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Kategorien > Gewalt und Mord > Rache

Der Sklavenmarkt Teil 1/ 1

von Lillium

1

„Siehst du, wie sie da lungern, gepeinigt, dreckig. Sie zittern, ob das der Schmerz ist, wer weiß das schon! Wer will es wissen? Wen interessiert ihr Leid?
Mich…dich? Wohl kaum, denn würde es uns interessieren, wir würden nicht so gleichgültig an ihnen vorübergehen, oder sie so herablassend mustern.
Nicht mehr wert als Vieh, unserer kostete nicht einmal ein Dutzend Silbermünzen. Hässliche Narben verunstalten sein Gesicht, darum verbot ich ihm uns auch nur einmal kurz in die Augen zu sehen. Diesen grässlichen Anblick wollte ich dir ersparen.
Aber ein braver Arbeiter, für so wenig Geld, eine hervorragender Kauf. Sieh sie dir nur an, mein Kind, dann verstehst, dass es vom höchsten Vorteil zeugt, reich zu sein. Ohne Reichtum, wo kämen wir nur hin?
Oh ja…richtig, auf den Sklavenmarkt“


Ein herrlicher Sommertag. Die Luft flimmerte, heiß glühten der Sonne Strahlen auf das Land hinab. Das Korn wiegte sich sanft im Wind, das Rindvieh döste im Schatten der Birken. Niemand arbeitete am Feld. Alles schien zu träumen, ein Tagtraum aus dem Bilderbuche.
Schließlich vernahm man Kinderlachen.
„1,2,3,4
Bring den Sklaven her zu mir
5,6,7,8
Jetzt wird ihm Garaus gemacht“ Ein Mädchen mit roten Haaren, zu zwei langen Zöpfen geflochten, sprang über das, sich kreisende, Springseil. Neben ihr ein schwarzhaariger Junge, der mit gesenktem Blick das Seil zum Schwingen brachte. Das andere Ende war an einen Holzpfahl gebunden worden.
„Jetzt bist du dran!“, rief das Mädchen mit geröteten Wangen. Ein leichter Sonnenbrand, der bei ihrer hellen Haut nicht allzu selten vorkam. Der Knabe sagte nichts und stellte sich in Position. Insgeheim wusste er, dass er keine Chance hatte, das Spiel gegen die Kleine zu gewinnen. Das Seil begann zu schwingen, jedoch so unerhört hoch, dass der dicke, harte Strick die nackten Knöchel traf. „ Du musst dich schon anstrengen“, tadelte das Mädchen schadenfroh. „ Los noch einmal 1,2,3,4“ Auf vier donnerte Seil abermals gegen seine Füße, doch der Knabe musste weiterspielen. So lange, bis es dem Mädchen reichte, bis sie genug davon hatte, ihm die Beine blutig zu schlagen.
„Scarlett! Mittagessen!“, schallte eine Stimme über den Hof. Scarlett ließ sofort das Seil fallen und ließ den Jungen mit seinen Striemen an den Beinen in der prallen Sonne stehen.
„ Hast du schön gespielt, mein Kind?“ „ Ja“ Die Mutter tätschelte ihrer Tochter den Kopf. „Wie ist dein neuer Spielgefährte?“ „ Nicht so lustig, wie der Letzte…der hat wenigstens geschrien“


„Dort drin habe ich es versteckt und du musst es suchen, wenn du es nicht findest hast du verloren“ Mit leerem Blick musterte der Knabe Scarlett. Genervt sagte sie: „ Hörst du?“ Er nickte. „ Na dann los“ Die beiden standen im Wald nahe dem Gut von Scarletts Eltern. Immer wieder bekam die Kleine, die ein Einzelkind war, neue Spielkameraden, die sie sich selbst auswählen durfte. Am Sklavenmarkt gab es genug Kinder, die ungefähr in ihrem Alter waren. Scarlett war vor kurzem acht Jahre alt geworden und zu diesem Anlass erhielt sie einen neuen Sklaven. Es war das zweite Mal, dass sich Scarlett einen Jungen gewählt hatte. Sie hatte Gefallen an ihm gefunden, wegen den schwarzen Haaren und seinen grünen Augen, die allerdings wenig Ausdruck hatten. Der Händler meinte, dass er knapp elf Jahre sei. Scarlett nannte ihn Willow, da der Knabe nicht ein einziges Wort gesprochen hatte, seit er zum Händler gekommen war und dieser hatte sich keinen Namen für ihn einfallen lassen.
Scarlett machte sich häufig über den Jungen lustig, Scherze die tiefer als unter der Gürtellinie waren. Irgendwie war es ein Versuch ich auf das Äußerste zu reizen, um ihm wenigstens einen Ton zu entlocken. Jedoch ertrug Willow alles, egal welche Boshaftigkeiten sich Scarlett auch auszudenken vermochte, mit einer schauderhaften Gelassenheit. Der letzte Sklave wurde vom Vater erwürgt, weil sie ihn erwischt hatten, wie er versuchte Scarlett in der Nacht mit dem Metzgerbeil zu enthaupten.
Aber Willow blieb ruhig, er zeigte überhaupt keine Emotionen, weder Schmerz noch Hass. Obwohl es zu bezweifeln war, dass Scarlett irgendetwas in dieser Höhle versteckt hatte, kletterte er trotz des Wissens hinein. Ihr Sommerkleid war nicht annähernd schmutzig, also würde Willow nichts darin finden. „ Du musst ganz tief hinein!“, hörte er Scarlett rufen, er tat wie ihm geheißen. Von draußen vernahm er ein dumpfes Geräusch.
Plötzlich noch nicht weit gekommen hörte er abermals etwas, es schien aus der Höhle zu kommen, ein unheilvolles Summen. Sogleich spürte er einen brennenden Stich im Nacken, gleich darauf ein weiterer. Scarletts Überraschung war ein Hornissennest. Verzweifelt versuchte Willow hinauszukriechen, aber vor der Höhle lag schlagartig ein Baumstamm, der ihm dies nicht ermöglichte. Das dumpfe Geräusch, das er zuvor gehört hatte, erklärte sich dadurch von selbst. Hektisch versuchte der Knabe die aufgebrachten Insekten zu erschlagen, aber es half ihm nichts. Stich für Stich, aber er würde keinen Ton von sich geben. Diesen Gefallen würde er ihr niemals tun. ER blieb stumm, obwohl er innerlich vor Schmerzen schrie.


„Tut das gut?“ Ein feuchtes kühles Tuch wurde Willow auf seine geschwollenen Stellen gelegt. Theresa eine der Mägde versorgte die Hornissenstiche. Willow hatte Glück gehabt, einer der Holzarbeiter hatte Scarlett entdeckt und rettete den Jungen aus seiner Falle. Doch eine Bestrafung bekam Scarlett nicht, es war allen egal, was mit Willow geschieht, Hauptsache ihnen widerfährt nicht dasselbe.
Außer Theresa, sie kümmerte sich immer liebevoll um Willow, in ihr sah er bereits so etwas wie eine große Schwester.
„Dieses Kind ist schrecklich, was denkt sich dieses Biest nur dabei?“, schimpfte sie. Willow starrte mit traurigem Blick auf die Dielen, worauf sie ihn mit einem mitfühlenden Blick musterte. „Du tust mir so furchtbar Leid, solch Grausamkeiten hat niemand verdient, schon gar nicht so ein lieber Junge wie du“ Vorsichtig nahm sie seine geschwollene Hand. Sein Gesicht war komplett zerstochen, auf seinem linken Augen konnte er kaum noch sehen. Theresa hätte ihm so gerne geholfen, dem kleinen, stummen Knaben, der so unglaublich gequält wurde. Jedoch konnte sie das nicht. Sie war selbst nicht viel mehr wer als er, hatte selbst nicht viel zu sagen. „Vielleicht“, setzte sie an und ließ seine Hand los. „ Solltest du weglaufen, denn früher oder später, wird sie dich umbringen, so wie die anderen“ Willow schluckte.
„ Nein…ich rede bloß Unsinn“ Sie zwang sich zu einem Lächeln. „ Ich werde das niemals zulassen, eher will ich bei dem Versuch dich zu bewahren sterben, als nichts zu tun, hörst du?“ Er nickte, aber insgeheim wusste er, dass es für ihn keine Rettung gab.

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Kommentare

Lilly schrieb am 2009-11-11 17:56:28:
Wirklich gut!!! Dieses Kind hat etwas von einer späteren Massenmörderin....
Veronica Wallner schrieb am 2009-11-06 19:56:44:
cool, mir gefällt die schreibweise von dem ersten absatz ;-) lese jetzt auch gleich den 2.teil

Lg Veronica
Celebration schrieb am 2009-11-06 19:18:08:
Omg,schreckliche Geschichte,aber schön geschrieben (:

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