Geschichte einsenden Links & Rings AGBs Impressum
Kategorieauswahl
Wir freuen uns über jeden Autor, der hier auf Storyparadies.de seine Geschichten veröffentlichen möchte.Da jeder Autor Feedback braucht, sind Kommentare, solange es sich um konstruktive Kritik handelt, möglich und auch ausdrücklich erwünscht. Bitte verwenden Sie zur Einsendung der Geschichten und Kommentare unser Formular und beachten Sie dabei unsere Regeln.
Suche


Kategorien > Gedicht > Erkenntnis

Der Spaziergang.

von Polly

1

Der Spaziergang.

Sich das Leben nehmen,
das war Annas Plan gewesen,
für einen verregneten Sonntag im Mai.
Doch es lag nicht am Wetter,
vielmehr an ihr selbst,
diesen entscheidenden Schritt zu tun.

Tabletten hatte sie im Haus gesucht,
fand aber nicht mehr als zwei, drei.
Da nahm sie ein Messer, ein kleines, ganz scharfes,
für die Pulsadern, an jedem Arm zwei
Schnitte wollte sie ziehen und schauen
wie das Blut dick und warm herausgequillend kam.

Voller Verzweiflung war sie gewesen
und das Gesicht von Tränen ganz nass
setzte sie das Messer an,
als vor der Tür im strömenden Regen
ein Freund um Einlass bittend stand.

Das Messer entglitt ihr und sie ließ ihn herein,
er kannte nicht ihren Plan,
darum lud er sie ein in die Kälte zu gehen,
ein kleiner Spaziergang zu Zweit.

Er sah ihre Tränen und fragte danach,
doch Anna winkte ab,
zog sich Mütze, Schal und Jacke über
und öffnete die Tür.

Der Wind war kalt und Anna fror,
da nahm der Freund sie in den Arm
und als er zu erzählen begann,
ganz unverfangen, was so war,
da musste Anna plötzlich lächeln,
zum ersten Mal in diesem Jahr.

„Bleib kurz stehen und schau!
in der Fabrik da drüben,
was glaubst Du, wie viel Menschen dort,
tagein tagaus ihr Dasein fristen?
Niemand fragt nach ihren Wünschen,
keiner kennt die Ängste derer,
die dort am malochen sind.“

Und Anna kam ins grübeln,
die Fabrik sah wirklich schrecklich aus,
da konnte sie sich glücklich schätzen,
kein Teil dieser Maschinerie zu sein.


Sie bogen rechts in eine Straße ein,
entfernten sich von der Fabrik
und liefen geradewegs in dichtem Regen
auf den dunklen Stadtpark zu.

„Da vorne gleich,
mein Kindergarten,
wo ich früher so gerne war,
stell Dir vor, muss ich Dir erzählen,
in der Woche, da gab's 'nen besonderen Tag,
An diesem Tag, ich glaub' es war Mittwochs,
da holte mich mein Opa ab,
und versteckte heimlich in der Jacke
meinen allergrößten Traum!

Er schnallte mir die Rollen an
und ich konnte es kaum erwarten,
ihn endlich in den Arm zu nehmen,
bevor ich ihm rollend entschwand.“

Zum zweiten Mal in diesem Jahr
kam ein Lächeln in Annas Gesicht,
sie dachte an die Zeit zurück,
als der Rollschuhe ihr Ein und Alles war.

„Und dann einmal, es war im Sommer,
verschwand mein Bruder mit anderen Jungs,
sie kletterten heimlich über den Zaun,
und spielten im Park Verstecken und Ball.

Im Kindergarten flossen Tränen
voller Angst und Schuldgefühl,
die Polizei war da und wütende Eltern,
schlimme Stunden für das Personal.

Doch dann begannen sie zu frieren,
jene Kinder, die ausgebüxt war'n,
sie liefen zurück, abends schliefen sie gut,
denn sie hatten ihr Abenteuer gehabt.“

Und Anna grübelte erneut
über Mut und Regeln brechen,
wollte wie die kleinen Kinder
machen was nur IHR Spaß macht
und dabei nicht an Morgen denken.

Durchnässt kamen sie an der Wohnung an,
wo im Badezimmer noch das Messer lag,
da hatte Anna ihren Plan geändert,
und freute sich auf den nächsten Tag.




1

Kommentare

Traumfänger schrieb am 2009-01-29 12:35:30:
Gefällt mir.

Kommentar hinzufügen



Aufgrund des extremen Mißbrauchs der Kommentarfunktion sind wir leider gezwungen, die Kommentare ab sofort redaktionell zu überprüfen. Wir bitten um Ihr Verständnis.