Der Sinn des Lebens
von
Franziska Lenz
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„Habe nun, ach! Philosophie, / Juristerei und Medizin, / Und leider auch Theologie / Durchaus studiert, mit heißem Bemühn. / Da steh ich nun, ich armer Tor, / Und bin so klug als wie zuvor! Heiße Magister, heiße Doktor gar, / Und ziehe schon an die zehen Jahr’ / Herauf, herab und quer und krumm / Meine Schüler an der Nase herum - / Und sehe, dass wir nichts wissen können! / Das will mir schier das Herz verbrennen.“ Diese Verse entstammen dem berühmten Faustmonolog aus Goethes Faust, der Tragödie erster Teil. Der alte Protagonist Dr. Johann Faust hat bis dato all das, was man an Wissen aus der Literatur erwerben kann, erlangt und ist dennoch mit seinem Leben todunglücklich. Er hat sich der Alchemie hingeben, sich mit dem Teufel eingelassen, sich durch einen Zaubertrank verjüngen lassen, um schließlich den Sinn seines Lebens in der Liebe zu einem jungen Mädchen zu suchen – vergebens. Doch all sein Streben nach innerer Erfüllung endet im Unglück. Ist das, wonach Faust sucht, ein Sinn im Leben? Was ist der Sinn des Lebens?
An dieser Stelle möchte ich mich an die Worte Fausts anlehnen: Nun sitze ich hier, stelle mir die Frage nach dem Sinn des Lebens und weiß nicht wo ich anfangen soll. Es stellen sich mir unzählige Fragen, die ich genauso wenig beantworten kann, wie die Frage nach dem Sinn des Lebens. Nach wessen Leben wird überhaupt gefragt? Was ist Sinn? Oder anders: Wann hat eine Sache einen Sinn? Wann stellt man sich die Frage nach dem Sinn des Lebens? Gibt es eine allgemeine Antwort auf diese problematische Fragestellung? Versucht man, den Sinn mit einem einfachen Ziel gleichzusetzen?
Zu Beginn ist es wichtig, den Begriff des „Sinns“ zu klären. Für mich ergibt eine Sache dann einen Sinn, wenn sich eine festgelegte Zielsetzung nach und nach erschließt und letztendlich im gewünschten Ergebnis endet, wie eine Rechnung also, bei der man sich nach Möglichkeit nicht verrechnet, eine Rechnung, die bis auf die letzte Kommastelle genau aufgeht. Kann man dem Sinn des Lebens vielleicht mit mathematischen Formeln auf den Grund gehen? Ist das Leben eine einfache Addition? Oder eher die Quadratur des Kreises?
Nach wessen oder nach was für einem Leben wird bei meiner Ausgangsfrage gefragt? Es gibt schließlich unzählige Arten von Leben und ebenso viele Orte an denen dieses stattfinden kann. Beispielsweise zu nennen, wären pflanzliche, tierische und menschliche Lebensarten sowie der Erdball oder ein fremder Planet als Orte. Doch da es wir Menschen sind, die sich die Frage nach dem Sinn des Lebens stellen, ist für den größten Teil von uns auch klar, um wessen Dasein es sich handelt: Es ist der Sinn des eigenen, persönlichen Lebens gemeint.
An welchem Punkt, auf welcher Ebene seiner Lebenszeit muss der Mensch seinem Leben unbedingt einen Sinn einverleiben? Ist man, wenn man sich diese überaus philosophische Frage stellt, bereits am Leben gescheitert? Bin ich am Leben gescheitert? Denn mit nicht einmal 20 Jahren Lebenszeit möchte ich der Frage auf den Grund gehen. Was das bringen soll, kann ich ebenso wenig sagen, wie ich sagen kann, dass ich zu einem Ergebnis kommen werde.
Kinder hinterfragen das Leben. Mit immer wiederkehrender Neugier begeben sie sich auf Entdeckungstour in ihrem Umfeld. Schon im Babyalter wird alles angefasst und ausprobiert und Kleinkinder beginnen, mit ersten Worten, Dingen auf den Grund zu gehen. Kinder fragen jedoch nur nach Dingen im Leben, sie fragen nicht wirklich nach dem Sinn des Lebens.
Dem entgegen stehen die Erwachsenen, die tatsächlich nach dem Sinn ihres Daseins fragen. Meiner Meinung nach sind die Erwachsenen in zwei unterschiedliche „Fragetypen“ einzuteilen. Beide, von mir im Folgenden beschriebenen Typen sind auf irgendeine Art und Weise unglücklich, denn ansonsten müsste man seine Existenz nicht hinterfragen oder anzweifeln.
Zum einen gibt es den Typ, der nach einem Sinn in seinem Leben sucht, wenn er nichts mehr hat, das ihn glücklich macht. Im schlimmsten Fall hat dieser Mensch seine Arbeit und seine Bleibe verloren sowie Schulden gemacht. Dem Verlust der materiellen Dinge, folgt der Verlust des sozialen Umfelds, woraufhin es zur sozialen Verarmung dieses Menschen kommt. Er weiß nicht mehr weiter, möchte seinem Leben vielleicht gar ein Ende setzten. Da er sich fragen wird, warum gerade ihm all dies passiert, versucht er eine Antwort zu finden, eine Antwort, die ihm sagt, wozu er lebt.
Der zweite „Fragetyp“ ist das Gegenstück zum ersten: Er hat im Leben bereits alles erreicht. Er hat ein Traumhaus, ein oder zwei Traumautos, einen Traumjob, ein Traumkonto und macht alle viertel Jahre auch noch einen Traumurlaub. Dieser Typ Mensch fragt sich, was er in seinem Leben noch erreichen kann und sieht den Sinn seines Lebens im Luxus; im Haben materieller Dinge. Vielleicht hat er sich zum Ziel gesetzt, sich auch noch eine Traumyacht anzuschaffen. Bis zum Erreichen dieses Ziels, ist die Anschaffung einer Yacht auch seines Lebens Sinn. Doch was ist dann? Materielles hat zwar einen Sinn, so wie beispielsweise ein Auto dem Transport dient, jedoch ist der Erwerb von Sachgegenständen vielmehr eine Zielsetzung im Leben als ein Sinn dessen. „Ziele“ werden also zu einem Sinn transformiert, um das Gefühl zu haben, dass das, was man täglich macht, sinnvoll ist. Dieses Verhalten wird von einem Ausspruch Émile Michel Cioran unterstrichen: "Das ganze Geheimnis des Lebens läuft darauf hinaus, dass es keinerlei Sinn hat; dass aber jeder von uns dennoch einen ausfindig macht!"
Kann der Mensch, wenn er seine Träume, seine Ziele, seinen sich selbst vorgegaukelten Lebenssinn erreicht hat, vielleicht sogar von Erfüllung sprechen? Der Mensch scheint sich nach einer gewissen Erfüllung zu sehnen. Sei dem nicht so, müsste die Frage nach dem Sinn, der Erfüllung des eigenen, persönlichen Lebens niemals gestellt werden. Goethes Faust liefert den Beweis dafür, dass Liebe, Spaß oder andere Dinge nicht die Erfüllung, nicht der Sinn des Lebens sein können. Faust wollte sich verändern, war unglücklich und war auf der Suche nach etwas Unbekanntem, das seinem Leben einen Sinn geben soll. Diesen suchte er indem er sich auf neue Dinge einließ, doch all das schien nicht der Sinn seines Lebens zu sein, denn Faust war nicht erfüllt. Wenn Faust erfüllt gewesen wäre, hätte er in den Dienst des Teufels Mephistopheles eintreten müssen, da sie dies durch den so genannten Teufelspakt vereinbart hatten.
Scheinbar ist es also nicht möglich, seinem Leben einen „richtigen“ Sinn zu geben. Dennoch existiert die Frage nach dem Sinn des Lebens schon seit der Steinzeit. Lukas Nagel hat in seiner Ausarbeitung „Epochen über den Sinn des Lebens“ die verschiedenen Sinngebungen dargelegt.
In der Steinzeit bestand das Leben der Menschen daraus, die Grundversorgung sicherzustellen. Somit wird das alltägliche Überleben als der damalige Sinn des Lebens bezeichnet. Obwohl ich bis dato diese These auch als den Sinn meines Lebens ansah, erkenne ich nun, das dies, ebenso wie ein
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Kommentare
Likeaphoenixfromtheashes schrieb am 2008-12-24 19:25:20:
Das wort : "Der Sinn" existiert erst seit : "der Mensch" existiert..
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