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Kategorien > Weihnachten > Eine Tanne erzählt

Der Tannenbaum

von Tina

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Dies ist eine authentische Geschichte, die aber nicht mir, sondern meiner
Freundin Monika passierte. Durch ihre lebhafte Schilderung in einer email kam ich auf die Idee, eine Geschichte daraus zu machen.



Der Tannenbaum, der kein Weihnachten mochte

Draußen vom Walde komm ich her, ach herrje, es weihnachtet sehr. Wenn ich mir diesen Kitsch in den Fenstern der Nachbarhäuser angucke, wird mir ganz anders. Engelchen, Lichterbäume, Sterne, Glocken und was nicht alles.

Der Gärtner, der uns hier ständig begriffelte und nach Größe und Qualität sortierte, packte mich zusammen mit einer zweiten Tanne auf seinen Lieferwagen und fuhr los. Ich unterhielt mich ein bisschen mit meinem Leidensgenossen. "Na Kumpel, freust du dich auch schon auf Weihnachten?", fragte ich ihn mit einem ironischen Unterton.

"Hör bloß auf", brummte er zurück. "Wenn ich mir vorstelle, dass ich ganze zwei Wochen steif und stumm in einer Ecke stehen muss und vor mich hintrockne, bis meine Nadeln abfallen ... ein scheußlicher Gedanke. Da würde ich lieber so frisch wie ich jetzt noch bin, den Elefanten im Zoo als Nahrung dienen. Die haben mich dann wenigstens zum Fressen gern."

"Elefanten?", fragte ich irritiert. "Ich hab' da ein Gespräch mitbekommen zwischen einem kleinen Mädchen und ihrem Papa, die kamen gestern bei uns am Zaun vorbei. Die Kurze fragte Papa, was denn mit uns Tannenbäumen nach dem Weihnachtsfest gemacht würde. Er sagte ihr, dass die Bäume kleingehackt und die Zweige dann an die Elefanten im Zoo verfüttert würden. Das wäre eine Delikatesse für die Dickhäuter, sagte er."

Der Gärtner war inzwischen am Ziel angekommen und holte erst meinen Kumpel und dann auch mich von der Ladefläche. Er brachte uns zu einer älteren Dame hin. Was will die mit zwei Tannenbäumen? "Grüß Gott, Frau Reil. Welchen hätten's denn gern?", fragte der Gärtner die Frau.

Aha, sie soll sich für einen von uns entscheiden. "Na klasse", knurrte mein Kumpel, "hoffentlich nimmt sie dich, dann habe ich noch ein bisschen Schonfrist." - "Ich nehme den da", sagte die Dame kurzentschlossen und zeigt auf mich. "Stellen Sie ihn da hinten hin, da kann er nicht umfallen."

Der Gärtner stellt mich in einer windgeschützten Ecke ab. Wie? Ist etwa noch kein Heilig Abend? Oder feiern die Weihnachten dieses Jahr draußen? Brrr. Dürfte schwierig werden bei den klirrenden Temperaturen und dem Schnee. Wahrscheinlich sollte ich noch ein bisschen frisch bleiben.

Drei Tage hatte es gedauert, bis die mich endlich reingeholt haben. Die ältere Dame hatte sich eine jüngere Frau zur Verstärkung geholt. Der Unterhaltung nach zu urteilen, müssten die beiden Mutter und Tochter gewesen sein.

Die haben sich ganz schön abgequält mit mir, hihihi. Durch das lange stehen war das ganze Wasser aus den Zellen nach unten in den Stamm gesackt. Dadurch hatte ich mehr Gewicht bekommen.

Und da ich ja etwas über zwei Meter groß bin und die beiden mit mir unbedingt noch die Treppe zur oberen Etage hochklettern mussten, waren sie entsprechend erschöpft. Nachdem ich in diesem komischen gusseisenen Topf reingestellt und festgeklemmt worden war, war erstmal verschnaufen und Kaffee trinken angesagt.

Nach einer Weile kam die jüngere Frau zu mir und betrachtete mich skeptisch. 'Was ist los, Mädel? Gefalle ich dir nicht, oder warum machst du so ein Gesicht? Ach, ich stehe verkehrt, meinst du?' Sie legte sich auf den Boden und versuchte, mich mitsamt dem Topf zu drehen.

'Nicht so ruckartig, Mädel, das kommt nicht so gut. Ich stehe nämlich noch nicht ri...hichtig, huaaaah!' Hups! Ich fiel ihr direkt in die Arme. Die Frau fing mich auf und machte dann mit einer Hand merkwürdige Klopfzeichen auf dem Fußboden. 'Wenn du Glück brauchst, Mädel, musst du auf Holz klopfen, nicht auf Teppich.'

Die ältere Dame kam angelaufen und fragte, was passiert wäre. Dann sah sie, dass ihre Tochter fast unter mir begraben war und half ihr, mich wieder hochzuheben. Monika, die jüngere Frau, fixierte mich wieder im Ständer. Autsch! Die Zacken von den Schraubklammern fingen an, mich zu pisacken. Manno, es war doch nicht meine Schuld, dass ich umgekippt bin.

Gegen Abend holte Monika das ganze Weihnachtsgebamsel aus dem Speicher. Drei Lichterketten, altmodische Kugeln in silber und altrosa und drei silberne, kitschige Girlanden, die wohl eher in die Zeit der 20er Jahre passen würden. Sie nahm die erste Lichterkette zur Hand und begann meine Zweige damit zu bestücken.

'Mach mal, du wirst schon sehen, was du davon hast.' Ich hatte nur auf einen günstigen Moment gewartet, um mein Kunststück nochmal zum Besten geben zu können. Monika holte schwungvoll aus, um das Ende der Lichterkette über die Spitze zur anderen Seite zu befördern. Und hops!

Diesmal hatte ich mich absichtlich fallen lassen, als sie mit der Lichterkette meine Zweige anstupste. Wieder fing sie mich auf und klopfte auf den Fußboden. Das ist zwar eine merkwürdige Art zu kommunizieren, aber diese Methode funktionierte, denn die Mutter kam wieder angelaufen, um zu helfen.

Mit vereinten Kräften ging es zurück in den Schraubklammerntopf und ich wurde noch einmal festgeklemmt. Danach hatte ich erstmal Ruhe. Monika griff zum Telefonhörer, um jemanden anzurufen. "Ich wünsche dir schöne Feiertage", hörte ich sie sagen. Dann gab sie den Hörer an ihre Mutter weiter und kam in meine Richtung.

Wieder fing sie an, mit der Lichterkette herumzufuchteln. 'Wie oft muss ich denn noch umkippen, damit du endlich begreifst, dass ich keine Weihnachtsdekoration sein will?' Sie gab nicht auf, also kam es, wie es kommen musste. Schwupp, plumps, wieder fiel ich um. Mutter legte schnell den Hörer auf und half ein drittes Mal.

Die arme Monika machte inzwischen ein Gesicht wie eine Zitrone. "Jetzt langt's mir aber", sagte sie und anstatt mich wieder festzuklammern, lehnte mich an der Wand neben dem Sideboard an. Endlich hatte sie mich verstanden. Ich hoffte sehnlichst, dass ich nun endlich Ruhe vor diesem ollen Dekozeugs haben würde.

Die junge Frau griff nochmal zum Telefonhörer und erzählte einem gewissen Hannes, was mit mir passiert war. Am anderen Ende der Leitung vernahm ich ein schallendes Gelächter und dann wurde irgendetwas verabredet. Danach hatte die junge Frau sich mir nicht mehr genähert. Gott sei Dank. Statt dessen setzte sie sich vor die Glotze und warf mir nur manchmal giftige Blicke zu. "Na warte", hörte ich sie mal murmeln. Was meinte sie damit?

Am nächsten Tag traf dieser Hannes dann ein. Da es in dem Raum, wo ich stand, sehr warm war, konnte ein großer Teil des Wassers in mir über Nacht verdunsten, was den Vorteil hatte, dass ich um einiges leichter wurde. Leider hatte es zugleich den Nachteil, dass ich meine Kegelpuppenspielerei nicht mehr durchführen konnte, denn jetzt war ich bombenfest in dem Topfständer eingeklemmt und es gab kein entrinnen mehr vor der Weihnachtsdekoration.

Dass sogar Männer diesen Weihnachtskitsch schön finden, überraschte mich

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