Der Träumer 2
von
blacknight99
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Felix nahm zwei Finger in den Mund und pfiff laut.
"Aaron!? Wo bist du?"
Keine Antwort.
Es war mal wieder typisch für Aaron, einfach abzuhauen.
"Immer bist du nicht da wenn ich dich brauche!"
Der Wind hatte aufgefrischt und einige Pollen und Blüten wurden wie kleine Fallschirme durch die Luft gewirbelt.
Sofort begann Felix stark zu nießen.
Nach siebenmaligen Nießen hörte der Anfall zum Glück auf.
Felix wischte sich mit dem Ärmel über die triefende, rote Nase.
Es würde nicht mehr lange bis zur Hochsaison des Pollenflugs dauern.Dann würde Felix wieder den ganzen Tag im Haus bleiben müssen und den anderen Kindern vom Fenster aus beim Fußballsspielen zugucken.
Felix Gedanken schweiften wieder ab.
Er stellte sich vor, wie er Wissenschaftler werden würde und ein Mittel gegen Pollen-Allergie finden würde.Dann könnte er auch im Sommer draußen sein.
Felix grief in seine Hosentaschen.Kein Geld, noch nicht einmal ein müder Cent,befand sich in ihen.Also konnte er nicht mit der Bahn fahren.
Oder sollte er einfach schwarz fahren? Wie oft hatte Aaron das nicht schon gemacht.
Aaron war sowieso jemand,der alles mögliche machte.Nur eines nicht:Für die Schule zu lernen.
Deshalb war er schon zweimal sitzen geblieben und befand sich deshalb nun in Felix Klasse.
Felix hatte sich sofort auf merkwürdige Weiße zu Aaron hingezogen gefühlt.
Wenn er mit Aaron zusammen war,verspürte er ein ungeheures Gefühl an Freiheit und Abenteuerlust.
Außerdem erlebte und entdeckte man immer etwas, wenn man mit Aaron zusammen war.
Wie man Zigaretten-Automaten knackte, trotz des Hafenmeisters in den Containerhafen gelangte und wie man in die alten Speicher am Hafen kam.
Und das wollte Felix.Er wollte entdecken und erforschen. Fremde Länder besuchen und neue Menschen kennen lernen.
Es machte ihn fast wahnsinnig tagtäglich an dasselbe Reihenhaus in einem Vorort von Duisburg gebunden zu sein.Täglich hörte er die selben Vögel.Täglich aß er das Gebäck des selben Bäckers.
Er wollte Abenteuer erleben.Die Welt entdecken.
"Hey! Du da!"rief plötzlich eine rauhe, unmelodische Stimme.
Felix blickte sich erschrocken um.
Der fettleibige Hafenmeister kam um Luft ringend angerannt.
Der Brustkorb unter dem ölbefleckten Hemd des Mannes,schien zu bersten.
In der Hand hielt er einen großen Schraubenzieher.
"Verschwinde,Hosenscheißer!"
Felix folgte dieser Einladung nur allzu gerne und nahm die Beine in die Hand.
Er war zwar nciht besonders schnell, doch das lag nicht daran,dass Felix übergewichtig war.
Ganz im Gegenteil.Felix war ein regelrechter Hänfling. Sein rot-weiß kariertes Hemd hing flatternd an seinem dünnen Körper.
Die mittellangen,dunkelblonden Haare wehten im Wind.
Felix lief zwischen zwei großen Containern hindurch.
Doch die beiden Container blideten eine Sackgasse. Vor ihm war nur ein zwei Meter hoher Zaun.Hinter sich hörte er schon die schwerfälligen Schritte des Hafenmeisters.
Felix nahm einige Meter Anlauf und sprang den Zaun hinauf.
Seine Finger suchten im Zaungeflecht wild um Halt.
Er packte an einen lose hervorhängenden Gitterstab,rutschte aber ab und schnitt sich in die Hand.Mit der anderen Hand fand er endlich Halt und schwang sich über den Zaun.
Der Hafenmeister kam hechelnd angerannt und blieb am Zaun stehen.
Felix rappelte sich auf und blickte sich noch einmal siegesfroh um.
"Verdammte Blagen!"schimpfte der Hafenmeister und trottete davon.
Felix errechnete wieder die Uhrzeit anhand der Sonne und spurtete los zur U-Bahn Station.
Das Hafenviertel Duisburgs war nciht gerade so vorzeigbar wie die neuen Bürobauten am Innenhafen oder das riesige "Forum"-Casino in der Stadtmitte.
Felix lief vorbei an grauen,ungepflegten Häuserfronten.Viele Häuser waren leerstehend und die Fenster mit Plakaten von Rock-Gruppen beklebt.
Hunderte von Graffitis und Tags prangerten an den Wänden.
Die meisten Läden waren An-und Verkauf Shops,Dönerbuden udn Kiosks.
Kinder saßen in den Hauseingängen und tauchten Pokemonkarten.
Viele bierbäuchige Männer standen in den Kiosks und tranken Pils.
Felix war froh als er die U-Bahn Station erreichte.
Auf der digitalen Anzeigetafel stand,dass die U-Bahn nach Kaiserberg in acht Minuten kommen würde. Also noch genug Zeit.
Felix schlenderte die Treppe zur Station hinab.
Es schienen nicht viele Menschen in die Bahn einsteigen zu wollen.
Drei Skinheads saßen auf einer Bank und tranken Bier.Felix versuchte ihren Blicken auszuweichen.
Zwei Mädchen standen zusammen,blickten zu ihm hinüber und kicherten.
Felix spürte,wie ihm die Schamesröte ins Gesicht stieg.
Er machte wirklich nicht viel her in seinem abgetragenen Hemd, der schwarzen Jeans
und den zerschlissenen Wildlederschuhen.
Er trug keine riesige Cappie,hatte keinen Schmuck und keine Markenklamotten.
Wenn er wollte,könnte felix Adidas-Schuhe,Nike-T-Shirts und chice Cappies tragen.
Doch er hasste es,als lebende Litfa-Säule durch die Welt zu laufen.
Die Bahn kam zwei Minuten später als angekündigt und war rappelvoll.
Felix zwängte sich zwischen einer Gruppe Halbstarker durch,die ihm wüste Beschimpfungen entgegen brüllten und sicherte sich einen Platz am Fenster.
Fünf Stationen.Solange würde doch hoffentlich kein Fahrkarten-Kontrolleur auftauchen.
Die Bahn setzte sich mit einem Ruck in Bewegung und saußte durch die dunklen Tunnel.
Bis zur zweiten Station geschah nichts.
Doch dann stieg ein Schaffner hinzu.
Während der Schaffner sich das Schoko-Ticket von einem Mädchen zeigen ließ,stand Felix auf und lief zur Tür.
"Hey! Bleib mal stehen!"hörte Felix die Stimme des Schaffners hinter sich.
Nach einem kurzen Blick zum Schaffner,der sich zwischen den Leuten zu ihm durchdrängte, setzte sich Felix schnell in Bewegung.
Felix lief in den anderen Waggon und drängelte sich ungehalten zwischen den Leuten hindurch.
"Spasti!"rief ihm ein Junge mit türkischen Akzent nach.
,,Bleib stehen,Junge! Das hat doch keinen Sinn!"sagte der Schaffner.
Der Mann kam Felix immer näher.
Felix rempelte einen betrunkenen Obdachlosen an und stieß mit einem Beamten zusammen.
Auf den Boden blickend rannte er zur Tür ins andere Abteil.
Doch plötzlich stellte sich zwischen die Tür und ihn eine weitere Person.
Ungebremst trudelte Felix in sie hinein.
Die Person wurde von ihm gegen die Wand gepresst.
Felix sah der Person in die Augen.
Und er erblickte die wunderbarsten,blauen Augen,die er je sehen durfte.
Das Augenpaar gehörte zu einem wunderschönen Mädchengesicht.
Sein Gesicht und ihr Gesicht waren nur so weit voneinander entfernt,dass sich ihre Nasenspitzen berührten.
Er spürte ihren Atem,der nach Mint-Kaugummi roch.
Ihr wundervoll geschwungener,schlanker Körper war ganz nah an seinem.
Nach diesem kurzen Moment inniger Intimität presste sie ihn von sich weg.
Der Schaffner blieb hinter Felix stehen.
"So,junger Mann..."
"Er gehört zu mir!"sagte das Mädchen unvermittelt mit engelsgleicher Stimme und zückte ein Schoko-Ticket.
Der Schaffner sah die Beiden an.
"Entschuldigung!"murmelte
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Kommentare
Pit Petrol schrieb am 2006-10-02 16:01:33:
Nicht schlecht. Aber das Thema ist, finde ich, ein bisschen zu ausgereizt. Außerdem ist mir das alles etwas zu gradlienig, zu klischeehaft. Trotzdem bin ich gespannt auf die Fortsetzung.
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