Der Teufel trägt Kochschürzen
von
Christina H.
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Das ist nur der Auftakt zu einer viel längeren Geschichte, aber die ist - wie gesagt - viel zu lang, um sie ganz aufzuschreiben ;)
Ich hasse es.
Ich habe zwar keine Ahnung, wie oft ich das jetzt schon gedacht habe, aber es ist erstaunlich, wie zutreffend es immer noch ist. Das ist doch abnormal – wie ist es möglich, dass diese Frau mich mit … wie viele sind es? … fünf Wörtern schon in den Wahnsinn treibt???
Die Rede ist natürlich von meiner absolut unmöglichen Kochlehrerin namens Erna Fellner. Es reicht schon aus, diesen Namen zu hören, und sofort bekomme ich Schreianfälle und/oder Depressionen. Bis jetzt konnte ich es noch vermeiden, ohnmächtig zu werden, aber ich bin mir sicher, wenn das so weiter geht, schaffe ich das sicher noch.
Vielleicht sollte ich lieber ganz von vorne beginnen, und zwar ganz am Anfang. Der Tag, an dem ich meine persönliche Hölle zum ersten Mal kennen gelernt habe.
Meine erste Kochstunde.
Nun, vielleicht nicht das allererste Mal, schließlich habe ich sie vorher auch schon einmal gesehen – wir hatten bloß Theorieunterricht, sie erklärte nur, wie die Kochstunden bei ihr so ablaufen. Und sie hat mich nicht mit einem Wort – nicht mit einem einzigen Wort! – darauf vorbereitet, was ich jetzt jede Woche erdulden muss. Es zeugt von meiner Ahnungslosigkeit, dass ich sie damals noch für eine nette und höfliche Frau gehalten habe. Und so sieht sie ja eigentlich auch aus. Ordentliche Frisur (auch wenn ich mir die Haare im Leben nicht so kurz schneiden würde), ganz gute Manieren und eine ruhige Stimme. Tja, jedenfalls solange sie außerhalb einer Lehrküche ist.
Mein erster Eindruck von Erna Fellner war jedenfalls ein ziemlich positiver. Mein Jahresamt klang auch ziemlich einfach – ich muss bloß am Anfang der Stunde die Messertaschen aus einem Schließfach holen und sie am Ende wieder zurück bringen – dasselbe mit dem Lebensmittelkästchen. Damals war ich der Meinung, ich hatte es ziemlich gut erwischt, und ich sah meiner ersten Kochstunde ohne große Panikanfälle entgegen.
Wir waren gleich am Anfang zur Jause eingeteilt, was bedeutet, unsere Kochgruppe macht die belegten Brote, Kuchen und das Obst für das gesunde Jausenbuffet unserer Schule. Meine Aufgabe dabei war eine ziemlich simple – ich musste schlicht und einfach die Käseweckerl durchschneiden und jeweils ein Salatblatt und eine Gurke drauflegen – sogar jemand wie ich, der von Kochen überhaupt keine Ahnung hat, kriegt das hin. Und nach dieser ziemlich stressigen Stunde, die aber alles in Allem ganz gut gelaufen ist, saßen wir gähnend und trübäugig noch drei Stunden lang im Speisesaal und hörten uns Fellners Vortrag über Tellertragen und Tischdecken an.
Das war dann die Stunde, in der ich mir sicher war, dass mir Kochen vielleicht doch halbwegs viel Spaß machen könnte. Wie gesagt – ich hatte damals wirklich noch keine Ahnung.
In unserer ersten richtigen Stunde übten wir die Schneidetechniken. Das fing insofern schon mal gut an, dass ich erst um fünf Uhr nachmittags am Vortrag einen Blick auf unser Mengenblatt warf und feststellte, dass ich den ganzen Kram, den ich zerschnippeln sollte, selbst mitbringen musste. Gott sei Dank war meine Mutter gerade unterwegs, und sie brachte mir sämtliches Gemüse mit. Ich will mir gar nicht vorstellen, was passiert wäre, wenn ich in die Schule gekommen wäre, in die Lehrküche Drei gegangen wäre und zugeschaut hätte, wie alle anderen ihre Zwiebeln und Karotten und so weiter ausgepackt hätten. Und vor allem will ich mir nicht vorstellen, wie Fellner mich angesehen hätte!
Jetzt stellte ich auch fest, dass mein Jahresamt doch nicht so lustig ist, wie ich das vielleicht angenommen hatte, denn sämtliche Messersets sind unmöglich in einer Hand zu halten, was allerdings so sein muss, da ich ansonsten die andere Hand nicht frei habe, um das blöde Schließfach wieder abzusperren. Also kann ich zweimal gehen. Und das Lebensmittelkästchen vergaß ich natürlich glatt.
Kurz – es war eine Katastrophe. Meine Kohlrabi schälte ich nicht nur, ich schnitt auch gleich die Hälfte vom Essbaren weg, was Fellner zu der so ziemlich ersten spitzen Bemerkung mir gegenüber veranlasste, was das denn sein solle. Den Paprika putzte ich eher mit der Hand als mit dem Gemüsemesser – natürlich nur, wenn sie gerade nicht hergesehen hat. Meine Verzweiflung vergrößerte sich immer mehr, da Janina – die mir gegenüber stand – natürlich alles genauso hingekriegte, wie Fellner sich das vorstellte. Und die Krönung dieser wunderbaren Stunde voller nicht funktionierender Gemüseschäler („Das musst du zur Firma Pascha bringen, die reparieren das wieder.“) und viel zu grob gehackter Petersilie war natürlich, als ich versuchte, die Zwiebel und die Karotten in dieselbe Plastikschüssel zu verpacken. Fellner brüllte mir durch den ganzen Raum zu, was ich mir nur dabei gedacht hätte. Natürlich fiel mir erst im Nachhinein eine passende Antwort ein, und im entscheidenden Moment murmelte ich etwas völlig geistloses wie „Ja, ähm, also, ich hab mir nicht aufgeschrieben, dass wir mehrere … ähm … Verpackungen mitnehmen müssen, das steht nicht auf dem Dings … Mengenzettel.“
Ich sag ja, es fing nicht gut an.
Zwar bin ich mir nicht sicher, wann genau ihre Abneigung mir gegenüber angefangen hat, aber ich bin mir ziemlich sicher, ihren ursprünglichsten Ursprung hat sie in diesem Moment genommen, als sie meine wild durcheinander gemixten Karotten und Zwiebeln sah.
Als die Stunde vorbei war, fühlte ich mich, gelinde ausgedrückt, erleichtert. Und vor den nächsten Stunden fürchtete ich mich damals schon.
Das ist jetzt die vierte Stunde, die wir in der Lehrküche Drei verbringen, und ich fühle jetzt schon eine richtige Abscheu, wenn ich auch nur in diesen Umkleideraum gehe. Es ist entsetzlich, diese idiotischen Kochklamotten anzuziehen – vor allem weil ich daran aussehe wie einer aus Papas Lieblingsbaseballmannschaft. Wir müssen schließlich zu weißem Baumwollhemd, weißer Hose und Kochschürze auch noch eine farbig passende Baseballkappe aufsetzen, unter der nicht ein winziges Bisschen Haar hervorschauen darf. Was bei meinem Volumen ziemlich schwer zu bewerkstelligen ist – selbst geduldigen Menschen würde bei dem Versuch bald der Kragen platzen, und ich bin eindeutig NICHT geduldig.
Wir haben auch solche speziellen Schuhe, hässliche, klumpige Dinger, die mich an die Schuhe erinnern, die meine Oma zuhause hat, wenn sie Gartenarbeit erledigt. Und natürlich müssen wir vier eigene Geschirrtücher mitnehmen – gebügelt. Obwohl wir in der Lehrküche genug davon herumliegen haben.
Verrückt.
Nach dem pikanten Topfenaufstrich (besagte Stunde mit den Schneidetechniken – hat aber immerhin gut geschmeckt) machten wir noch einen Obstkuchen (köstlich, und ich hab es zum ersten Mal in meinem Leben geschafft, Eier zu trennen, ohne den Dotter im ganzen Raum herumzuspritzen - natürlich gab’s kein Wort der Anerkennung), eine Biskuitroulade (diese Frau spart ziemlich mit der Marmelade) und noch einen Nudelsalat (das kochende Wasser ist mir
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