Der Sohn und der Vater
von
Harryman
Geschrieben auf der Grundlage von dem Lied:
"Vaterland" von "Konstatin Wecker"
Der Vater hielt noch immer die Fahne mit den Hakenkreuz in der Hand , als
sein Sohn ins Zimmer kam. Als er bemerkte was sein Vater in der Hand hielt
huschte ein Schimmer von Überraschung über das sein Antlitz. Kurz darauf
reckte er sich zu voller Größe und ein unheilvoller Stolz trat in sein
Gesicht. Dieser Ausdruck trieb seinem Vater die Angst hoch. Leise und
fassungslos fragte der Vater den Sohn , "Hast du eine Ahnung was du da machst?".
-"Natürlich weiß ich es ! Ich sorge dafür, dass mein Land wieder das wird,
was es einmal war. Damit es wieder zu vollen Glanz aufsteigen kann." Ungläubig blickte
der Vater in das Gesicht seines Sohnes. "Warte bitte hier, ich bin gleich
wieder zurück". Fünf Minuten später kam er beladen mit ein paar Büchern und
einigen DVDs wieder, baute sich vor seinen Sohn auf und sprach, mit aller
Macht in seiner Stimme , die ihm irgend möglich war. "Lies wenigstens eines dieser
Bücher oder schau dir einen dieser Filme an. Wenn du danach deine
Meinung nicht änderst werde ich dich nicht weiter hindern." Wortlos nahm
der Sohn den Stapel vom Vater entgegen und ging in sein Zimmer. Zwei Tage
später sprach der Vater erneut mit seinen Sohn. "Und? Ich hab mir die Bücher
angesehen und auch die Filme , dass ist doch alles bloß Augenwischerei ,
ich kenne die Wahrheit." Der Vater blickte seinem eigen Fleisch und Blut ungläubig in
die Augen. In diesen stand ein Funke von Hass und Verachtung. "Vater ,
glaubst du an diesen Dreck?". Mit leiser, nahezu kraftloser Stimme antwortete der Vater. "Ja ,Sohn! Ich
glaube daran!". Der Funke verwandeltet sich in ein loderndes Feuer das heiß in dem Sohn
brannte. Er schmiss dem Vater die Bücher und die DVD`s vor die Füße ,
drehte auf dem Absatz herum und ging in sein
Zimmer. Der Vater sank in seinen Sessel ; Mut- und Kraftlos sackte er in
sich zusammen. Der Sohn packte seine Sachen und verschwand aus dem Haus. Eine
Woche später kam er wieder weil er etwas vergessen hatte. Er öffnete die
Tür. Kalter Rauch umschlang seinen Körper und er roch den Dunst vom Bier in der
Luft. Als er sich umblickte sah er seinen Vater wie er in seinen Sessel saß
vor ihm leere Flaschen und ein Aschenbecher. Er rauchte gerade eine Zigarette.
Sie glomm zwischen seinen Fingern die mit dem Arm kraftlos am Sessel
herunterhingen, und sich nur selten widerwillig hoben um den Glimmstängel zum Mund zu
führen. Hätte der Sohn nicht solchen Hass auf seinen Vater entwickelt würde
er jetzt Mitleid empfinden. Der Vater trug noch immer die selben Sachen wie
vor einer Woche. Und an seinen Wangen zeigte sich Bartwuchs. Er schien ihn nicht zu
bemerken. Was nicht verwunderlich war , denn der Vater hörte laute Musik.
Der Sohn glaubte sie zu erkennen konnte sich aber nicht erinnern wer es war. Er ging
in sein Zimmer und packte die restlichen Sachen zusammen. Und war grade im
Begriff durch die Tür nach draußen zu verschwinden, da drehte er sich doch
noch einmal zu seinem Vater um. "Warum wehrst du dich so dagegen Vater? Es
ist doch unser Recht!". Der Vater drehte sich zu ihm um und da erst sah er das volle Ausmaß der
Veränderung. Er schien um Jahre gealtert. Sein Gesicht wirkte vollkommen
kraftlos und eingefallen. Er blickte seinen Sohn mit diesen Stahlgrauen
Augen an, die so voll Hoffnungslosigkeit waren, dass es einem durch Mark und Bein
fuhr. Zuerst wollte der Vater zu einer Erklärung ansetzten, dann aber
schloss den Mund wieder. Er wandte sich ab von seinem Sohn und sprach "Wenn es einen
Sinn hätte würde ich es dir sagen. Aber es hat keinen. Eigentlich dachte ich, du
wärst schlau genug um diese Geschichten zu durchblicken aber ich habe mich
wohl geirrt. Schlau bist du, keine Frage! Aber ich habe einfach versagt,
Sohn, und das werde ich mir nie verzeihen. Ich habe versagt dir zu zeigen was das,
was du tust wirklich bedeutet." Er schwieg und es schien als wolle er nichts
mehr sagen. Als sich der Sohn abwandte erhob der Vater aber doch noch mal die
Stimme. Sie war auf einmal sehr kraftvoll aber dennoch leer.Das, was sie
kraftvoll machte war eine steinharte Entschlossenheit , die in ihr
mitschwang. "Sohn, eine Sache noch. Ich ahne was kommen wird, deswegen habe ich eine letzte
bitte an dich. Ich will nicht mehr erleben was passieren wird, aber ich habe nicht
genug Mut es selbst zu Ende zu bringen. Würdest du es tun?" Der Sohn
stellte die Tasche ab und ging zu seinem Vater. Er nahm die Waffe ,die der Vater auf
dem Tisch liegen hatte. Zwischendurch zischte er ein boshaftes "Feigling". Er
lud die Waffe durch und legte auf seinen Vater an. Die Kühle des Metalls
drang in seinen Hand und er fühlte die Macht. Ein grausames Grinsen setzte sich auf
seine Lippen. Auf einmal durchzuckte ihn ein Gedanke , der so heftig war,
dass er zusammenzuckte. "Was hatte der Leiter seiner Ortsgruppe gesagt?" dachte
er bei sich. "Wir wollen unser Vaterland wieder für uns alle golden machen.
Und all jene die jetzt noch nicht verstehen werden es verstehen wenn wir es
geschafft habe." Das dachte müsse auch für seinen Vater zutreffen. Nun aber
wollte dieser nicht mehr leben weil er sich so sehr fürchtete ,vor dem, was
kommen würde. Woher aber sollte sein Vater wissen was passieren würde? Es
würden doch goldene Zeiten kommen. Egal wie verblendet man war, der Wunsch nach dem Tod
schien übertrieben. Langsam krochen Zweifel
in ihm hoch. Und sie nagten an seinen Weltbild; noch war es fest und
standhaft aber wie lange würde das so bleiben?. Dann kamen Erinnerungen an die Bücher
und Videos. Man hatte ihm gesagt, das alles sei nicht wirklich wahr ,aber echte Beweise
hatte er dafür nie gesehen. Aber konnte er sich so sehr geirrt haben? Er war wirklich nicht
dumm. Also konnte er sich wirklich so geirrt haben? Die schlechten Zustände in
seinen Land und die schwarze Zukunft hatte ihn zu den rechten getrieben, wo
man ihm Gründe nannte, die plausibel klangen, über die man nicht nachdachte,
weil sie stimmen mussten. Aber waren das wirklich die Gründe dafür, dass es dem
Land so schlecht ging? Er dachte an andere Länder wo es schlimmer war als hier,
wesentlich schlimmer und die Gründe dafür lagen offen auf der Hand. Aber
dort wehrte man sich nicht dagegen, man machte das Beste daraus. Und hier in
seinen Land wo die Gründe bei weiten nicht so offen lagen war der Widerstand so
groß, so machtvoll. Warum?
Dann brach sein Weltbild zusammen. Es war hart wie Granit gewesen, aber nun
es brach zusammen wie ein Kartenhaus bei einem leisen Windhauch. Er wusste zwar
nicht, was die Gründe waren- aber eines wusste er: Es waren nicht die Gründe, die man
ihn gelehrt hatte. Die er so verehrt hatte. Und er erkannte seinen Fehler.
Seine Führer waren nicht auf das goldene Vaterland aus, sondern auf Macht. Wie
eine Sekte. Mit diesen Gedanken fiel er auf die Knie und lehnte den Kopf an den
Sessel. Tränen ließen seinen blick verschwimmen. Auf einmal merkte er wie
sein Vater im durchs Haar strich. Und er sagte mit einer von Tränen begleiteten
Stimme. "Also ist doch noch nicht alle Hoffnung vergebens.".
Kommentare
kuroikuma@hotmail.com schrieb:
Hi Harryman,
ich muss sagen krass ich habe schon viel über die Nazi-Zeit gelsesen und Filme angeschaut, habe sogar über Hitler ein Referat gehalten und doch bin ich immer wieder schockiert.
Ganz ehrlich die Geschichte erinnert mich leicht an "American History X"
Aber die Geschichte ist super geschrieben und zum Asdruck gebracht worden.
Mach weiter so!
Mfg Erkan
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