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Kategorien > Sonstiges > Anderes

Der Sturm

von Charly Brown

Der Sturm, der sich vor mir zusammenbraute machte mir keine größeren Sorgen.
Ich hatte schon erheblich schlimmere hier auf meinem alten Kahn überstanden und so hielt ich munter auf die schwarzen Wolken zu.
Die Fracht hatte ich gut gesichert, fast 5 Jahre hatte ich dafür gebraucht, doch nun war sie fest verankert.
Aber als die ersten Ausläufer des Sturms mich ereilten, musste ich bemerken, dass eines der beiden größten und wichtigsten Frachtstücke sich schon nach ein wenig schaukeln gelöst hatte und es bedarf sehr viel Kraft es wieder zu befestigen. Zweifel schlichen sich bei mir ein, hatte ich denn nicht gerades diese am gründlichsten befestigt?

Der Sturm brach auf einmal in seiner vollen Kraft los und die Wellen erreichten Höhen, wie ich sie noch niemals gesehen hatte.
Mein alter Kahn tanzte nur so auf den Wellen und wurde hin und her geschmissen. Ein grausamer Gedanke ergriff von mir Besitz, sollte er vielleicht doch nicht unsinkbar sein? Irrsinn, natürlich war er unsinkbar, wenn nicht dieser Kahn bestand hatte, dann nichts im Leben.
Die nächste Welle schlug auf dem Deck ein und räumte sie von allem unwichtigerem Ballast.
Doch die nächste war verheerend, sie durchschlug das Band zwischen dem Kahn und meiner wichtigsten Fracht, die nun wie von Geisterhand geleitet ein Frachtstück nach dem anderen bei ihrem wilden Tanz über das Deck in die Fluten stoßte.
Leere, keins meiner so wertvollen Stücke war noch an Deck!
Was sollte ich jetzt nur tun?
Ich zog mich in die Kajüte zurück und sah meine Bordkiste, in der ich all meine persönlichen Dinge, während der Fahrt, aufbewahre. Ich werfe einen Blick hinein und sehe ein paar Bilder, Kleidung und einzelne Schriftrollen.
Ich höre wie der Mast bricht. Von nun an wird es sehr schwer werden den Kahn bei diesem Sturm noch zu steuern. Aber irgendwie werde ich das schon meistern.
Die nächste Welle schlägt direkt auf meine Unterkunft und reißt diese von Bord, mitsamt meiner geliebten Kiste, in der alles war, was mich ausmachte.
Doch die nächste mächtige Wasserwoge brach eine Überraschung mit sich.
Anstelle mir das Leben zu nehmen, schlug sie nur kurz auf dem Deck auf und hinterließ dort eine andere Bordkiste. Sie musste irgendjemand anderem gehören, denn die Vertäfellungen an ihr waren mir fremd.

Ich schlug sie auf und sah das Leben eines Anderen vor mir. Ein Besseres, mit schöner Kleidung und schönen Bildern von schönen Leuten. Nur die Pergamente fehlten.

Ich hatte gerade das schönste Hemd aus der Truhe genommen und es mir übergestreift, da nahm mir die nächste Welle auch schon wieder die neue Identität eines Anderen.

Verzweiflung, nichts als Verzweiflung in diesem Sturm. Es wollte einfach nichts Bestand haben.
Ich griff in meine Hosentasche und entdeckte dort ein wenig Kleingeld, es begleitete mich schon seit beginn der Fahrt. Ich nahm es in beide Hände und schwor mir es nie wieder loszulassen, es war das letzte was mir geblieben war.

Immer wieder wurden die Kisten von anderen an Bord gespült, doch ich hielt das Geld weiter fest umklammert und war nun unfähig nach ihnen zu greifen.

Kommentare

. schrieb:
Hallo,

im Grunde hat mir Deine Geschichte schon gefallen. Ich denke, das ein (tieferer) Sinn dahintersteckt, den ich zwar erkenne, aber leider nicht direkt greifen kann. Deswegen habe ich es auch nicht so recht verstanden, weil mir eben die letzte tiefe Einsicht gefehlt hat.
Warum sitzt er in einem Kahn? Warum in keinem Ruderboot, Frachter oder Schiff?
Was für eine Fracht muss man fünf Jahre lang befestigen? Im Endresultat scheinen es dann doch nur Kisten zu sein. (Metapher?)
„Mein alter Kahn tanzte nur so auf den Wellen und wurde hin und her geschmissen.“ Ich finde, hier würde ein „geworfen“ ein wenig besser passen.
„...Deck in die Fluten stoßte.“
Welche Wasserwelle schafft es, ein Band zu durchschlagen? Ab etwa der Mitte des Textes gibt es einen Zeitenwechsel, der nicht so ganz passen will.
So, das aber dazu. Dein Stil hat mir gefallen, die Geschichte war flüssig zu lesen. Es ist auf jeden Fall ein Text, über den man im Nachhinein noch mal nachdenken muss und das finde ich gut. Leider war, wie gesagt, (nur für mich?) nichts zu greifen. Trotzdem gut gemacht.

Liebe Grüße
Soleil
Charly Brown schrieb:
Hallo Soleil,

zunächst danke ich dir für den Kommentar zur Geschichte. Ich gebe dir Recht, dass der tiefere Sinn dieser Geschichte, ohne dass man mich kennt nur schwer nachvollziehbar ist. Zu meiner Verteidigung, es war mein erster Gehversuch im Schreiben.
Aber nun zu den Fragen.
Ich habe mich für den Ausdruck "Kahn" entschieden, da ich damit ein betagtes Schiff assoziiere, das schon so manches in seiner Geschichte miterlebt hat.

Die Fracht ist eine Metapher für alles, was man im Leben mit sich trägt und was einem das Leben verschönt oder belastet. Freundschaft, Liebe oder auch Ehrgeiz. Um diese Dinge zu verfestigen bracht man Zeit. In meinem Fall für vermeidliche Freundschaft 5 Jahre.

Stilistisch muss ich gestehen hat die Geschichte mehrere Schwachstellen. Aber leider habe ich noch keinen Weg gefunden eingestellte Geschichten zu überarbeiten.

Das Wasser auf dem der Kahn tanzt symbolisiert für mich ein wenig das Leben und der Sturm stellt Probleme da, die die ruhige Fahrt erschweren und behindert und manchesmal Verluste einfordern.

Gruß
. schrieb:
Hallo Charly,

so wie Du es beschreibst, so habe ich es auch verstanden. Ich hatte nur das Gefühl, es müsse noch mehr geben, was Du sagen wolltest und ich war mir nicht sicher, was das sein sollte. Vor allem durch das Ende war ich ein wenig unschlüssig.
Dein Stil war aber immerhin so, das ich gern noch mehr von Dir lesen würde, eben weil ein (versteckter) Sinn dahintersteht.

Liebe Grüße
Soleil

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