte Herr Breuer nüchtern fest.
Er kam mit federnden Schritten auf mich zu und begann mir mit seiner riesigen Schaufelhand auf meine Rücken zu klopfen.
Mein Husten verebbte, bis es schließlich mit einem lauten Rülpser endete.
Aus meinem erbeeroten Kopf wurde ein kirsch-dunkelroter.
Die Jungs begannen zu lachen.
Auch Der Neue. Er war Chinese und hieß Cai Li.
Er hatte schwarze Haare und zwei glänzende Knopfaugen.
Im Grunde war er ein Abbild von Peter Ho.
"So. Und jetz setzen Se sich mal auf ihren Platz und schreiben Se ihre Arbeit fertisch."
Er ging an seinen Platz zurück.
Auch ich ließ mich auf meinen Stuhl sinken und starrte verzweifelt auf mein Blatt. In meiner dummen Situation hatte ich vergessen mir die Lösungen meiner Mitschüler gut genug einzuprägen um sie jetzt aufschreiben zu können.

In der ersten großen Pause stand ich im Flur und starrte aus dem Fenster und dachte über mein peinliches Erlebins im Klassenzimmer nach.
Das war ein Schultagesbeginn, der bei mir ganz üblich war.
Ich seufzte tief. Cai Li hatte das alles mitgekriegt (und meinen Rülpser laut und deutlich vernommen).
Plötzlich tippte mir jemand auf den Oberarm.
Genervt drehte ich mich um und grunzte: "Was?"
Ich blickte in zwei dunkle, fast schwarze Augen. Es kam mir vor, als würden sich alle Lichter der Welt in ihnen Spiegeln.
Mein Puls begann zu rasen und schmerzhaft in meinem Hals zu pochen.
Meine Wangen wurden ganz heiß.
Cai Li lächelte. Er hatte strahlend weiße Zähne. Auf seinen Wangen bildeten sich zwei süße Grübchen.
"Du bist Paula, oder?" , fragte er.
Meine Knie wurden weich wie Butter.
ER KANNTE MEINEN NAMEN!
"Ja ... " , hauchte ich leise.
Ich versuchte seinen Duft in mich zu saugen. Er roch wunderbar.
Er war durch und durch perfekt.
In meinen Ohren tönte ein monotones Summen. Ich konnte an nichts anderes mehr denken als daran, dass er grade so nah vor mir stand.
Dass ich seinen Atem fast auf meinen Lippen spüren konnte.
War das ein Traum?
Nein, sicher nicht, sonst hätte ich eben in Mathe keinen Hustenanfall bekommen.
Cai Li's Lippen öffneten sich ein wenig.
Mir wurde schwindelig.
ER schien mit seinem Kopf ein wenig näher zu kommen.
"Herr Breuer hat mich gefragt ob ich dir Nachhilfe geben kann." , sagte er plötzlich.
Ich erwachte aus meinen Illusionen.
MATHENACHHILFE?

-- Fortsetzung folgt --

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