Der Spaziergang
von
Francis
1
Sie verstand es nicht. Wie konnte sie auch? Es schien so, als hätte sich das gesammte Universum gegen sie verschworen, als sollte es ihr einfach nicht leicht sein, das zu tun, was sie für richtig hielt, nein. Immer meinten alle, es besser zu wissen. Wie immer eben, wenn man jemanden zu kennen glaubt und endlich einmal vorraussagen will, wann jemand zusammen kommt. Selbst ihre längste Freundin hatte ihr von ihren Ermutungen erzählt.
Sheena konnte nicht mehr. Sie riss ihren Schlüssel an sich, schlüpfte schnell in ihre weinroten Chucks und ließ ihre Jacke über sich fliegen, sodass sie sie schließlich einhüllte. Dann ein schnelles "Tschüß" gebrüllt und endlich in Freiheit, endlich im Wind, frische Luft. Sie atmete tief ein, hatte sie doch die Enge zu Hause nicht mehr ertragen. Nun stopfte sie ihre Hände in die Jackentaschen und ging mit großen Schritten irgendwo hin. Heute war es ihr mal wieder egal, sie musste nachdenken, nicht die Welt bestaunen, das war nur Nebensache.
Doch egal wie schnell sie ging, ihre Gedanken hatten sie schon wieder eingeholt. Es war schon wieder passiert. Schon wieder hatte jemand solch deutliche Andeutungen gemacht, schon wieder. Sheena dachte darüber nach, wer denn noch nicht zu glauben dachte, dass sich zwischen ihnen beiden etwas entwickeln würde und sie und ihr bester Freund doch ein ach so tolles Paar wären.
Nach einigem Hinundher war die letzte Person ihre beste Freundin. Danke. Und der hatte sie schon bei der ersten dieser Andeutungen ihr Unbehagen erklärt, wenn sie solche Gedanken jemals gehabt hätte, hätte sie ihr diese also niemals mitgeteilt.
Sheena kam sich sehr allein gelassen vor. Ihr Schwester, längste Freundin, vielleicht ihre beste Freundin und noch ihre beiden anderen engen Kumpel - und nicht zu vergessen 8 andere Freundinnen - hatten allesamt für eine Partnerschaft plädiert. Dabei waren sich Sheena und Sebastian doch einig, sie hatten sogar darüber gesprochen: Zwischen ihnen beiden würde keine Partnerschaft funktionieren, dafür waren sie zu verschieden und hatten zu verschiedene Ansichten und Ansprüche an eine Partnerschaft.
Sie schüttelte sich, in der Hoffnung, genauso auch den Gedanken zu verlieren. Aber es half nichts. Okay, wenn es dir so 4 bis höchstens 5 Menschen sagen, kannst du dich ja noch rausreden, aber das wurde jetzt einfach zu viel, zu viel für sie.
Tränen stiegen ihr in ihre Augen, bei dem Gedanken, es könnte ihre Freundschaft zerstören, er war ihr einfach so viel zu wichtig! Er war der unnormalste Mensch, der ihr je begegnet war und es hatte ewig gedauert, bis sie sogar aus seinem Schritt lesen konnte, wie es ihm ging. Sie war auch die erste gewesen, die bemerkt hatte, als sich Sebastians Freundin von ihm getrennt hatte, die er eigentlich immer noch liebte. Nein, sie würde sehr um diese Freundschaft kämpfen!
Moment - das war hier doch gar nicht wichtig! Sie ärgerte sich über sich selbst, dass sie den Meinungen der anderen Leute so viel Bedeutung schenkte.
Sie schüttelte den Kopf und blickte hoch: Sie stand vor ihrer Haustür, na das passte ja! Wie war sie nur wieder hier her gekommen? Oder war sie gar nicht wirklich gelaufen? War sie nur auf einer Stelle getreten? Oder doch im Kreis gelaufen?
Wie auch immer, jetzt fiel ihr erst auf, wie kalt ihr war! Also hinein in das warme, geborgene Zuhause....
1
Kommentare
Francis schrieb am 2007-02-15 21:44:15:
Danke....ich hab eine Fortsetzung unter dem einfallsreichen Titel "Der Spaziergang 2" geschrieben...vllt gefällt dir das Ende ja...?!
mfg Francis
Caro schrieb am 2007-02-08 12:35:16:
hallo Francis,
echt eine schöne geschichte aber wie gehts weiter??
mfg Caro
Kommentar hinzufügen